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Nr. 87, 16.07.2016  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Fossilienjagd mit dem Computer

Ein Kieler Student hat eine Methode mitentwickelt, um potenzielle Fundorte von Fossilien vorherzusagen.


In seiner Masterarbeit berechnete Sebastián Block die Wahrscheinlichkeit, in verschiedenen Regionen Australiens Überreste ausgestorbe­ner Säuger, etwa des Riesenbeuteltiers Dipro­todon, zu finden. Foto: privat

Fossilien sind eine wichtige Quelle von Informationen über vergangene Erdzeitalter und darum von enormer Bedeutung für die Paläontologie. Dumm nur, dass die Urviecher – beziehungsweise deren versteinerte Überreste – sich so gut zu verstecken wissen.

Bisher sind es oft Zufallsfunde, welche die Forsch­ung voranbringen. Ein Team von Wissenschaft­le­rinnen und Wissenschaftlern aus Australien, Mexiko und Kiel hat nun ein Verfahren entwickelt, um die Suche nach Fossilen zu vereinfachen.

Maßgeblichen Anteil an der neuen Methode hat Se­bastián Block, der sich im Rahmen seiner Master­arbeit an der Kiel School of Sustainability, Studien­gang Angewandte Ökologie, an dem Prognose­projekt beteiligte.

»Unser Modell soll vorhandenes geologisches Wissen ergänzen und die Auswahl möglicher Fos­silien-Fundplätze einschränken«, erklärt Block und fährt fort: »Wir haben die Annahme zugrun­de gelegt, dass Fossilien nur dort erhalten erhalten sein können, wo bestimmte geologische Bedingungen gegeben waren und sind, die das Ablagern begünstigen.«

Der Forschungsgruppe, deren Ergebnisse kürzlich in einer internationalen Online-Fachzeitschrift veröffentlicht wurden, gehört auch Professor Corey Bradshaw von der Universität Adelaide an. Dank ihm und seinem Mitarbeiter Frédérik Saltré standen große Datenmengen aus Australien für das Projekt zur Verfügung. »In die Berechnungen flossen erstens Daten über bisherige Fundstellen von Fossilien in Australien ein«, erläutert Sebastián Block; »Zweitens bezogen wir Klimarekonstruktionen ein, die uns Aussagen darüber erlauben, wie Temperaturen und Niederschläge vor Zehntausenden von Jahren auf dem fünften Kontinent verteilt waren.« Damit lassen sich potenzielle Lebensräume ausgestorbener Großsäuger eingrenzen.

»Drittens nahmen wir die bereits erwähnten geologischen Gegebenheiten mit in das Rechen­mo­dell auf«, sagt Block. Aus diesen Modellierungen ist eine Landkarte entstanden, die für sämtliche Regionen Australiens die Wahrscheinlichkeit angibt, dort Fossilien bestimmter ausgestorbener Lebewesen zu finden, etwa des nashorngroßen Riesenbeuteltiers Diprotodon, des Beutellöwen Thylacoleo oder des Donnervogels Genyornis. So weist das Modell die Regionen rund um die Seen Eyre und Torrens in Südaustralien sowie das Gebiet um Shark Bay in Westaustralien als besonders heiße Kandidaten aus, um neue Fossilien von Riesenbeuteltieren zu Tage zu fördern.

»Dieses Modell lässt sich prinzipiell auch auf Deutschland anwenden«, meint Professor Ingmar Unkel vom Institut für Ökosystemforschung, der Sebastián Block bei seiner Masterarbeit betreut hat. »Allerdings sind hier die Erhaltungsbedingungen ganz andere und die Ablagerungsgebiete sind wesentlich kleinräumiger als in Australien«, weiß Unkel. »Daher wären sehr detaillierte Daten nötig, um aussagekräftige Prognosen zu ermöglichen.« Unkel sieht den Forschungserfolg von Block, der mittlerweile an der renommierten ETH Zürich promoviert, als Beleg dafür, dass die internationalen Masterstudiengänge an seinem Institut beste Bedingungen für die Studierenden bieten.

Jirka Niklas Menke
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