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Nr. 87, 16.07.2016  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Masterplan fürs Lehramtstudium

Die Lehramtsausbildung an der CAU ist im Umbruch. Vorbereitet werden derzeit das Praxissemester im Masterstudium sowie flankierende Projekte zur besse­ren Verknüpfung von Theorie und Praxis.


Praktika in der Schule sind integraler Bestandteil der Lehramtsausbildung an der Uni Kiel. Das erste ist in der Grundschule, weil die Hemmschwelle, dort zu unterrichten, noch ein bisschen geringer ist. Foto: Thinkstock

Dem Lehramtsstudium wird häufig der mangelnde Praxisbezug vorgeworfen. Ein Vorurteil? Tatsache ist, dass angehende Lehrerinnen und Lehrer während ihres Studiums an der Kieler Universität drei Praktika an Schulen absolvieren, zwei im Bachelor- und eins im Masterstudium. Diese haben unterschiedliche Schwerpunkte und werden durch entsprechende Lehrveranstaltungen in den jeweiligen Fachdidaktiken und der Pädagogik vorbereitet. Und der Praxistest kommt schon recht früh. Das erste dreiwöchige Praktikum – in einer Grundschule – steht bereits im zweiten Studienjahr an. Wer also ein Lehramt an der Uni Kiel studiert, lernt bereits früh den Praxisalltag kennen, noch bevor mit dem Masterstudium die Entscheidung für den Lehrerberuf getroffen wird.

Auf der anderen Seite ist es aber auch nicht so, dass die Uni auf jede Situation in der Schule vorbereiten kann und will. »Studierende haben oft die Vorstellung, dass alles, was sie an der Uni hören, sehen oder erleben, eins zu eins in der Schule verwertbar ist. Das ist aber nicht so.« Mit diesem grundlegenden Missverständnis räumt Professorin Birgit Brouër vom Institut für Pädagogik auf. Beim Lehramtsstudium werde man nicht auf jede mögliche Unterrichtssituation vorbereitet, da diese Situationen enorm vielfältig seien. Das Studium sei keine Meisterlehre, bei der ein Meister einem Lehrling sein Können weitergebe.

Stattdessen werden hier Fächer von Grund auf studiert und die notwendigen pädagogisch-psychologischen und fachdidaktischen Kenntnisse erworben. »Jemand, der an Schulen unterrichten soll, muss ein breites Fundament mitbringen. Die Spezialisierung wird er im Laufe seines Studiums und im Referendariat noch erfahren«, betont die geschäftsführende Direktorin des Zentrums für Lehrerbildung (ZfL) an der CAU.

Ungeachtet dieser unterschiedlichen Vorstellungen gibt es aus Brouërs Sicht aber auch in der Lehramtsausbildung noch Verbesserungsbedarf. So läuft die Verknüpfung von Theorie und Praxis noch nicht optimal. Dieser Aufgabe nimmt sich das Projekt LeaP@CAU – Lehramt mit Perspektive an der CAU an. Gefördert wird das Vorhaben in den kommenden vier Jahren mit bis zu 3,5 Millionen Euro von Bund und Ländern über die Qualitätsoffensive Lehrerbildung.

Konkrete Maßnahmen sind zum Beispiel der Ausbau der extracurriculären, das heißt nicht verpflichtenden Angebote des Zentrums für Lehrerbildung und der Ausbau der Kieler Forschungswerkstatt. Das ZfL bietet diverse freiwillige Workshops und Zertifikatskurse an, die konkret auf die Bedüfnisse in der schulischen Praxis zugeschnitten sind. Dazu zählen zum Beispiel die Zertifikate für Deutsch als Zweitsprache (DaZ), aber auch Workshops zu Inklusion, Verhaltensauffälligkeiten oder Stimmtraining. »Dieser Bereich wird so stark nachgefragt und ist so wichtig geworden für unsere Studierenden, dass wir hier personell aufstocken wollen. Eine halbe Stelle aus dem LeaP-Projekt ist daher im ZfL verankert, um die extracurriculären Angebote auszubauen und zu evaluieren.«

Praktische Erfahrungen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern können Lehramtstudierende auch in der Kieler Forschungswerkstatt machen, deren Schwerpunkt derzeit noch auf den Naturwissenschaften liegt. Geplant ist hier, das Kursangebot auf weitere Fachgruppen auszuweiten. Mit diesen Initiativen wird auch die Einführung des Praxissemesters im dritten Semester des Masterstudium flankiert. Praxissemester bedeutet, dass die Studierenden ein Semester lang keine Fachwissenschaft studieren, sondern ausschließlich pädagogische, fachdidaktische Praxis. Damit sollen sie bestens vorbereitet in das anschließende achtwöchige Praktikum an der Schule gehen.


Das übergeordnete Thema ist »Heterogenität und Inklusion«. An der Schule steht jedem Studierenden eine Lehrkraft als Mentorin oder Mentor zur Seite. Für die Einführung des Praxissemesters wird derzeit die Studien- und Prüfungsordnung im Master of Education komplett geändert. Sie wird für alle Studierenden gelten, die im Wintersemester 2017/18 ihr Masterstudium an der CAU beginnen.

Kerstin Nees

www.zfl.uni-kiel.de
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