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Nr. 83, 02.05.2015  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Von Haithabu bis Rapa Nui

Das Institut für Ökosystemforschung präsentiert in einer Ausstellung Zustand und Wandel der Umwelt vom Gründungsjahr der Uni Kiel bis heute. Die Bei­spiele aus Schleswig-Holstein und der Welt zeigen die Vielfalt des Forschungs­gebiets.


Die Robinson Crusoe-Insel mit ihrer zweigeteilten Landschaft. Im Hintergrund, die durch Ziegenfraß geschaffenen Wüsten. Foto: Andreas Mieth

Professor Hans-Rudolf Bork ist mal wieder auf dem Sprung. Ziel der Reise ist – wie mehrfach in der Vergangenheit – die Osterinsel (Rapa Nui). Zusammen mit Dr. Andreas Mieth hat er dort »sensationelle neue Entdeckungen gemacht. Daran graben wir jetzt weiter«, berichtet der Geograf und Leiter der Abteilung Ökosystemforschung und Geoarchäologie. Die neuen Ergeb­nisse der Feldforschung auf der Insel im Südostpazifik werden im nächsten Jahr präsentiert. Das nur am Rande.

Anlass für den Besuch bei den beiden Wissenschaftlern im Institut für Ökosystemforschung ist nämlich die Sonderausstellung zum Universitätsjubiläum in der Universitätsbibliothek. »Wir zei­gen anhand faszinierender Beispiele den Umweltzustand der Welt vor 350 Jahren sowie die Umweltentwicklung Schleswig-Holsteins in den letzten Jahrhunderten«, so Bork. »Die Ausstel­lung hat also zwei Teile«, ergänzt Mieth. »Wir schauen einmal ins Gründungsjahr. Wie sah die Welt aus, als die Universität gegründet wurde? Der zweite Teil schildert an zwölf Beispielen menschlicher Eingriffe und dramatischer Umweltereignisse die Entwicklung von Schleswig-Holstein und Hamburg.«

Anno 1665 grassierte in London die Pest und forderte rund 70.000 Todesopfer. In der Karibik betrieben die Kolonialmächte Zuckerplantagen und holten dafür in großem Umfang Sklaven aus Afrika. Tropische Krankheiten wie Gelbfieber und Malaria rafften Sklaven und europäische Sklavenhändler dahin.

Ebenfalls in den Zeitraum der Universitätsgründung fielen die Zerstörung des Palmwaldes auf der Osterinsel und die Entwaldung der Robinson-Crusoe-Insel durch Ziegen. Siedler hatten Ziegen auf die unbewohnte Insel 600 km vor der chilenischen Küste gebracht. Die Landnahme scheiterte, aber einige Ziegen blieben und vermehrten sich massenhaft, da natürliche Feinde fehlten. Sie fraßen sich an den Blättern der Bäume und Sträucher satt. So wurden immer mehr Gehölze entlaubt und starben ab. Böden erodierten nach Regenfällen und wurden ins Meer geschwemmt, da kein Bewuchs sie aufhielt. Binnen eines Jahrhunderts war der Süden der Insel zur Wüste geworden. Der durch einen Gebirgszug abgetrennte Norden blieb waldreich und grün.

Das Beispiel veranschaulicht, wie der Einfluss des Menschen, in diesem Fall die vom Menschen mitgebrachten und sich selbst überlassenen Ziegen, die Entwicklung von Landschaften verändert.

Im Schleswig-Holstein-Teil der Ausstellung geht es zum Beispiel um den Kampf gegen große Sturmfluten und die Folgen von Vulkanausbrüchen auf Island. Weiterhin informieren die Ausstellungstafeln darüber, dass Schleswig-Holstein früher zeitweise Malaria-Gebiet war. Der letzte Malaria- Ausbruch liegt noch gar nicht so lange zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachten heimkehrende Soldaten die Malaria aus Ost-, Südost- und Südeuropa nach Schleswig-Holstein. Durch verschiedene Maßnahmen, unter anderem das Bestreichen der Wände von Wohn- und Schlafräumen mit DDT, wurde die von Mücken übertragene Krankheit ausgerottet.

Auch ganz neue, sensationelle Erkenntnisse fließen in die Ausstellung ein. Diese betreffen die Wikingerstadt Haithabu vor den Toren von Schleswig. »Mit Beteiligung unserer Doktorandin Svetlana Khamnueva haben wir entdeckt, dass Haithabu in der Wikingerzeit ganz anders aussah«, berichtet Hans-Rudolf Bork. Mit Bohrungen bis in vier Meter Tiefe stellten sie fest, dass es an der Sohle eine 8 bis 15 Meter breite Schlucht unter einem Bach im zentralen Bereich von Haithabu gab. Die Analyse der Bohrkerne ergab, dass diese Schlucht bereits in der Wikingerzeit existierte. Sie diente möglicherweise dazu, den Haithabu-Bach für Boote befahrbar zu machen und so eine Wasserverbindung in Richtung Treene und weiter zur Nordsee zu schaffen.

Tatsache ist, es gibt eine Kiesschicht in einer Tiefe von etwa vier Metern, so Bork: »Darüber kommen eineinhalb bis zwei Meter Siedlungsschicht und etwa ein Meter Torf. Die Torfbildung ist ein natürlicher Vorgang der Verlandung. Die oberen ein bis eineinhalb Meter sind das Ergebnis der Erosion auf den benachbarten Hängen in der Neuzeit.«

Mehr über diese und weitere span­nende Umweltgeschichten aus der Welt und aus Schleswig-Holstein können Gäste noch bis zum 17. Juli in der Universitätsbibliothek erfahren. Die Aus­stel­lungstafeln entstanden unter Mitwirkung von Studierenden der Masterstudiengänge Environ­mental Management, Umweltgeografie und Geografie für das Lehramt.

Kerstin Nees

www.ecosystems.uni-kiel.de
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