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Nr. 99, 06.07.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Zusammen wachsen

Im neu gegründeten »Kiel Plant Center« will die Uni Kiel künftig Strategien für die Ernährungssicherheit oder nachhaltigen Pflanzen­schutz entwickeln. Zum Auftakt veranstaltet das Netzwerk Ende Juli eine Tagung zum Thema Pflanzengesundheit und Wechselwirkungen von Pflanzen mit der Umwelt.


Grundlagenforschung und Translation in verschiedene Anwendungsgebiete vom Pflanzenschutz über die Pflanzenzüchtung bis zur Wirkstoffentwicklung sind wichtige Säulen des neuen Kieler Pflanzenforschungszentrums. © Christian Urban

Vor Kurzem startete das neue kooperative Forschungszentrum »Kiel Plant Center« (KPC), das auf die Förderung und Vernetzung der zahlreichen Aktivitäten in der Pflanzenforschung an der Kieler Universität und ihren Partnerinstitutionen abzielt.

Zusätzlich zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Botanischen Instituts bindet das neu gegründete Netzwerk Forschende an verschiedenen Fakultäten und Instituten ein, zum Beispiel an der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät, am Pharmazeutischen Institut oder auch am Plöner Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie. Das wissenschaftliche Spektrum reicht dabei zum Beispiel von der molekularen Pflanzenbiologie, der Pflanzenökologie und Biotechnologie bis hin zur Pflanzenzüchtung.

Das KPC will diese Forschungsfelder künftig zusammenführen und ihre interdisziplinäre Zusammen­arbeit befördern. Damit formieren sich die Pflanzenwissenschaften an der Landesuniversität innerhalb des übergreifenden lebenswissenschaftlichen Forschungsschwerpunkts Kiel Life Science (KLS) zu einem weiteren speziellen Fokus neben bestehenden Kernthemen wie Evolutions-, Entzündungs- oder Mikrobiomforschung.

Gesunde Pflanzen sind das Fundament funktionierender Ökosysteme, der globalen biogeochemischen Stoffkreisläufe und nicht zuletzt der weltweiten Nahrungsversorgung. Klimawandel, steigender Bevölkerungsdruck oder die Störung natürlicher Lebensräume bedrohen jedoch die pflanzliche Gesundheit, Vielfalt und Produktivität insgesamt. Diesen Herausforderungen wollen die Kieler Forschenden künftig noch besser begegnen, indem sie zugrundeliegenden Forschungsfragen zu den Einflüssen auf die Pflanzengesundheit umfassend und interdisziplinär nachgehen.

»Wir Pflanzenforschende an der Uni Kiel sind bestens aufgestellt, um Antworten auf zentrale Fragen unserer Zeit zu finden«, betont die Sprecherin des Zentrums, Professorin Eva Stukenbrock. »Mit unserem neuen interdisziplinären Zusammenschluss schaffen wir nun die organisatorischen Grundlagen, um diese künftig in kooperativen pflanzenwissenschaftlichen Forschungsprojekten zu formulieren.«

Vor besonderen Herausforderungen steht die Pflanzenforschung beispielsweise durch den zunehmenden Bedarf an nachhaltigen Pflanzenschutzstrategien. So macht etwa die Resistenzevolution Schädlinge immer schneller unempfindlich gegen Pflanzenschutzmittel. Die heute bekannten Gefahren für Nahrungsmittelsicherheit und Umwelt machen zudem den herkömmlichen Pestizideinsatz fragwürdig. Gleichzeitig gerät die globale Nahrungsmittelproduktion durch das rasante Anwachsen der Weltbevölkerung und den damit verbundenen steigenden Flächenverbrauch unter immer größeren Druck.

Das auch durch den Klimawandel bedingte gehäufte Auftreten bestimmter Pflanzenschädlinge oder die Verschlechterung der Anbaubedingungen, zum Beispiel durch zunehmende Trockenheit oder Überschwemmungen, verstärken die Anforderungen an den Pflanzenanbau weiter.

»Der daraus resultierenden Krise der Ernährungssicherheit müssen insbesondere die Pflanzen­forschen­den weltweit begegnen«, unterstreicht Stukenbrock. »Wir in Kiel verfolgen einige vielversprechende Ansätze, um in Zukunft umweltverträgliche Lösungen anbieten zu können«, so die Evolutionsbiologin weiter. Dazu zählen zum Beispiel neue evolutionsbasierte und nachhaltige Pflanzenschutzstrategien, die auf natürlichem Wege die Anfälligkeit von Nutzpflanzen gegen Schadorganismen reduzieren. Ein weiterer Schwerpunkt des KPC soll darin bestehen, die Wechselwirkung zwischen pflanzen­schädigenden Insekten und Fadenwürmern zu untersuchen, um neue Wege zu finden, resistente Pflanzen zu züchten

Ein wichtiges Forschungsthema in Kiel ist außerdem, die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen gegenüber Wetterextremen zu erhöhen. Die im KPC verfolgten Lösungsansätze werden zunehmend stärker auf einer engen transdisziplinären Vernetzung der Forschungsgebiete beruhen.

Als Auftakt und erstes Highlight veranstaltet das Pflanzenforschungszentrum Ende Juli das internatio­nale Symposium »Pflanzengesundheit und Umweltinteraktionen«, zu dem rund 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Zoologischen Museum Kiel sowie im Botanischen Garten der CAU erwartet werden. Themen der hochkarätig besetzten Tagung werden beispielsweise die pflanzliche Immunabwehr gegen Krankheitserreger, die nachhaltige Regulierung bedeutender Schädlinge im Obstanbau und die besondere Bedeutung der Seegräser für gesunde Küstenökosysteme sein.

Der regelmäßige wissenschaftliche Austausch in den künftig jährlich stattfindenden Konferenzen ist nur einer von mehreren wesentlichen Teilen des neuen Kieler Pflanzenzentrums. Das Organisationsteam des KPC plant außerdem, in öffentlichen Veranstaltungen in den Dialog mit der Gesellschaft zu treten und dort auf die fundamentale Bedeutung der Pflanzenforschung hinzuweisen.

Christian Urban

Weitere Informationen:

Forschungszentrum Kiel Plant Center (KPC), Universität Kiel:
www.plant-center.uni-kiel.de

KPC-Summer Symposium 2019 »Plant Health and Environment Interactions«, 22./23. Juli 2019:
www.plant-center.uni-kiel.de/en/outreach
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