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Nr. 91, 15.07.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE 

Heilkunst aus fernen Ländern

Von A wie Ayurveda bis Z wie Zungendiagnostik: Die Universität Kiel wird im August zum Treffpunkt für Fachleute und Interessierte traditioneller Medizinkulturen Asiens.


Jahrhundertealte traditionelle Medi­zinkulturen aus asiatischen Ländern können bei einer Konferenz in Kiel theoretisch und praktisch entdeckt werden. Foto: Thinkstock

Wenn am 6. August der 9. Internationale Kongress zu traditioneller asiatischer Medizin eröffnet wird, geht für Professsorin Angelika Messner, die das Chinazentrum an der Universität Kiel leitet, eine zwei­jährige Vorbereitungszeit zu Ende. Mit einer kleinen Gruppe Studierender und in Kooperation mit Dr. Michael Stanley Baker vom Max-Planck-Institut für Wissen­schaftsgeschichte, Berlin, erarbeitet die Sinologin und Wissenschaftshistorikerin das umfangreiche Pro­gramm. Die sechstägige Veranstaltung findet zum zweiten Mal überhaupt in Europa statt und wird von der deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) und hier speziell die Akupunktur ist mittlerweile in der west­lichen Welt weit verbreitet. Für einige Beschwerden ist die Akupunktur sogar als alternative Behand­lungs­form anerkannt und wird auch von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Bewegungs­pro­gramme asiatischen Ursprungs wie Yoga, Tai Chi, Qigong werden überall auf der Welt geschätzt und von vielen Menschen regelmäßig praktiziert, um Stress zu reduzieren und die Gesundheit zu erhalten, Wirkungen, die teilweise auch wissenschaftlich belegt sind. Diese Praktiken sind allerdings nur ein winziger Ausschnitt aus der Fülle asiatischer Medizinkulturen.

Zur Konferenz in Kiel werden über 300 Vorträge, Poster und Videobotschaften zu medizinischen Konzepten und Praktiken aus allen asiatischen Regionen erwartet. "Wir haben nicht nur Fachleute der traditionellen chinesischen Medizin hier, sondern unter anderem auch Expertinnen und Experten aus Indien, Bhutan, Japan, Tibet oder der Mongolei. Die haben alle eigene Konzepte und eigene Kulturen", sagt Messner, die historische Bücher zur chinesischen Heilkunst ins Deutsche übersetzt hat.

Bei der Organisation der Konferenz war der Wissenschaftlerin wichtig, Theorie und Praxis zusammen­zubringen. Das heißt, es kommen sowohl klinisch Praktizierende als auch Forscherinnen und Forscher aus der Anthropologie, der Geschichtswissenschaft, der Ethnobotanik oder Pharmazie, alles inter­national anerkannte Fachleute, um die neuesten Forschungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren. Sie alle können sich bei den morgendlichen praktischen Übungen wie Qigong oder Shiatsu fit halten.

»Eigens für Ärztinnen und Ärzte haben wir zwei klinische Tage zur Fortbildung geplant. Wir haben zum Bei­spiel eine Professorin zum Thema Zungendiagnose hier. Sie ist eine Berühmtheit in Peking«, ver­sichert Messner. Daneben wird es unter anderem Sitzungen zu den Themen Schmerz, Parkinson und Bluthochdruck geben. Die Konferenz wurde durch die Ärztekammer Schleswig-Holstein als Fortbildung zertifiziert.

Eingeladen ist aber nicht nur das Fachpublikum, sondern auch Studierende und die interessierte Öffent­lichkeit. »Die Kielerinnen und Kieler bekommen einen Schatz geboten. Sie erfahren hier fundiertes Wis­sen und Praxis aus fernen Welten und können mit ausgewiesenen Fachleuten in Kommunikation treten. Diese Gelegenheit wird nicht wiederkommen«, so Messner.

Gemäß dem Motto der Veranstaltung »Asian Medicines: Encounters, Translations and Transform­at­ions« ist es ein Anliegen der Wissenschaftlerin, die Begegnung zwischen Ost und West, zwischen den ver­schiedenen Welten und auch die Begegnung mit der hiesigen traditionelle Medizin zu fördern. »Wir wollen keine Fronten. Es geht nicht darum, die Medizinsysteme gegeneinander auszuspielen.« Diese Auffassung vertritt auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der »Traditional Medicine Strategy 2014-2023« fordert die WHO dazu auf, die Rolle der traditionellen Medizin zu stärken, um die Bevölkerung gesund zu halten.

Kerstin Nees

International Congress on Traditional Asian Medicines, 6. bis 12. August 2017, Kiel.
Anmeldung erforderlich. www.ictam2017.uni-kiel.de

Trailer zur Konferenz



Ein Beispiel für Forschung, wie sie bei ICTAM IX präsentiert werden wird

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