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Nr. 99, 06.07.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Tropische Seegraswiesen

Interkulturelle und interdisziplinäre Summer School – Geographie­studierende der Uni Kiel untersuchten die tropischen Küsten­feucht­gebiete Malaysias.


Besuch eines Projektes von CEMACS zur nachhaltigen Aquakultur von Austern in Mangroven. © Ingmar Unkel

Mangrovenwälder und Wasserfälle, aber auch Seegraswiesen und Ebbe und Flut – die marine Tropen­welt Malaysias hat mit unserer Küste mehr gemeinsam als zunächst vermutet. Zehn Geographiestudierende der Uni Kiel konnten dies im März selbst herausfinden. Gemeinsam mit malaiischen Biologiestudierenden untersuchten sie zwei Wochen lang im Rahmen der ersten »International Fieldschool on Tropical Biodiversity and Wetland Environments« die Küstenfeuchtgebiete im Norden der Halbinsel Westmalaysias.

»Es war eine tolle Erfahrung, sowohl die interdisziplinäre Arbeit als auch der Einblick in diese spannende Kultur«, sagt Luisa Britzius. »Man sammelt wahnsinnig viele Eindrücke und lernt auch, über seinen Tellerrand zu gucken.« Die 27-Jährige im Masterstudiengang Umweltgeographie und -management war eine der Kieler Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Summer School.

Die Studierenden haben auf der Insel Penang und im Royal Belum National Park an der Grenze zu Thailand das marine Ökosystem untersucht. Unter anderem haben sie den Sauerstoffverbrauch im Wasser durch Mikroorganismen analysiert und Seegraswiesen kartiert, also geschaut welche Pflanzen wie häufig vorkommen und welche Tiere dort leben. Zudem waren sie in Mangroven unterwegs und haben ein nachhaltiges Aquakulturprojekt besucht. Die Zusammenarbeit mit den malaiischen Studierenden habe sehr gut funktioniert, erzählt Britzius. »Vor allem bei der Laborarbeit konnten wir uns von den Biologiestudierenden viel abgucken, weil sie das im Studium häufiger machen als wir Geographen.«

Seegras – ob in der Ostsee oder vor der Küste Malaysias – ist für das Meeresökosystem über­lebenswichtig. Viele Tierarten legen dort ihre Eier ab, Jungfische verstecken sich zwischen den langen Halmen vor Räubern, außerdem speichert es große Mengen an Kohlendioxid, gibt Sauerstoff ins Wasser ab und festigt das Sediment am Meeresboden. Doch weltweit sind die Seegraswiesen bedroht, etwa durch Überdüngung, Wassererwärmung und Fischerei mit Schleppnetzen.

Luisa Britzius (hinten links) bei der Kartierung einer Seegraswiese auf der Insel Pulau Gazumbo. ©  Ingmar Unkel

Geplant und organisiert hat die Summer School Professor Ingmar Unkel vom Institut für Ökosystem­forschung der CAU gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des Center for Marine and Coastal Studies (CEMACS) der Science University Malaysia und der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegner-Instituts. Auch aus seiner Sicht hat der interkulturelle und interdisziplinäre Austausch sehr gut funktioniert: »Die Studierenden waren so begeistert, dass sie tatsächlich mehr Input wollten als wir in der Startphase geplant hatten. Da können wir noch etwas zulegen.«

Im kommenden Jahr will Unkel die Summer School wiederholen – dann hier in Kiel und auf Sylt. »Wenn es klappt, wollen wir die Fieldschool im jährlichen Wechsel in Malaysia und bei uns in Schleswig-Holstein durchführen.« Denn diese Praxisanwendung sei unglaublich wichtig, »wirklich rauszugehen, vor Ort zu sein, die Ausmaße zu sehen und Messungen selbst vorzunehmen. Gefördert wird das Projekt durch den Internationalisierungsfond der CAU, die Partnership for Observation of the Global Ocean sowie die Nippon Foundation.

Marina Kosmalla
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