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Nr. 87, 16.07.2016  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Aus Wissen Unternehmen machen

Akademisch und zugleich unternehmerisch denken: Das funktioniert sehr wohl, weiß Professor Achim Walter vom Fachbereich für Gründungs- und Innova­tionsmanagement.


Im Februar 2003 kam es einem kleinen Umbruch gleich, als das Institut für Betriebswirtschaftslehre einen so ausge­rich­teten Fachbereich schuf. Dass er als »der Neue« zunächst teils skeptisch beäugt wurde, dafür hat Achim Walter Ver­ständnis. »Das ist aber kein Thema mehr«, sagt er heute. Wie wichtig es ist, berufliche Selbstständigkeit als eine Möglichkeit der Verwertung universitären Wissens zu fördern, ist nach seiner Erfahrung längst unbestritten.

»Sich Wissen anzueignen, daraus neue Lösungen zu machen und diese Lösungen wirt­schaftlich zu verwerten, darauf kommt es an«, sagt Walter, der dabei nicht nur die Studierenden im Blick hat, sondern mindestens genauso stark die vielfach nur mit befristeten Verträgen ausgestatteten wissenschaftlichen Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter der Uni Kiel. »Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler siedeln sich hier an mit ihren Familien und brauchen Perspektiven über den Hochschulbetrieb hinaus«, betont er.

Viele der Lehrveranstaltungen des Professors befassen sich mit Entrepreneurship und Inno­vationsmanagement, vermitteln das theoretische Rüstzeug, um Chancen zu erkennen und zu nutzen. Doch damit ist es nicht getan, es braucht »gründungsauslösende Impulse«, wie Walter sagt. Nicht bei allen ist es nach seinen Worten möglich, solche Impulse zu setzen, bei manchen aber eben doch. Und manche haben sie einfach schon in sich.

»Es gibt Menschen, bei denen ist das Bedürfnis, Wirkung zu entfalten, das eigene Berufsleben selbst zu bestimmen, weit überdurchschnittlich ausgeprägt«, sagt der Wirtschaftsingenieur. Woher das kommt, gilt zwar als noch nicht umfassend beantwortete Forschungsfrage, doch der Gründungs- und Innovationsexperte vermutet stark, dass viele dieser Menschen positive Bei­spiele erlebt haben und entsprechend geprägt wurden.

Ein Stück weit arbeitet auch Walters Arbeitsgruppe mit solch positiven Beispielen. Alle Jahre wieder sehr begehrt sind Plätze in der Entrepreneurs’ Innovation Summer School (EISS), wo studentische und wissenschaftliche Gründerinnen und Gründer mit Forschenden und Unter­nehmen zusammenkommen, um ihre Ideen voranzubringen. Und kaum etwas ist motivierender, als unternehmerisch Interessierte mit Menschen zusammenzubringen, die diesen Weg schon ein oder gar mehrere Male erfolgreich gegangen sind, weiß Walter. Mit dabei sind in dieser Sommerschule stets Einrichtungen wie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die Investitionsbank Schleswig-Holstein und die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH). Erst recht natürlich das universitätseigene Zentrum für Entrepreneurship (ZfE), mit dem Professor Walter ohnehin eng zusammenarbeitet und dem er auch angehört.

Klar ist, dass die Gründungsinteressierten Gründungsinteressierten von diesen Organisationen über die eigentliche EISS-Zeit hinaus unterstützt werden. Und immer wieder landen, davon abgesehen, Leute mit Ideen einfach so in den Büros von Professor Achim Walter oder Dr. Anke Rasmus vom ZfE. Jüngst zum Beispiel meldete sich ein Student, der gern segelt und sich ein System ausgedacht hat, um sein Boot besser zu navigieren. An Bekannte verkauft er seine Erfindung schon weiter, nun liebäugelt er damit, ein wirkliches Geschäft daraus zu machen. Solche Studierenden erfahren bei Walter und Co. besondere Zuwendung. »Der denkt schon unternehmerisch und wird sehr wahrscheinlich mit dieser oder einer anderen Idee seinen Weg machen«, glaubt der Kieler Professor.

Meereskundler, die ein eigenes Büro zur Beratung von an nachhaltigem Wirtschaften interes­sier­ten Aquakultur-Betrieben gegründet haben, Studenten der Technischen Fakultät mit einem Kom­mu­nikationssystem für Innenräume von Autos und viele weitere Hochschulangehörige sind mittlerweile schon einen Teil ihres Weges mit der universitären Unternehmensförderung gegangen. Und das, so betont Walter, mit durchaus vielversprechenden Perspektiven.

Martin Geist
Geld für gute Ideen
Von der Idee zum Unternehmen: Darum geht es beim Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein. Die Uni und die Fachhochschule Kiel suchen zusammen mit der Wirtschaftsförderung und Tech­nologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) und dem Wirtschaftsministerium Hoch­schul­angehörige, die mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen eine berufliche Selbst­ständigkeit anstreben. Aus dem Wettbewerb sind schon mehrere Firmen hervorgegangen, die sich heute erfolgreich am Markt behaupten.

Einsendeschluss für den Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein ist der 11. September. Vergeben werden Preise im Wert von insgesamt 12.500 Euro, der erste Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. Teilnehmen können alle Angehörigen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Schleswig- Holstein beziehungsweise deren Absolventinnen und Absolventen. (mag)

www.seedfonds-sh.de
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