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Nr. 95, 07.07.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Mit dem Wal auf Augenhöhe

Einem Blauwal begegnen, einem Riesentintenfisch in die Augen schauen oder ein Einhorn-Horn aus nächster Nähe betrachten: Das ist im Zoologischen Museum der Uni Kiel möglich. Mehr als 400.000 Exponate aus Ost- und Nordsee lagern hier zu Forschungs- und Ausstellungszwecken.


Möchte den Menschen die Vielfalt und Schönheit der Tierwelt näherbringen: Museumsleiter Dr. Dirk Brandis. Foto: pur.pur

Es gehört mit zu den schönsten Museumsbauten in Deutschland: das Gebäude des Zoologischen Museums in der Hegewischstraße. Das von Architekt Martin Gropius (einem Großonkel von Walter Gropius) entworfene, 1881 eröffnete Haus ist eine kulturhistorische Kostbarkeit, findet Museumsdirektor Dr. Dirk Brandis. Zum einen, weil das Gebäude innen wie außen weitestgehend original erhalten ist, zum anderen aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur. »Beim Bau spielte die Ästhetik, wie man die naturwissenschaftlichen Exponate für das Publikum zur Schau stellt, eine ebenso große Rolle wie die Exponate selbst.« Das zeigt sich eindrucksvoll in der lichtdurchfluteten Halle im Zentrum des Gebäudes, »unserer Kathedrale des Wissens«, wie Brandis sie nennt. Durch große Glasflächen im Dach fällt Tageslicht hinein und erleuchtet den Raum, die beiden umlaufenden Galerien mit den zahlreichen historischen Schaukästen - und natürlich die außergewöhnlichen Exponate in der an sich schon beeindruckenden Halle: die Wal-Skelette.

Denn sehenswert ist im Zoologischen Museum nicht nur das Gebäude, sondern auch die Ausstel­lung­stücke. Mehr als 400.000 verschiedene Exponate wie Muscheln, Krebstiere, Schnecken, Käferarten, Vögel, Schmetterlinge und anderes finden sich zu Forschungszwecken im Archiv sowie in den Wech­sel- und Dauerausstellungen des Museums. Das größte und schwerste Exponat ist der Pottwal, der 14 Meter lang und 1,5 Tonnen schwer ist. Das kleinste Stück der Sammlung ist ein Rüsselkäfer der Gattung Apion, der nur wenige Millimeter misst.

»Wir verfügen über wissenschaftlich sehr wertvolle Sammlungen aus drei Jahrhunderten«, erklärt Bran­dis. Darunter befinden sich Exponate von international bedeutenden Expeditionen des 19. Jahr­hunderts, die Sammlung von Karl-August Möbius, dem Begründer des Museums (um 1875), Originalgeschenke von Kaiser Wilhelm II. (1898-1908) und - 2017 nach 50 Jahren aus Kopenhagen zurückgekehrt - die im 18. Jahrhundert zusammengetragene, international bedeutende Käfersammlung von Johann Christian Fabricius (1745-1808). Etwa 10.000 Insektenarten aus allen Ecken der Welt hat der Professor der Kieler Uni neu beschrieben. »Das Museum ist gerade dabei, das Fabricius-Erbe aufzuarbeiten«, sagt Brandis. Ende November soll ein Teil der Sammlung in der Hegewischstraße gezeigt werden.

Die »Kathedrale des Wissens«: In der großen, lichtdurchfluteten Halle des Museum werden Wal-Skelette aus Nord- und Ostsee ausgestellt. In den umlaufenden Galerien finden sich weitere Exponate in histori­schen Schaukästen. Foto: pur.pur

Es ist diese Vielfalt an Formen, Arten, Farben und Strukturen, die die Natur hervorbringt, die Brandis an seiner Arbeit im Zoologischen Museum so reizt. »Ich möchte die Tierwelt analysieren und verstehen«, sagt er, »und mit der Ausstellung die Vielfalt und Schönheit auch unseren Besucherinnen und Besuchern näherbringen.« Das gelingt dem Team dank verschiedener Aktionen und Veranstaltungen sehr gut. Rund 30.000 Gäste zählte das Museum im vergangenen Jahr. Staunend standen die Menschen vor den historischen Schaukästen mit ihren präparierten Tieren und Insekten, erlebten in den Themenräumen die Welt der Tiefsee und der Schmetterlinge oder fanden sich Aug in Aug mit vielen heimischen oder ausgestorbenen Tieren wieder.

»Kinder finden besonders die großen Tierskelette interessant«, weiß Brandis, dessen Team Führungen für alle Altersklassen sowie Geburtstagsfeiern im Museum anbietet. Ein Exponat, das dabei immer gezeigt wird, ist das Einhorn-Horn. »Das gehört zu unseren besonderen Ausstellungsstücken«, verrät Brandis schmunzelnd. Der Zahn des Narwals – dem Einhorn der Meere – ist jedoch nicht nur für Kinder ein Highlight des Museumsbesuchs, sondern auch für blinde und sehbehinderte Menschen. Für sie bietet das Museum eine eigene, speziell entwickelte inklusive Ausstellung mit Originalpräparaten zum Anfassen an.

Jennifer Ruske

Zoologisches Museum
Hegewischstraße 3, Kiel.
Tel. 0431/880-5170
anmeldung@zoolmuseum.uni-kiel.de
www.zoologisches-museum-kiel.de

Führungen für alle Altersgruppen auf Anmeldung. Außerdem Kurse, Sonderveranstaltungen, Blinden­führungen und mehr. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 9 bis 17 Uhr, samstags 10 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 12 bis 16 Uhr. Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro.
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