CAU - Universität Kiel
Sie sind hier: StartseitePresseUnizeitNr. 91Seite 11
Nr. 91, 15.07.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

»Mein Schwerpunkt setzt sich selbst.«

Claudia Ricarda Meyer ist seit dem 1. Mai Kanzlerin der Kieler Universität. Im unizeit-Interview berichtet sie von ihren ersten Eindrücken im neuen Amt.


unizeit: Sie sind seit einigen Wochen Kanzlerin der Landesuniversität Schleswig-Holsteins. Sind Sie schon im neuen Amt angekommen?

Claudia Ricarda Meyer

Claudia Ricarda Meyer: Ich bin gut angekommen. Aber es sind erste Schritte des Kennenlernens, sowohl der Uni­versität als auch der Stadt. Ich erweitere beständig meinen Radius, lerne die Zentrale Verwaltung, die Fakultäten und Einrichtungen der Universität kennen. Ich freue mich über die große Offenheit und Aufgeschlossenheit, mit der mir allerorten begegnet wird, weiß aber natürlich auch um die Erwartungen, die an mich bestehen.

Auch in der Stadt bin ich gut angekommen. Zurzeit pendle ich an den Wochenenden noch zwischen Kiel und Lüne­burg, aber ich werde möglichst bald ganz nach Kiel ziehen.

Gab es, nach den ersten Eindrücken an der CAU, etwas Überraschendes für Sie?

Was mich überrascht und beeindruckt, sind die Leistungen in Forschung, Studium und Lehre, die hier vor dem Hintergrund der strukturellen Unterfinanzierung erbracht werden. Nicht nur die Erfolge in der Exzel­lenzinitiative und in den jetzt gestellten vier Anträgen, auch in den zahlreichen weiteren Projekten darüber hinaus. Es ist wirklich eindrucksvoll, wie es hier gelungen ist, ein Profil und eine verantwor­tungs­volle Zusammenarbeit zu entwickeln.

Ihre Hauptaufgaben sind Finanzen, Personal und Bau. Wie werden Sie diese angehen und Schwerpunkte setzen?

Unter dem Strich sind meine Themen die Infrastruktur und gute Arbeitsbedingungen. Diesen Rahmen will ich für alle sichern, die die Kernaufgaben der Universität in Forschung, Lehre und Transfer wahr­nehmen. Dazu gehört das tägliche Brot wie Berufungen und Stellenbesetzungen. Aber auch Arbeits­schutz, Personalentwicklung und Gesundheitsmanagement will ich konsequent weiterentwickeln.

Grundlage hierfür sind solide Finanzen. Um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Bundes­ländern und international zu sichern, müssen wir uns weiter für eine auskömmliche Grundausstattung einsetzen. Nach wie vor ist die Universität trotz einer Aufstockung des Grundhaushaltes strukturell unterfinanziert. Wir müssen allerdings auf strategische Anforderungen wie Digitalisierung, Barrierefreiheit oder Internationalisierung flexibel reagieren können. Wir werden deshalb bei der neuen Landesregierung weiter dafür werben, dass die Wissenschaft ein wichtiger Faktor für die Landesentwicklung ist. Es lohnt sich für ganz Schleswig-Holstein, wenn in dieses Themenfeld investiert wird.

Und wie steht es in Sachen Bau?

Meine Position ist eng verknüpft mit den Themen Bau und Sanierung, dieser Schwerpunkt setzt sich von selbst. Ich habe bereits eine Vorstellung davon, was für eine Herausforderung es sein wird, die Baumaßnahmen im laufenden Betrieb sicherzustellen. Und wie dringlich der Sanierungsbedarf auf dem Campus ist - auch über die Maßnahmen hinaus, die jetzt dank der zusätzlichen Finanzmittel realisiert werden können. Wir werden große Anstrengungen unternehmen müssen, um die Arbeitsbedingungen für die Wissenschaft zu sichern und sind dafür auf weitere Unterstützung durch das Land angewiesen.

Mir ist dabei wichtig, dass wir beim Bau auch schon an den Betrieb denken und was daraus an Anforderungen für die nächsten Jahrzehnte erwächst. Baumaßnahmen, die ganzheitlich und nachhaltig angegangen werden, sind zunächst teurer. Betrachtet über einen Zeitraum, der länger als eine Legislaturperiode ist, wird es sich rechnen. Dafür werden wir ebenfalls bei der Politik werben.

Auch am Campus werden wir Überzeugungsarbeit leisten. Ich bin sicher, dass die Neubauten zu einer spürbaren Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen werden. Bis dahin werden wir alle aber auch mit Einschränkungen leben müssen.

Was wünschen Sie sich für die Universitätsentwicklung?

Im Universitätsjubiläum vor zwei Jahren wurde angefangen, stärker in die Stadt hineinzuwirken. Ich wünsche mir, dass dieses Potenzial weiter ausgebaut wird. Mehr Veranstaltungen könnten in das Stadt­gebiet gebracht werden. Aber auch die Wirtschaft müssen wir stärker erreichen und unseren Technolo­gie­transfer ausbauen. Mit der Weiterentwicklung von bestehenden Strukturen wie dem Wissen­schafts­park kann das gelingen.

Das Interview führte Claudia Eulitz.

www.diversitaet.uni-kiel.de
Zur Person
Claudia Ricarda Meyer (45) war bislang Leiterin der Bereiche Universitätsverwaltung und Universi­täts­entwicklung an der Leuphana Universität in Lüneburg. Nach dem Studium der Angewandten Kultur­wissenschaften in Lüneburg absolvierte sie ein Ergänzungsstudium »Wissenschafts­management« an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer.
Seit dem Jahr 2000 war sie in verschiedenen Funktionen an der Universität Lüneburg tätig und be­gleitete dabei Projekte wie die Gründung der Stiftungsuniversität und die Fusion zweier Hochschulen. Am 18. Januar 2017 wählte der Akademische Senat der Kieler Universität Claudia Ricarda Meyer zur Kanzlerin. Ihr Amt trat sie am 2. Mai 2017 an. Die Amtszeit als Kanzlerin der Kieler Universität beträgt sechs Jahre. Als Teil des Präsidiums leitet sie die Verwaltung der Universität und ist Beauftragte für den Haushalt. (cle)
Top  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 


Zuständig für die Pflege dieser Seite: unizeit-Redaktion   ► unizeit@uni-kiel.de