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Nr. 84, 10.10.2015  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Von der Uni ins Klassenzimmer

Was müssen Lehrerinnen und Lehrer können und wissen, um guten Unterricht in Mathe, Bio, Chemie und Physik machen zu können? Diese Frage unter­suchen Forscherinnen und Forscher am IPN und der CAU in interdisziplinären Projekten.


Die Qualität des Unterrichts hängt auch vom Lehrer ab. Der Schauspieler Robin Williams hat im Kinofilm »Der Club der toten Dichter« die Schüler begeistert.

Wer hätte nicht gern einen inspirierenden Lehrer gehabt wie John Keating, alias Robin Williams, in dem US-amerikanischen Film »Der Club der toten Dichter«? Einen Lehrer, der mit unkon­ventionellen Methoden arbeitet und die Schüler des konservativen Jungeninternats individuell fördert und ermutigt. Auch wenn der Schauplatz des Films mit der Realität in Deutschlands Schulen von heute wenig zu tun hat, haben viele Menschen eine Idealvorstellung davon, wie Lehrerinnen und Lehrer sein sollten, damit Kinder gern zur Schule gehen und motiviert am Unterricht teilnehmen. Und oft hagelt es Kritik an den Lehrkräften, wenn es in der Schule nicht so läuft wie gewünscht.

Dass Lehrerinnen und Lehrer einen gewichtigen Anteil an der Qualität des Unterrichts und dem Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler haben, ist unbestritten und auch empirisch belegt.

Weniger klar ist jedoch, was eine gute Lehrkraft ganz konkret auszeichnet. Insbesondere fehlen Erkenntnisse darüber, inwieweit sich Lehramtsstudierende während des Studiums fachdidak­tisches, fachliches und pädagogisches Wissen aneignen und welche Bedingungen das Lernen unterstützen. Dieses Defizit hat sich das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Natur­wissenschaften und Mathematik (IPN) in Kooperation mit einer Arbeitsgruppe von Professor Jens Möller vom Institut für Psychologie und einer Arbeitsgruppe von Professor Thilo Kleickmann vom Institut für Pädagogik vorgenommen.

So wurden in dem 2014 abgeschlossenen Forschungsprojekt KiL (Messung professioneller Kompetenzen in mathematischen und naturwissen­schaftlichen Lehramts­studiengängen) Test­verfahren entwickelt, mit denen das professionelle Wissen von Lehramtsstudierenden gemessen werden kann. Im Anschlussprojekt KeiLa (Kompetenzentwicklung im Lehramtsstudium) werden diese Testaufgaben eingesetzt, um zu erfassen, wie sich das Wissen im Laufe des Studiums entwickelt und wie das mit den angebotenen Lehrveranstaltungen zusammenhängt.

»Wir haben uns bei der Entwicklung der Testaufgaben stark an den KMK-Standards für die Lehrerbildung orientiert«, erklärt Professor Thilo Kleickmann. Die Ständige Konferenz der Kultus­minister in Deutschland (KMK) hat in ihren Beschlüssen von 2004 und 2008 bildungs­wissen­schaftliche, fachliche und fachdidaktische Standards für die Lehramtsausbildung verabschiedet. »Unsere Testaufgaben zum Fachwissen und fachdidaktischen Wissen in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie zum pädagogischen Wissen fragen Wissen und Kompetenzen ab, die in den KMK-Standards für Lehrerinnen und Lehrer gefordert sind.« Die endgültigen Tests wurden 2013 bei bundesweit 1.058 Studierenden mit mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächern an zwölf Hochschulen in Deutschland eingesetzt.

Dabei kam zum Beispiel heraus, dass »das Niveau des Wissens stark vom Lehrangebot abhängt«, so Kleickmann. »Das liegt natürlich auf der Hand. Wenn bestimmte Bereiche in der Lehre nicht vertreten sind, wie das zum Beispiel im pädagogischen Bereich zum Teil der Fall ist, dann haben die Studierenden darin folglich Lücken.« Zu diesen in der Lehre mitunter vernachlässigten Bereichen zählt etwa die »Klassenführung«. »Dieser Bereich ist für einen guten Unterricht zentral und sollte eigentlich überall gelehrt werden. Das ist aber nicht so. Wenn man sich ansieht, wie variabel das Lehrangebot teilweise zwischen den Standorten ist, insbesondere beim pädagogischen Wissen, wäre das ein erster Reform ansatz«, meint Erziehungs­wissenschaftler Kleickmann.

Eine Vereinheitlichung der Lehrcurricula war eigentlich eine Idee der KMK-Standards. Dennoch seien die Unterschiede nach wie vor sehr groß.

Eine weitere wichtige Frage sei, wie viel Fachwissen Lehramtsstudierende brauchen und auf welchem Niveau. »Hier ist das Lehramtstudium in der Mathematik sehr angelehnt an dem, was die Hauptfachstudierenden machen. Wir wollen wissen, wovon die Studierenden im Bereich Fachdidaktik stärker profitieren, vom akademischen Fachwissen oder von einem schulnahen Fachwissen.« Bei der Beantwortung dieser Frage soll das Anschlussprojekt KeiLa helfen. In dieser Längsschnittstudie werden die im KiL-Projekt entwickelten Tests eingesetzt, um zu erfassen, wie sich die Kompetenzen der Studierenden im Lauf des Studiums entwickeln und welche Bedingungen hierfür von Bedeutung sind. Dabei geht es sowohl um die äußeren Bedingungen, also Qualität und Inhalt der Lehrangebote, als auch um individuelle Merkmale von Studierenden.

Die Studie erstreckt sich über drei Jahre und untersucht zwei Kohorten: Studienanfängerinnen und -anfänger und Studienfortgeschrittene. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen an drei Befragungen in ihren jeweiligen Hochschulen teilnehmen und zusätzlich zwei Online-Befragungen absolvieren. Insgesamt 25 Hochschulen sind an der Studie beteiligt. Kerstin Nees

www.ipn.uni-kiel.de/de/forschung/projekte/kil
www.ipn.uni-kiel.de/de/forschung/projekte/keila
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