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Nr. 99, 06.07.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Zwei Dichter aus Dithmarschen

Ein halbes Jahr lang haben Masterstudierende der Uni Kiel die Sonderausstellung »Groth & Hebbel. Eine ungewöhnliche Dichterfreundschaft« konzipiert. Noch bis Oktober können die Ergebnisse des Projektseminars im Klaus-Groth-Museum in Heide und im Hebbel-Museum in Wesselburen besichtigt werden.


Dichterkollegen aus dem 19. Jahrhundert: Klaus Groth (links) und Friedrich Hebbel. Trotz biografischer Gemeinsamkeiten sind sie sich nie persönlich begegnet. © Denise Schlichting

Setzt man sich mit der norddeutschen Literatur auseinander, so stößt man unweigerlich auf zwei große Namen: Klaus Groth und Friedrich Hebbel. Während Groth als einer der wichtigsten Fürsprecher der niederdeutschen Sprache gilt, wurde Hebbel auch über die deutschen Landesgrenzen hinaus als Dramatiker bekannt. Obwohl beide in Dithmarschen aufwuchsen, lernten sie sich nie persönlich kennen. Hebbel kehrte seiner Heimat den Rücken und ließ sich schließlich in Wien nieder. Klaus Groth zog es nach Kiel. Dort war er auch als Honorarprofessor an der Landesuniversität tätig. Doch verband beide eine innige Brieffreundschaft. In mühevoller Recherchearbeit haben Studierende des Master­studien­ganges »Gegenwartsliteratur und Literaturvermittlung« an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Verhältnis zwischen den Dichtern aufgearbeitet.

»Wir haben uns dazu entschlossen, die Beziehung zwischen Groth und Hebbel genauer zu untersuchen, da beide für die norddeutsche Literatur einen hohen Stellenwert besitzen, bislang aber so gut wie nie im Zusammenhang betrachtet wurden«, sagt Seminarleiterin Julia Ilgner, Mitarbeiterin am Institut für Neuere Deutsche Literatur der Uni Kiel.

Mit Dr. Hargen Thomsen stand den Studierenden zusätzlich noch ein weiterer fachlicher Begleiter zur Seite. »Momentan gibt es etwa noch fußballfeldgroße Leerstellen in der literaturwissenschaftlichen Forschung des Wirkens von Klaus Groth«, erklärt der Sekretär der Hebbel-Gesellschaft. »Daher war dieses Seminar für alle eine besondere Herausforderung. Natürlich auch, weil keiner der Studierenden in einem vorherigen Seminar vergleichbar gearbeitet hat.«

Das Forschungsduo hatte eine klare Vorstellung, wie weit die Studierenden in das Projektseminar einbezogen werden sollten: »Uns war wichtig, dass die Studierenden im Rahmen des Seminars selbst forschend tätig werden«, sagt Ilgner. Die meiste Recherchearbeit erfolgte daher in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek. Denn dort befindet sich die größte Sammlung an Material aus dem Leben beider Dichter. Entsprechend viele Briefe zwischen Groth und Hebbel konnten die Studierenden dort sichten. Pünktlich zum 200. Geburtstag Klaus Groths im April war das Semester und damit auch die monatelange Vorbereitung beendet.

»Im Rahmen des Projektseminars sind ganz tolle Initiativen entstanden«, freut sich Ilgner. »Die Studierenden haben nicht nur die Ausstellung konzipiert, sondern sich auch um die Bewerbung der Veranstaltung gekümmert, selbstständig Plakate erstellt und sogar auf Facebook ein selbstgedrehtes Video veröffentlicht.«

Zugleich lobt die Seminarleiterin die gute Zusammenarbeit mit der Landesbibliothek und den beiden Museen: »Ohne die Hilfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesbibliothek, namentlich Dr. Maike Manske, hätte diese Ausstellung nicht entstehen können. Und auch in Heide und Wesselburen war man für unsere Ideen sehr offen.« Das sieht auch Masterstudentin und Seminarteilnehmerin Denise Schlichting so: »Wir durften die Räume des Museums ganz nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten. Besonders schön ist, dass die Ausstellung insgesamt ein halbes Jahr zu sehen ist.«

In Heide und Wesselburen können Interessierte nicht nur den lang andauernden Briefwechsel der beiden Schriftsteller nachverfolgen, sondern auch viele weitere spannende Exponate begutachten. »Das Herzstück der Ausstellung ist ein Portrait Hebbels von dem österreichischen Maler Carl Rahl. Klaus Groth hatte es in seinem Arbeitszimmer hängen«, berichtet Thomsen. Das Bild ist eine Leihgabe der Landesbibliothek.

Die Ergebnisse der Arbeit im Projektseminar sollen nun auch gemeinsam in zwei Fachartikeln publiziert werden. »Für die Studierenden ist das natürlich auch eine tolle Chance, bereits während des Studiums wissenschaftliche Forschung zu veröffentlichen«, findet Ilgner. Denise Schlichting stimmt ihr zu: »Dieses Seminar hat mir in meinem Studium bisher am meisten gebracht.« Die Sonderausstellung in Heide und Wesselburen ist noch bis zum 20. Oktober zu sehen.

Tobias Oertel
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