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Nr. 91, 15.07.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Kranke Kuscheltiere bestens versorgt

Kindern die Angst vor dem Krankenhaus und medizinischen Behandlungen zu neh­men, ist das Ziel des Teddybärkrankenhauses der Fachschaft Medizin. Der Umgang mit den Kleinen und ihren Bären schult auch Studierende.


Alles in Ordnung mit den Ohren des Plüschbärs? Im Teddybärkrankenhaus der Fachschaft Medizin unter­suchten angehende Medizinerinnen und Mediziner zusammen mit Kindergartenkindern die Lieblings-Kuscheltiere der Kleinen. Foto: pur.pur

Ist das Lieblingskuscheltier krank, dann muss es zum Arzt. Für plüschige Notfälle sind die Teddy­dokto­rinnen und -doktoren der Kieler Universität zuständig. Die angehenden Ärztinnen und Ärzte praktizieren einmal im Jahr im Teddybärkrankenhaus in der Innenstadt. Rund einhundert Studierende der Fach­richtungen Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Ökotrophologie kümmerten sich Ende Mai vier Tage lang um Beinbrüche und Bauchweh, um verstauchte Eulenflügel und Einhörner mit Zahnschmerzen - und natürlich um die kleinen Besitzerinnen und Besitzer der Kuscheltiere.

»Die Idee zum Teddybärkrankenhaus kommt ursprünglich aus Schweden«, sagt Jenny Hildebrandt, Medizinstudentin im zweiten Semester. Vor sieben Jahren haben die früheren Studentinnen Lisanne Mattuschka und Julia Otto diese Idee aufgegriffen und das Projekt zusammen mit einer Arbeitsgruppe der Fachschaft Medizin in Kiel umgesetzt. Seitdem kümmern sich die Teddydocs – Studierende ab dem zweiten Semester, die freiwillig und ehrenamtlich mitmachen – um kranke Plüschtiere von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren.

»Wie wollen den Kindern frühzeitig die Angst vor Ärztinnen und Ärzten im weißen Kittel oder in OP-Klei­dung und vor den verschiedenen Behandlungen nehmen«, erklärt Vanessa Osmers, Medizinstudentin im sechsten Semester und erfahrende Teddybärdoktorin. Dafür haben die Studierenden in ihren fünf Behand­lungszelten verschiedene Stationen – vom Wartebereich über das Behandlungszimmer, die Blutabnahme und das Röntgen bis zur Apotheke - aufgebaut, die die Kinder durchlaufen. Auch ein Ret­tungswagen steht für Besichtigungen und Probeliegen bereit.

»Zusammen mit den Kuscheltiereltern untersuchen und behandeln wir die Plüschtiere. Wir nehmen zum Beispiel 'Blut' ab und untersuchen das, oder wir legen den Teddy ins MRT und erklären den Kindern die Bilder«, erklärt Vanessa Osmers den Ablauf. »Für die Kinder ist die Situation im Teddybärkrankenhaus anfangs oft aufregend. Da sie aber selbst nicht betroffen sind, beruhigen sich die meisten schnell wieder und sind dann fasziniert, was alles mit ihrem Plüschtier gemacht wird und stellen viele Fragen.»

Doch nicht nur die Kleinen lernen viel beim Teddydoc, auch die Studierenden sammeln beim Umgang mit den Kindern wertvolle Erfahrungen, wie nicht nur Jenny Hildebrandt und Vanessa Osmers finden. »Man muss mit Kindern anders umgehen als mit Erwachsenen.« So ist es zum Beispiel wichtig, mit den Plüschtier-Besitzerinnen und -Besitzern auf Augenhöhe zu sprechen, also in die Hocke zu gehen, geduldig zuzuhören und alle Untersuchungen sowie die Diagnose kindgerecht und nicht in Medizin­fach­sprache zu erklären. All diese Tipps bekommen die Teddydocs in einer Einführungsveranstaltung von Privatdozent und Kinderarzt Dr. Tobias Ankermann vom UKSH, der das Projekt unterstützt.

»Der Vortrag ist wichtig, damit auch Studierende der ersten, vorklinischen Semester, die noch keine Erfah­rung in der Krankenversorgung haben, wissen, was zu tun ist. Für viele unserer freiwilligen Teddy­docs ist das Projekt Teddybärkrankenhaus der erste Kontakt mit Patientinnen und Patienten, auch wenn diese nur aus Plüsch sind«, sagt Jenny Hildebrandt.

Zudem hilft der Vortrag des Kinderarztes den Studierenden, auch mit schwierigen Fällen klarzukommen. »Es ist schon vorgekommen, das die Teddys Krebs haben oder Gedächtnisschwund«, sagt Vanessa Osmers. »Darauf müssen wir mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen eingehen, ohne etwas zu verharmlosen.« Auch solche Fälle gehören zum Leben und zum Job dazu. »Dennoch macht das ehrenamtliche Engagement als Teddydoc einfach Spaß«, finden Jenny Hildebrandt und Vanessa Osmers. Und wer einmal ein Kuscheltier wieder gesund gepflegt und ein Kind glücklich gemacht hat, der bleibt dabei.

Jennifer Ruske
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