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Nr. 96, 20.10.2018  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Ein Zugang zur Kunst

Universität und Kunst – das hat eine lange Tradition. Zu entdecken ist diese in der Kunsthalle zu Kiel.


Von traditionell bis modern: Direktorin Dr. Anette Hüsch bietet in der Kunsthalle zu Kiel ein breites Spektrum an Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops. Foto: pur.pur

Wuchtig geleiten sie Besucherinnen und Besucher über die Freitreppe ins Haus: Zwei tonnenschwere Wisent-Skulpturen (Bildhauer: August Gaul) bilden das imposante Entree eines ebenso imposanten Gebäudes – der Kunsthalle zu Kiel. Diese ist nicht nur Museum mit eigener Sammlung und Ausstellungshalle, sondern gleichzeitig eine Einrichtung der Kieler Universität mit Vortragssaal und Bibliothek – und das macht die Kunsthalle deutschlandweit einzigartig.

»Besonders ist schon die Geschichte des 1903 bis 1909 erbauten Hauses«, erzählt Dr. Anette Hüsch, die Direktorin der Kunsthalle: Das Grundstück am Düsternbrooker Weg war ein Geschenk der Professorentochter Charlotte »Lotte« Hegewisch (1822–1903). 1820 erwarb ihr Vater das »Klein-Elmeloo« (Elme = Ulme) genannte Stück Land vor den Toren Kiels, um ein Sommerhaus zu bauen. Im letzten Drittel ihres Lebens lebte die alleinstehende Lotte dort – und bekam 1886 hautnah mit, dass der Schlossgarten mit seinem alten Baumbestand für den Bau eines Museums weichen sollte. Der 1843 gegründete Schleswig-Holsteinische Kunstverein wünschte sich ein Gebäude, um seine Sammlung auszustellen.

Um den Schlossgarten zu retten, beschloss Lotte Hegewisch, ihr Haus und Grund der Kieler Universität zugunsten des Neubaus einer Kunsthalle zu vermachen. Die Kunsthalle sollte zudem Sitz des Kunstvereins und Ausstellungfläche für dessen Sammlung werden. Nach ihrem Tod im Jahre 1903 begann der Neubau. Eingeweiht wurde das Gebäude im Neobarock- und Jugendstil im Jahr 1909. Kurz danach bezogen die Wisent-Skulpturen ihren Platz vor dem Eingang.

Eine Erweiterung des Gebäudes erfolgte 1986. Der Anbau wurde notwendig, denn die Sammlung der Universität wie auch des Kunstvereins war deutlich gewachsen. Heute befinden sich mehr als 300 Skulpturen und 1.200 Gemälde von der Dürerzeit bis zur Gegenwart – unter anderem von Emil Nolde, Georg Baselitz, Neo Rauch und Gerhard Richter – im Bestand der Kunsthalle. Dazu rund 40.000 grafische Werke aus dem frühen 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart sowie zahlreiche Fotografien und Videoinstallationen.

Skulpturen in der Antikensammlung Foto: pur.pur

Die jährlich wechselnde Dauerausstellung wird im Altbau gezeigt. »Im Neubau haben wir Platz für Werke von Gast­künstlern«, erklärt die Direktorin. Insgesamt 2.000 Qua­dratmeter Fläche steht dem Team zur Verfügung, die Antikensammlung im Erdgeschoss nicht mitgezählt. »Die Sammlung gehört zum Archäologischen Institut, die Kunst­halle ist eine eigenständige Einrichtung der Universität«, erklärt Hüsch. Die Nähe zur Uni zeigt sich auch in der großen Präsenzbibliothek. Diese besitzt mit über 55.000 Bänden den größten Bestand an Publikationen zur Kunst und Kunstwissenschaft des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart in Schleswig-Holstein. Zudem verfügt die Kunst­halle auch über einen Vortragssaal.

»Wir sprechen Studierende genauso an wie die kunst­interes­sierte Allgemeinheit«, erklärt Hüsch. Den Menschen einen Zugang zur Kunst zu vermitteln sei – besonders in Zeiten der Digitalisierung, in denen Bilder und Skulpturen im Internet zu sehen sind – eine spannende Herausforderung. Mit Workshops, Mal- und Kunstkursen für alle Altersgruppen bieten das 17-köpfige Team sowie die zahlreichen freien Vermittlungskräfte Möglichkeiten an, sich interaktiv und gestalterisch mit den Werken der Kunsthalle auseinanderzusetzen. Auch mit seinen wechselnden Ausstellungen zieht das Team der Kunsthalle unterschiedlichste Besuchergruppen an: Mal lassen sich zeitgenössische, mal traditionelle Werke in den Räumen entdecken.

Bis zum 13. Januar 2019 sind zum Beispiel herausragende grafische Werke von Goya (1746–1828) ausgestellt. Daneben zeigt eine Sonderausstellung die überlebensgroßen Gemälde und Holzschnitte des Schweizer Künstlers Franz Gertsch, der Ehrenbürger der Kieler Universität ist (»Bilder sind meinen Biografie«, 17. November bis 24. Februar 2019). Führungen gibt es ebenfalls – ganz neu seit 2018 auch in Gebärdensprache.

Jennifer Ruske

Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1.
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.
Eintritt: 7 Euro (ermäßigt 4 Euro)
www.kunsthalle-kiel.de
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