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Nr. 96, 20.10.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

So sieht's aus

Die Grundlagenforschung in Biologie und Medizin spielt sich zumeist auf einer unsichtbaren und schwer zugänglichen Ebene ab. In Kiel haben Forschende und ein Design-Team gemeinsam ein digitales Ausstellungsstück geschaffen, das dank Visual­isierung auch Laien die Forschungsarbeit verständlich macht.


Das »Digital Meta«-Wissenschaftsposter vermittelt das Zusammenspiel von bakteriellen Symbionten mit ihren vielzelligen Wirtsorganismen. Foto: Christian Urban, Uni Kiel

Wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich (SFB) 1182 »Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen« an der Uni Kiel über ihre Erkundung des Zusammenspiels von Körper und Mikroben sprechen, können ihnen Nicht-Fachleute kaum folgen. Zu komplex und schwer vorstellbar sind die molekularen Vorgänge, die zwischen einem Wirtsorganismus und den Kleinstlebewesen in und auf ihm stattfinden. So fällt es den Allermeisten verständlicherweise schwer, sich auf diese abstrakte und wenig zugängliche »Metaorganismus-Forschung« einzulassen.

Zu verstehen, wie die vielschichtigen Wechselwirkungen innerhalb des sogenannten Metaorganismus ablaufen, ist allerdings von fundamentaler Bedeutung: Die Erforschung des menschlichen Mikrobioms zum Beispiel, also der Interaktionen, die im Darm zwischen menschlichen und bakteriellen Zellen ablaufen, verspricht künftig Heilungschancen bei bisher schwer zu behandelnden Krankheiten. Dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das hoch komplexe Miteinander von Lebewesen und Mikroben im Detail verstehen wollen, ist also auch von großem Interesse für die Öffentlichkeit.

»Um die Bedeutung unserer Arbeit für Gesundheit, Umwelt und Ernährung besser in die Öffentlichkeit zu tragen, haben wir einen neuen Weg eingeschlagen«, betont Professor Thomas Bosch, Sprecher des SFB. »Wir haben uns vorgenommen, das Unsichtbare sichtbar zu machen«, verspricht Bosch. Gemeinsam mit den Kommunikationsdesignerinnen und -designern des Kieler Science Communication Labs ist deshalb eine innovative und umfassende Visualisierung der multiorganismischen Beziehungen innerhalb des Metaorganismus entstanden, das interaktive Wissenschaftsposter »Digital Meta«.

Das multimediale Ausstellungsobjekt besteht aus einem 65 Zoll großen, berührungsempfindlichen Bildschirm. Darauf können Interessierte das Zusammenspiel von Körper und Mikroben anhand von fünf Modellorganismen vom Menschen über Weizenpflanzen bis hin zum Fadenwurm erkunden. Per Gestiksteuerung erschließt sich auf verschiedenen Informationsebenen die eigentlich unsichtbare Welt des Metaorganismus. So zoomt man sich Stück für Stück von der äußeren Gestalt des Körpers bis hinein in den mikroskopischen Bereich und kann dort sehen, wie Mikroben und Wirte auf molekularer Ebene miteinander kommunizieren.

»Aus dem abstrakten Begriff des Metaorganismus wird so eine anschauliche Visualisierung, die die Mechanismen dieses Zusammenspiels auch für Laien nachvollziehbar macht«, betont Tom Duscher, Mitgründer des Science Communication Labs und Professor für interaktive Medien an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. Das damit verbundene unmittelbare Erleben und Begreifen helfe dabei, Laien auch auf einer emotionalen Ebene anzusprechen und so das gesellschaftliche Verständnis für dieses wichtige Forschungsthema zu fördern, so Duscher weiter.

Um den Transfer von Wissenschaft in die Gesellschaft am Beispiel der Metaorganismusforschung umzusetzen, kommt das neue Exponat bei zahlreichen publikumswirksamen Veranstaltungen von der Kieler Woche bis zur Nacht der Wissenschaft zum Einsatz. Mit dem attraktiven und visuell beeindruckenden Touchscreen wollen die Forschenden des SFB gezielt mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen. Damit lösen sie auch eine Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit ein: »Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben den Auftrag, mit den Menschen über die Bedeutung ihrer Arbeit zu sprechen. Mit Digital Meta steht dafür ein ideales Werkzeug bereit, das dank der vermittelnden Visualisierung auch von allen verstanden werden kann«, betont Bosch.

Christian Urban

Weitere Informationen und Vorführungstermine zum interaktiven Wissenschaftsposter »Digital Meta«:
www.metaorganism-research.com/sciposter

»Digital Meta« im Video:
youtu.be/QGRlnWAlrkg
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