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Nr. 97, 26.01.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Vom Schwarzen Meer an die Förde und zurück

Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) forschen Irina Plesco und Vladimir Ciobanu zurzeit in Kiel. Der Aufenthalt ist Teil ihrer Promotion an der Technischen Universität Moldawien zu ultraleichten, hoch­porösen Aeromaterialien.


Mithilfe von hochmodernen Anlagen wie dem Transmissionselektronenmikroskop untersuchen die beiden DAAD-Stipendiaten Vladimir Ciobanu und Irina Plesco ultraleichte Materialien. © Siekmann

Das Material, an dem Doktorandin Irina Plesco forscht, ist ähnlich weit gereist wie sie selbst: Der Grundstoff Zinkoxid stammt aus Kiel. In ihrem Heimatland hat die 26-Jährige ihn mit einem speziellen Beschichtungsverfahren, der sogenannten Hybridgasphasenepitaxie, zu Aerozinksulfid weiterentwickelt. Die Methode eignet sich besonders gut, um Kristalle oder Dünnschichten von hoher Qualität schnell und effizient herzustellen.

Mit demselben Verfahren hat ihr Kommilitone Vladimir Ciobanu das Halbleitermaterial Aerogalliumnitrid produziert, das im Fokus seiner Doktorarbeit steht. Es könnte einen wichtigen Beitrag leisten, um Wasserstoff als regenerative Energiequelle zu realisieren. Mit seiner Hilfe ließe sich Sonnenlicht nutzen, um Wasserstoff aus Wasser zu gewinnen – und das weitaus effizienter als mit bisherigen Methoden. Dafür forscht Ciobanu an der Entwicklung von Elektroden, die auf Mikrokristallen aus Aerogalliumnitrid und nanostrukturiertem Silizium basieren. Seine Arbeitsgruppe an der TU Moldawien ist weltweit führend in der Erzeugung dieser ultradünnen Galliumnitridschichten. Die Strukturen für solche Bauteile untersucht der 28-Jährige an der sogenannten Ionenfeinstrahlanlage der Technischen Fakultät.

Insgesamt zehn Monate werden die beiden Promovierenden im Rahmen eines DAAD-Stipendiums an der Universität Kiel verbringen. Während ihres Aufenthalts nutzen sie die modernen Spezialanlagen vor Ort, um die Eigenschaften ihrer Materialien zu untersuchen.

Plesco analysiert die Kristallstruktur ihrer Aeromaterialen am Transmissionselektronen­mikroskop. Hierbei durchdringt ein fokussierter Elektronenstrahl die wenige Nanometer dicken Materialproben. So ergeben sich Bilder mit einer Auflösung weit unter einem Nanometer – etwa tausendfach höher als die Auflösung eines Lichtmikroskops. Von den neuen Informationen verspricht sich Plesco, auch mehr über die Einsatzmöglichkeiten ihres Materials herauszufinden. Nach einer Einweisung führt Plesco die Unter­suchungen an dem komplexen Mikroskop mittlerweile eigenständig durch. »Das ist nicht selbstverständlich und spricht für die sehr hohe Qualität unserer DAAD-Stipendiaten«, betont CAU-Professor Lorenz Kienle, in dessen Arbeitsgruppe am Institut für Materialwissenschaft Plesco arbeitet.

Zwischen dem Institut und dem Betreuer der beiden Promovierenden an der TU Moldawien besteht bereits eine langjährige bilaterale Zusammenarbeit. Für Ion Tiginyanu sind internationale Austausch­aktivitäten wie diese eine wichtige Grundlage der wissenschaftlichen Arbeit:

»Mobilität ist vor allem für junge Forschende sehr wichtig,
denn Wissenschaft kennt keine nationalen Grenzen.«


CAU-Professor Rainer Adelung, in dessen Arbeitsgruppe DAAD-Stipendiat Ciobanu arbeitet, sieht diese Forschungs­aufenthalte als Gewinn für beide Seiten. »Ich freue mich, dass zwei so schlaue und engagierte Köpfe unsere Arbeitsgruppen ergänzen. Durch die langfristige Zusammenarbeit sind bereits einige gemein­same Publikationen in hochkarätigen Fachmagazinen entstanden«, so der Sprecher des Forschungsschwerpunkts Kiel Nano, Surface and Interface Sciences.

Auch junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kiel zieht es in das in der Nanoforschung sehr aktive Moldawien. Bereits auf mehreren Workshops und internationalen Konferenzen konnten sie sich – nur gut zwei Kilometer vom Schwarzen Meer entfernt – über ihre Arbeit austauschen sowie Kontakte knüpfen und vertiefen.

Neben einem bundesweiten Willkommenstreffen für alle Stipendiatinnen und Stipendiaten bietet der DAAD auch Deutschkurse und regionale Zusammenkünfte an. »In einem fremden Land fühlst du dich am Anfang oft alleine. Aber solche Aktivitäten und die große Hilfsbereitschaft der Arbeitsgruppe erleichtern das Ankommen«, sagt Plesco. Ob sie angesichts des im Winter oft etwas grauen Himmels in Norddeutschland ihre Heimat vermissen? Ciobanu lacht. »Dort ist es gerade 50 Grad unter null. Im Vergleich dazu ist es in Kiel doch ziemlich warm.«

Julia Siekmann

www.daad.de
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