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Nr. 95, 07.07.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Vom Ärger zur Innovation

Am Anfang steht der Ärger. Dann folgt eine Idee. Und mit Fleiß sowie etwas Glück vielleicht ein eigenes Unternehmen. Bei zwei jungen Angehörigen der Uni Kiel hat es funktioniert.


Benjamin Flum und Caroline Santos stehen für das Startup »MyStudyGenius«.

Benjamin Flum machte seinen Bachelor in Betriebswirtschaftslehre und den Master in IT-Management. Caroline Santos erwarb in ihrem Heimatland Brasilien einen Hochschulabschluss in Produkt- und visuellem Design. Überhaupt nicht als ärgerlich empfinden es die beiden, dass sie sich vor gut zwei Jahren kennenlernten, als Benjamin Flum einen längeren Aufenthalt in Brasilien absolvierte und für die Banquo do Brasil, die Nationalbank des Landes, Englisch unterrichtete. Das Lehren an sich machte dem 30-Jährigen durchaus Spaß, Verdruss bereitete ihm jedoch das Drumherum. Ungefähr 30 Dozentinnen und Dozenten waren für die Bank tätig, durchweg unterrichteten sie 20 Stunden in der Woche kleine Gruppen mit wechselnden Teilnehmern an wechselnden Orten. »Verwaltungstechnisch war das ein riesiger Aufwand, zumal die Listen, Pläne und Abrechnungen praktisch von Hand erstellt wurden«, formuliert Flum sein Unbehagen. Und er dachte sich, was sich meistens jemand denkt, ehe es zu einer Innovation kommt: »Das müsste eigentlich auch einfacher gehen.«

Es traf sich gut, dass Caroline Santos ähnlich dachte. Und so machte sich das Duo an die Entwicklung eines digitalen Tools, das von der Terminplanung über die Raumplanung bis zur Abrechnung und zum Qualitätsmanagement den gesamten Bildungsbetrieb abdeckt. Zudem war es Ziel, eine browserbasierte Software zu schaffen, damit unabhängig vom Ort an jedem Rechner mit Internetanschluss gearbeitet werden kann.

Aus der Idee ist inzwischen ein Produkt mit einem Namen geworden. MyStudyGenius lief zunächst in mehreren Probephasen, um vor der offiziellen Markteinführung Kinderkrankheiten zu kurieren. Anfang Juni folgte der allgemeine Verkaufsstart. Im Visier ist dabei zunächst der deutsche Markt mit zahlreichen Fort- und Weiterbildungsinstituten und 5.000 Bildungsträgern allein im Bereich Nachhilfe.

Bis es so weit war, hatte es allerdings vieler Vorarbeiten bedurft. So überzeugt Flum und Santos von ihrer Idee waren, so groß war auch ihr Wissensbedarf, als es an die konkrete Umsetzung ging. Sie besuchten deshalb Vorträge im Zentrum für Entrepreneurship der Uni Kiel, ließen sich immer wieder beim start-up friday von Männern und Frauen inspirieren, die den Schritt ins unternehmerische Dasein schon geschafft hatten. Auch fanden sie den Weg zur Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WTSH), die nicht nur guten Rat parat hielt, sondern auch das Gründungs­sti­pendium Schleswig-Holstein. Das Stipendium hilft Santos und Flum entscheidend, die natürliche Durststrecke von der Produktentwicklung bis zur Marktreife und zu den ersten Verkaufserlösen durchzustehen.

»Wichtig war auch, dass wir am Anfang unsere Fixkosten gering halten konnten«, ergänzt Caroline Santos. In der Starterkitchen von opencampus.sh fanden sich Schreibtischplätze zu sehr über­schaubaren Mieten und obendrein völlig gratis etliche bereichernde Kontakte zu anderen Grün­dungs­willigen.

Bis jetzt lief es damit für die Anfang 2017 offiziell gegründete MyStudyGenius-Unternehmergesellschaft sehr rund. Inklusive einer vielbeachteten Präsentation am Stand der Uni Kiel auf der Hannover Messe im April. Entsprechend optimistisch sind Caroline Santos und Benjamin Flum, dass sie in absehbarer Zeit den wirtschaftlichen Durchbruch schaffen. »Das ist für uns keine Spielwiese, wir wollen ernsthaft am Markt bestehen«, betont Caroline Santos, die sich ums Produktdesign und die programmierenden Freelancer in Brasilien kümmert. Ihr Kompagnon, der für Vertrieb, Verwaltung und Rechtliches zuständig ist, geht genauso entschlossen an die Sache heran: »Es gibt keinen Plan B oder Plan C.«

Martin Geist
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