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Nr. 99, 06.07.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Auf die richtige Aussprache kommt es an

Dänisch wird nicht nur in Dänemark gesprochen. Auch Schülerinnen und Schüler in Schleswig-Holstein lernen die Sprache. Entscheidend ist dabei die richtige Aussprache. Darauf, diese zu lernen, konzentriert sich das Projekt »dans«.


Der dänische Zungenbrecher »rod grod med flode« (rote Grütze mit Sahne) eignet sich gut, um das weiche »d« aussprechen zu lernen. © pur.pur

Unerlässlich für die verbale Kommunikation ist die richtige Aussprache. Das gilt gleichermaßen für Muttersprache und Fremdsprache, wie etwa Dänisch. »Es reicht nicht aus, bloß Vokabeln und Grammatikregeln zu büffeln. Aussprache im Dänischen ist schwieriger als in anderen Fremdsprachen, und Muttersprachlerinnen und Muttersprachler sind weniger an fremdsprachige Akzente gewöhnt als zum Beispiel im Englischen«, meint Lisa Tulaja, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Skandinavistik, Frisistik und Allgemeine Sprachwissenschaft (ISFAS). Tulaja merkt an: »Die Aussprache dänischer Laute ist für Deutsche allerdings gar nicht so leicht, obwohl die Sprachen verwandt sind. Sie muss daher explizit gefördert werden.«

Da ist es hilfreich, wenn die Dänischlehrerin oder der Dänischlehrer Tricks auf Lager hat, damit es den Schülerinnen und Schülern leichter fällt, schwierige Laute besser auszusprechen. »Lehrkräfte sollten in Aus- und Fortbildung für das Thema sensibilisiert werden und wissen, wo häufige Probleme liegen«, so Tulaja. Für gewöhnlich können sie dabei auf Lehrwerke von Schulbuchverlagen zurückgreifen. Das Problem ist: »Lehrwerke für den Schulunterricht und auch die Lehrkräftebildung gehen bislang zu wenig auf das Problem ein. In diesem Bereich fehlt es sogar an stichhaltiger Grundlagenforschung.«

Lisa Tulaja © Stefan Schütt

Diese Lücke möchte die Sprachdidaktikerin mit ihrem Disser­tations­projekt »Dänisch als Nachbarsprache (dans): Aussprachekompetenz im schulischen Dänischunterricht« schließen. Dazu entwickelte sie Bausteine für eine sprachwissenschaftlich fundierte Fachdidaktik für den schulischen Dänischunterricht in Schleswig-Holstein. Das Projekt wird innerhalb von CAU-LiB (Lehramt in Bewegung an der CAU) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Qualitätsoffensive Lehrerbildung gefördert.

Unter der Leitung von Dr. Steffen Höder, Professor für Skandinavis­tische Sprachwissenschaft am ISFAS, begann Tulaja im Oktober 2015 eine Bestandsaufnahme zu machen. Sie ermittelte zunächst potenzielle Ausspracheschwierigkeiten deutscher Dänischlernender, die sich aus der vergleichenden Betrachtung beider Sprachsysteme ergaben. »Es gibt Laute, die nur im Dänischen vorkommen, wie etwa das sogenannte weiche d. Dieser typisch dänische Laut klingt für die meisten Lernenden wie eine Mischung aus l und englischem th. Weil es ihn im Deutschen nicht gibt, fällt es sogar fortgeschrittenen Lernenden schwer, ihn zu bilden.«

Im Anschluss glich die Kielerin ihre Annahmen anhand von empirischen Daten mit der Wirklichkeit ab. Dazu nahm sie knapp 100 Schülerinnen und Schüler eines Lernjahrs an vier Schulen in Schleswig-Holstein auf und analysierte die vorhandenen Aussprachefehler. Dann ließ sie diese Fehler von dänischen Studierenden aus Kopenhagen und Aarhus bewerten. »Die Ergebnisse zeigen, dass die Muttersprachlerinnen und -sprachler Fehler unterschiedlich wahrnehmen und bewerten«, so Tulaja. »Das weiche d sollte von den Lernenden gut beherrscht werden, da Muttersprachlerinnen und -sprachler in einem Gespräch mit Dänischlernenden, die diesen Fehler machen, eher in eine andere Sprache wechseln würden als beim Dänischen zu bleiben.«

Nachdem Tulaja die erste Phase ihrer Forschung kürzlich abschloss, arbeitet sie bereits an dem Anschlussprojekt: Geplant ist die Konzeption von Handlungsempfehlungen, die Lehrkräften wie ein Werkzeugkasten zur Verfügung gestellt werden sollen, etwa als Lehrwerk oder Onlinetool. Darin könnten praktische Übungen helfen, Laute richtig zu artikulieren. »Der Trick beim weichen d ist, dass die Zunge – anders als beim l und d, das es auch im Deutschen gibt – nirgendwo anstößt«, verrät Tulaja.

Farah Claußen

Weitere Informationen über »dans« gibt es unter:
www.isfas.uni-kiel.de/de/skandinavistik/forschung/dans-1/dans
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