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Nr. 96, 20.10.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

»Für mich kam nichts anderes als eine Promotion in Frage!«

Auch die jahrgangsbeste Masterarbeit ist kein Garant für eine Promotionsstelle. Um an seinem Wunschort promovieren zu können, bewarb sich der Chemiker Nils Preußke um ein Stipendium.


Der Chemiker Nils Preußke schätzt an seinem Promotionsprojekt die Zusammenarbeit mit biologischen Arbeitsgruppen. Foto: Kerstin Nees

Nils Preußke wusste nach dem Abschluss seines Chemie­studiums genau, was er wollte – weiter forschen. »Für mich kam nichts anderes als eine Promotion in Frage«, betont der 28-jährige Chemiker. Aber nicht irgendwo, sondern genau dort, wo er auch seine Masterarbeit gemacht hat, in der spektro­skopischen Abteilung von Professor Frank Sönnich­sen am Otto-Diels-Institut für Organische Chemie der Uni Kiel. Seinen Betreuer lobt er in den höchsten Tönen. »Professor Sön­nichsen unterstützt und motiviert uns richtig gut.«

Ausschlaggebend für den Wunsch, hier zu promovieren, war aber nicht nur das gute Verhältnis zu dem Arbeitsgruppenleiter: »Ich wollte in meiner Doktorarbeit weiterhin auf dem Gebiet der Peptide und mit dem Modellprotein Trp-cage arbeiten und gleichzeitig auch biologische Aspekte mit dazu nehmen.« Ein spannendes Thema in Zusammenhang mit antimikrobiellen Peptiden bot sich an, Mittel für eine Promotionsstelle gab es aber nicht.

Deshalb bewarb sich der Nachwuchswissenschaftler bei ver­schiedenen Stiftungen um ein Stipendium. Die Chancen auf eine Zusage waren gut. Schließlich konnte der Jungchemiker Bestnoten vorweisen, einen Abischnitt von 1,0 und einen Masterabschluss von 1,1. Seine Masterarbeit wurde als beste des Jahrgangs 2016 mit dem Otto-Diels-Nachwuchspreis ausgezeichnet. Trotzdem war die Bewerbung kein Kinderspiel. »Das macht man nicht mal eben so«, sagt Preußke. Denn für das von ihm favorisierte Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) brauchte er nicht nur Lebenslauf, Motivationsschreiben, Zeugnisse und Gutachten von den bisherigen Betreuern, sondern auch ein 20-seitiges Exposé zur geplanten Arbeit. Preußke: »Ich habe zwei bis drei Monate daran gearbeitet, dieses Exposé zu schreiben, mit Literaturarbeit, Schreibarbeit und Ausformulierung. Man muss sich gründlich überlegen, warum man dieses Stipendium haben möchte, und wie man das begründet. Gute Noten allein waren bei der DBU nicht ausschlaggebend.«

Jedes Jahr vergibt die DBU bis zu 60 Promotionsstipendien für Arbeiten aus allen Fachbereichen, die zukunftsfähige Lösungsvorschläge für aktuelle Umweltprobleme erarbeiten. Seit Oktober 2017 ist Preußke einer der Stipendiaten. »Ein Stipendium der DBU bekommt man nur, wenn man einen Umweltaspekt in seiner Forschung hat. Bei mir ist der Umweltaspekt, dass ich antimikrobielle Peptide herstelle, die eine antibiotische Wirkung haben, aber schneller in der Natur abgebaut werden als herkömmliche Antibiotika und damit die Umwelt weniger belasten.« Diese gute biologische Abbaubarkeit von antimikrobiellen Peptiden (AMP) ist aber gleichzeitig auch ein Nachteil. Denn im Körper werden die kleinen Eiweißmoleküle ebenso rasch inaktiviert. Für eine mögliche Anwendung in der Medizin müssten sie stabiler sein. Nils Preußke hat eine Idee, wie das gehen könnte: durch Anhängen an das besonders stabile Miniprotein Trp-cage.

»Die Stabilisierung der dreidimensionalen Struktur von a-helikalen AMPs zum Schutz gegen enzymatischen Abbau ist ein neuer Ansatz, der bisher noch nicht untersucht wurde. Die Grundlage für diesen Ansatz liefert das von der Arbeitsgruppe um Professor Sönnichsen entwickelte Trp-cage-Modulprinzip.« Hierbei soll die Stabilität des Modellproteins Trp-cage auf das angehängte AMP übertragen werden.

Die antimikrobiellen Fusionsproteine für diese Arbeiten entwickelt der Chemiker am Computer, stellt sie im Labor her und testet anschließend die Produkte hinsichtlich ihrer antimikrobiellen Aktivität sowie ihrer Langlebigkeit. Weiterer wichtiger Bestandteil der Arbeit sind Strukturanalysen. Mittels spektroskopischer Methoden untersucht Preußke unter anderem die Struktur der Proteine in Lösung und auf der Oberfläche von Membranen und erforscht, ob die Struktur ausschlaggebend ist für die Aktivität.

Kerstin Nees
Stipendien für die Umweltforschung
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert Projekte bzw. vergibt Stipendien zum Schutz von Umwelt und Natur. Ansonsten ist die Stipendienvergabe komplett offen für alle Themen und Fachbereiche: Bewerben können sich überdurchschnittliche Hochschulabsolventinnen und -absolventen der Natur- und Ingenieurwissenschaften ebenso wie der Sozial-, Geistes-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

Das Promotionsstipendium der DBU wird für maximal drei Jahre vergeben. Es umfasst eine monatliche Grundförderung von 1.500 Euro sowie zusätzlich 210 Euro für Sachmittel. Zudem fördert die DBU ihre Stipendiatinnen und Stipendiaten ideell, zum Beispiel durch die Organisation von jährlichen Stipendienseminaren, in denen Ergebnisse präsentiert und der interdisziplinäre Austausch angeregt wird.

www.dbu.de/stipendien_promotion
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