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Nr. 92, 21.10.2017  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Entdeckungstour auf dem Campus

Man tritt darauf, eilt hindurch oder sitzt darin und arbeitet. Selten wird die Kunst auf dem Uni-Campus als solche wahrgenommen. Studierende der Kunstgeschichte haben genau hingeschaut und teilen ihr neues Wissen über den KunstCampusKiel mit der Öffentlichkeit.


Kunst auf dem Campus zu entdecken, das war die Aufgabe im Seminar »KunstCampusKiel« von Dr. Susanne Schwertfeger (4. von links). Viel Außergewöhnliches haben die Studierenden Almut Rix, Ingrid Guadalupe Böhnke Quintana, Lisei Ziesmer, Sarah Paulinsky und Nikolai Ziemer (von links) auch im Audimax entdeckt: dreieckige Stufen, passend zum Konzept des Gebäudes. Foto: pur.pur

Wenn Studierende über den Campus der Kieler Universität eilen, haben die meisten kaum einen Blick für die Kunst, die sie umgibt. Das mag zum einen daran liegen, dass die Gebäude und Gebäude­ensembles nicht zwangsläufig als Kunst empfunden werden. Zum anderen gibt es nur wenige Hinweis­tafeln, die informieren und neugierig machen könnten.

»Man muss sich schon mit dem Thema Kunst auf dem Campus auseinandersetzen, um zu sehen, wie viele bedeutsame Werke und Gebäude uns umgeben«, sagt Dr. Susanne Schwertfeger. Die wissen­schaftliche Mitarbeiterin des Kunsthistorischen Instituts der Kieler Universität hat aus diesem Grund für angehende Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker ein Seminar angeboten, in dem der Kunst­Campus­Kiel im Mittelpunkt steht.

Das Besondere an der vom PerLe-Fonds für Lehrinnovation 2017 geförderten Übung ist der forschungs­orientierte Ansatz: Studierende sind gefordert, selbst Kunstobjekte auf dem Campus zu entdecken, zu kartieren, zu untersuchen und wissenschaftlich zu bearbeiten. Ihre Ergebnisse will die Gruppe zum Wintersemester mittels eines Faltblatts und einer Website öffentlich machen.

Das Sommersemester ist zwar zu Ende, doch die Studentinnen und Studenten sind immer noch mit Hochdruck bei der Arbeit. Einige Texte müssen noch geschrieben, Fotos eingestellt werden. Die Freude am selbstständigen Arbeiten merkt man Nikolai Ziemer, Almut Rix, Ingrid Guadalupe Böhnke Quintana, Hadja Rastagar, Sarah Paulinsky, Lisei Ziesmer, Elisa Schermer trotz des Termindrucks an. »Es macht einfach Spaß, selbst Kunst zu entdecken und zu erarbeiten – und das im Original, statt im Seminarraum nur Bilder von den Objekten zu betrachten«, sagt Bachelorstudentin Sarah Paulinsky.

Doch so viel Spaß die Übung auch macht, die Arbeit an ihrem Faltblatt ist aufwendig. »Die große Schwierigkeit liegt darin, sich zu beschränken«, erzählt Nikolai Ziemer (zweites Mastersemester), der am liebsten alles an Kunst untersucht hätte. Das aber war zeitlich nicht möglich. »Ich musste die Studierenden oft ein wenig bremsen«, sagt Schwertfeger, die sich über ihre hoch motivierte Gruppe freut. Der Fokus liegt nun auf den Objekten, die auf dem Weg von der Unikirche bis zur Unibibliothek zu entdecken sind.

Details auf dem Campus. Foto: Jürgen Haacks

»Ausgewählt haben wir eine bunte Mischung aus allem«, sagt Ingrid Guadalupe Böhnke Quintana (zweites Bachelorsemester). Die Studierenden haben sich neben der Kirche und dem Audimax auch den Sechseckbau vorgenommen, das Hochhaus mit seinen Lichtinstallationen, den Torbogen (Portikus), das Sportforum, die Stele vor dem Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) an der Universität Kiel, aber auch die Street Art unter den Brücken in der Olshausenstraße sowie das Uni- und die Fakultätssiegel. »Wir haben nicht nur die Gebäude oder Kunstwerke als Ganzes beschrieben, sondern viele kleine Details herausgestellt«, sagt Lisei Ziesmer (viertes Mastersemester). Zum Beispiel die dreieckigen Treppenstufen im Audimax. »Das sind alles Dinge, die uns vorher nie aufgefallen sind.«

Etliche Bücher hat die Gruppe für ihr Projekt gelesen, geschichtliche und kunstgeschichtliche Informa­tionen zusammengetragen und natürlich die Objekte vor Ort selbst in Augenschein genommen. »Das war besonders beim Zentrum für Molekulare Biowissenschaften wichtig«, sagt Sarah Paulins­ky. Zu dem Gebäude gab es viel über den Grundriss – eine organische Form, der es den Spitznamen »Amöbe« verdankt –, aber nur wenig über die Fassade. »Die zu beschreiben war für mich viel spannender, als die bekannten Informationen wiederzugeben«, sagt die Studentin, die mit der Gruppe lange über ihre Texte diskutiert hat.

»Wir wollen die Informationen auf dem Folder und im Internet möglichst kurz, aber präzise halten«, sagt Nikolai Ziemer. Spannend sollen sie auch sein und vom Stil her auf die vorab definierte Zielgruppe – andere Studierende, vor allem Erstsemester – zugeschnitten sein. »Auch das war eine Heraus­forderung.«

Im Kurs waren Diskussion und Ausstausch besonders wichtig. Foto: KHI

Am Ende ist aber auch das geschafft. Der letzte Text ist getippt und die kleine Broschüre inklusive Lageplan der untersuchten Objekte fertig. Doch die Ideen der Gruppe sprudeln weiter: Von kunst­histo­rischen Rundgängen über den Campus ist die Rede, von virtuellen Wegen, die man online beschreiten kann und von vielem mehr. »Das sind alles Ideen, die wir vielleicht in einem der nächsten Semester realisieren könnten«, sagt Susanne Schwertfeger. Denn so viel steht fest: Dies soll nicht die letzte Übung rund um den KunstCampusKiel gewesen sein.

Jennifer Ruske

Das Faltblatt des Projekts KunstCampusKiel erscheint im Wintersemester in einer Auflage von 500 Stück und wird auf dem Campus ­verteilt. Wer Interesse an der kunsthistorischen Broschüre hat, wendet sich an Dr. Susanne Schwertfeger, schwertfeger@kunstgeschichte.uni-kiel.de.

Alle Informationen und Fotos finden sich auch demnächst auf der Webseite des Projekts:
www.kunstgeschichte.uni-kiel.de/de/kunstcampus-kiel/kunst-campus
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