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Nr. 88, 22.10.2016  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

»Mir wurden hier die Augen geöffnet«

Fachtagungen, Podiumsdiskussionen, Vortragsreihen – was es bedeutet, so etwas zu organisieren, haben Studierende am Historischen Seminar erlebt.


Voller Tatendrang: Mit viel Einsatz und Enthusiasmus haben die vier Studierenden um Martin Göllnitz (vorne links) und Oliver Auge (rechts) die Fachtagung Anfang Dezember vorbereitet. Foto: Haacks

Das Fach Landesgeschichte an Schulen ist für Professor Oliver Auge, Direktor der Abteilung für Regionalgeschichte am Historischen Seminar, ein wichtiges Anliegen. Wie viel wissen schles­wig-holsteinische Schülerinnen und Schüler über die Geschichte ihres Heimatbundeslandes, wo bestehen möglicherweise Lücken im Lehrplan – und weshalb ist das überhaupt wichtig?

Um diese und andere Fragen zu klären, werden Auge und Martin Göllnitz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung, im Dezember eine Tagung ausrichten, unter Beteiligung einiger nam­hafter Redner und Rednerinnen. Bei der aufwendigen Vorbereitung sind die beiden Historiker jedoch nicht allein. Unterstützung kommt von vier Studierenden: Im Rahmen eines Projekt­seminars hatte die Gruppe die Aufgabe, die zweitägige Tagung zum Thema »Landesgeschichte an Schulen« zu organisieren. Gefördert wurde das Seminar aus dem Fonds für Lehrinnovation des Projekts erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe).

»Wissenschaftsmanagement«, das war es, was die Studierenden im Projektseminar lernen sollten. Trotz einiger Vorarbeiten durch ihre zwei Dozenten, etwa der Anfrage bei den in Frage kommenden Referentinnen und Referenten, blieb für die drei angehenden Historiker und eine angehende Historikerin genug Arbeit übrig: »Eine wissenschaftliche Tagung zu organisieren, das umfasst so viele, auch kleine Aspekte. Die Detailverliebtheit hat mich manchmal wirklich überrascht«, gibt Arne Leckband, Bachelorstudent und Teilnehmer des Seminars, zu. »Dass man sich hier über Sachen wie die richtige Anzahl der zu bestellenden Käsebrötchen Gedanken machen muss, hatte ich vorher nicht auf dem Zettel.«

Doch das leibliche Wohl ist nur ein kleiner Teil der Punkte auf einer großen Liste organisa­torischer Aufgaben, die die Studierenden abzuarbeiten hatten: Redner und Rednerinnen müssen kontaktiert und untergebracht werden, auch eine gewisse technische Kompetenz ist von großer Bedeutung sowie Kreativität beim Design der Flyer, mit denen die Tagung im Vorhinein beworben wird.

Diese Vielzahl an Aufgaben teilten die Studierenden selbst untereinander auf. Arne Leckband über­nahm die Korrespondenz mit dem Kieler Hotel, in dem für die neun Referentinnen und Referenten der Tagung Zimmer gebucht werden mussten. Kommilitone Markus Wilke kümmerte sich um den Veranstaltungsraum.

Die Absprachen mit den Rednern und Rednerinnen traf Masterstudentin Anna Brauer. »Da müssen zum Beispiel Erinnerungsmails verschickt werden. Und auch wenn Rückfragen bezüglich der Organisation bestehen, können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an mich wenden«, erklärt sie ihre Arbeit. Der vierte Seminarteilnehmer Marvin Groth schließlich war federführend bei allen Fragen rund um die Technik, kümmerte sich zum Beispiel um das Layout von Flyer, Plakat und Programm.

In der letzten Sitzung des Seminars stellten sich dann weitere, grundlegende Fragen. Da wurde diskutiert, ob der Titel der einzelnen Vorträge im Tagungsflyer lieber fett oder kursiv gedruckt werden sollte – was ist besser lesbar? Sollen außerdem alle akademischen Titel der Referentinnen und Referenten im Programm angegeben werden? Und in welcher Reihenfolge listet man die Redner und Rednerinnen am besten im Programm auf?

»Mir wurden hier wirklich die Augen geöffnet. Zum ersten Mal habe ich gesehen, dass monate­lange akribische Arbeit hinter einer solchen Tagung steckt. Das hat mich Respekt gelehrt«, resümiert Marvin Groth. Eine Tatsache, die dem erfahrenen Planer Oliver Auge schon im Vorfeld bewusst war.

Doch trotz aller Erfahrung – ein Restrisiko bleibe immer: »Auch wir wissen am Anfang eines solchen Projekts nie, was am Ende rauskommt.« Sein Anliegen, den Studierenden einen praxisnahen Einblick in die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu ermöglichen, hätten er und Martin Göllnitz hier aber wunderbar vermitteln können. »Wir als Hochschulpersonal forschen und lehren eben nicht nur, sondern haben in unserem Beruf auch zahlreiche organisatorische Aufgaben zu bewältigen.« Das sei den Studierenden deutlich geworden. In seinem Seminar habe er das Glück gehabt, mit einer »hochmotivierten Truppe« zusammenzuarbeiten. Und auch für die Studierenden könne die Erfahrung, die sie in dem Projekt gesammelt haben, später im Berufsleben nur von Nutzen sein: »Eine Win-win-Situation«, freut sich Auge. Wer die Frage nach der Rolle von Landesgeschichte an Schulen in Schleswig-Holstein spannend findet, kann sich vom Organisationstalent der Gruppe selbst überzeugen. Interessierte sind dazu am 1. und 2. Dezember eingeladen.

Julia Beil

Fachtagung »Bedrohte Landesgeschichte an der Schule? Stand und Perspektiven«.
1./2. Dezember. Internationales Bildungszentrum, Kiellinie 5.
Eintritt: 15 Euro; frei für Studierende, Schülerinnen und Schüler.
Anmeldung bis 15. November an: Lisa Kragh und Karoline Liebler,
sekretariatrg@histosem.uni-kiel.de, Tel 0431/880-3199.

Podiumsdiskussion mit Staatssekretär Rolf Fischer, Professor Gerhard Fouquet, Professor Rainer Hering, Professor Karl Heinrich Pohl und Dr. Silke Urbanski.
1. Dezember, 19:00 bis 21:00 Uhr,
Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek, Wall 47-51. Eintritt frei.

Web: bit.ly/landesgeschichte
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