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Nr. 85, 23.01.2016  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Fast fünf Millionen Mal Wissen

Neben der Mensa ist die Universitätsbibliothek an der Uni Kiel die zentrale An­laufstelle schlechthin. Und sie bietet reichlich Futter: in gedruckter, zuneh­mend aber auch in digitaler Form.


Else Wischermann leitet die Geschicke der Kieler Uni-Bibliothek. Foto: pur.pur

»Viele denken nur an die Leibnizstraße, wenn von der UB die Rede ist, aber es steckt viel mehr dahinter«, sagt Dr. Else Wischermann, die die Verantwortung für ein weitverzweigtes Bücher-Imperium trägt und ihr Büro tatsächlich in der Leibnizstraße hat. Dort befindet sich die Haupt­abteilung der Zentralbibliothek, die mit ihrem Stützpunkt am Westring sowie den Medizinischen und Ingenieurwissenschaftlichen Abteilungen drei weitere direkte Ableger hat. Was aber noch längst nicht alles ist, denn ein unverzichtbares Element des mit Lesen verbundenen Teils des akademischen Alltags sind die 43 Fachbibliotheken.

Auf den ersten Blick mag das verwirrend erscheinen, aber tatsächlich steckt ein sauberer Plan hinter dieser Struktur. In der Zentralbibliothek befindet sich zunächst alles, was bis zum Jahr 1801 erschienen ist, das sind immerhin 45.000 Bände. Hinzu kommen etwa 3.000 Handschriften vor allem aus dem 15. bis zum 19. Jahrhundert und Nachlässe, zum Beispiel von Kieler Professorinnen und Professoren. Nicht zuletzt bewahrt diese Stelle knapp 400 Inkunabeln, Bücher, die im 15. Jahrhundert im sogenannten Wiegendruck hergestellt wurden und den Anfang des technisch gestützten Buchdrucks markieren.Je nach Interesse und Fachrichtung der Studierenden und Forschenden kann der eine oder die andere vielleicht einmal mit diesen Schätzen in Berührung kommen. Für das ganz normale Uni-Leben ist jedoch eine andere Funktion der Zentralbibliothek prägend: Sie ist die einzige Bibliothek, in der Bücher und Zeitschriften ausgeliehen werden können.

Klassische Rollregale im geschlossenen Magazin der Zentralbibliothek. Foto: pur.pur

Bei diesem Thema kommen die Fachbiblio­theken ins Spiel. Sie sind nicht darauf ausge­richtet, Material fürs Büffeln im häuslichen stillen Kämmerlein zu bieten, sondern führen ausschließlich Präsenzliteratur. »Fachbiblio­theken dienen der Lehre und Forschung in den Instituten, sie sollen vor allem den Wis­sen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern so­wie den Studierenden die Möglichkeit bieten, jederzeit vor Ort auf die spezielle Literatur zurückzugreifen, die sie gerade brauchen«, erläutert Direktorin Wischermann den Sinn dieser Regelung.

Was gebraucht wird, reicht ins nahezu Unermessliche. 4,64 Millionen Bände umfasste der Bestand der Universitätsbibliothek Ende vergangenen Jahres, gut die Hälfte davon entfiel auf die Zentralbibliothek. Wortwörtlich zu Buche schlagen dabei etwa 800.000 Ausleihen, was laut Else Wischermann eine »ordentliche Zahl« darstellt, zumal das Verleihen keineswegs die einzige Serviceleistung ihres Hauses ist.

Immer mehr gefragt ist die UB als Ort zum Lernen. »Oft sind 70 bis 80 Prozent unserer Plätze belegt«, sagt die Direktorin, die diesen Trend verstärkt seit der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge beobachtet. Gearbeitet wird im neuen System offenbar häufig in Gruppen, für die es in den eigenen vier Wänden an Platz mangelt.Längst kommt der Forschungsdrang auch digital daher. Was sich besonders eindrucksvoll an den Zeitschriften zeigt, von denen gut 6.000 gedruckt parat liegen, aber fast 34.000 in elektronischer Form. Besonders in den Naturwissenschaften und der Medizin ist digital wegen der höheren Aktualität erste Wahl. Wenn es ums Grundsätzliche geht, wird aber nach wie vor zum gedruckten Lehrbuch gegriffen. Was ganz ähnlich auch in den Rechtswissenschaften gilt, in denen der Computer beim schnellen Nachschlagen gute Dienste leistet, ohne beim eigentlichen Lernen das Papier verdrängen zu können.

»Das Buch lebt«, schlussfolgert Else Wischermann, deren auf 145 Vollzeitstellen verteiltes Team sich dem Neuen trotzdem nicht verschließt. So ist beispielsweise das komplette Programm des Wissenschaftsverlags UTB online verfügbar, und darüber hinaus ist die Universitätsbibliothek dabei, unter dem Stichwort Open Access alle Publikationen der für die Universität tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für alle übers Netz zugänglich zu machen.

Auch für bereits bei Verlagen Publiziertes ist das urheberrechtlich nach neuester Gesetzeslage kein allzu großes Problem mehr, im einen oder anderen Fall muss jedoch noch Überzeugungsarbeit bei den Autorinnen und Autoren geleistet werden.Gern in Anspruch genommen werden in der Universitätsbibliothek übrigens auch die Kurse zur Nutzung von Datenbanken. Dabei zeigt sich nach den Worten der Direktorin, dass selbst die mit Internet und Co. groß gewordene Generation der Studierenden Aufklärungsbedarf hat, wenn es darum geht, digitalen Datenspeichern detailliertere Informationen zu entlocken, als gewöhnliche Suchmaschinen bieten.Insofern gilt es an der Uni Kiel nicht nur für Frau Dr. Wischermann als ausgemachte Sache: »Die UB wird auch in vielen, vielen Jahren noch ihre Daseinsberechtigung haben.«

Martin Geist
Übrigens ...
... die Universitätsbibliothek Kiel steht nicht nur Angehörigen der Universität Kiel und der anderen Hochschulen in Schleswig-Holstein offen. Willkommen sind alle an wissenschaftlicher Information Interessierten, die ihren amtlichen Wohnsitz in Schleswig-Holstein haben. Und sie nutzen dieses Angebot. Zwischen 10 und 12 Prozent aller Ausleihen gelangen in die Hände von exter nen Nutzerinnen und Nutzern.

Sie dürfen sich außerdem ebenso wie die Studierenden in die Lesesäle setzen, um ihr Wissen zu mehren. Auch Führungen, Ausstellungen, Datenbank-Kurse und andere Angebote stehen allen offen, die teilnehmen wollen. Einen Unterschied gibt es lediglich bei der Ausleihe. Während Uni-Angehörige diesen Service kostenlos in Anspruch nehmen dürfen, müssen Externe eine Jahresgebühr von allerdings sehr überschaubaren 18 Euro entrichten. (mag)
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