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Nr. 99, 06.07.2019  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Gemeinsam Barrieren abbauen

Vor vier Jahren haben Lehrende, Beschäftigte und Studierende der CAU gemeinsam einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behinderten­rechtskonvention (UN-BRK) erarbeitet. unizeit hat sich bereits umge­setzte Maßnahmen angeschaut.


Über eine kostenlose App können Studierende im Audimax den Ton von der Bühne auf ihr Smartphone streamen. © Haacks

Wenn knapp 1.200 Studierende im voll besetzten Audimax der Vorlesung lauschen, wird es mit der Akustik manchmal schwierig. Für Studierende mit Hörproblemen kann das zu einer echten Herausforderung werden. Abhilfe schafft eine kostenlose App, die den Ton von der Bühne kabellos auf das Smartphone streamt. Der Einbau der Sendeanlage war eine von knapp 30 Maßnahmen, die im Rahmen des CAU-Aktionsplans zur Umsetzung der UN-BRK realisiert wurden.

»Wir haben schon sehr viel erreicht«, sagt Kathrin Houda, Referentin der Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten, Internationales und Diversität. Vor allem strukturell habe sich einiges an der Universität verändert: »Wir wollten ein dauerhaftes Netzwerk an der CAU aufbauen und so den fachlichen Austausch intensivieren«, erklärt Houda, die die Umsetzung der Maßnahmen koordiniert. Teil dieses Netzwerks sind die fünf Arbeitsgruppen, in denen sich Studierende, Lehrende sowie Beschäftigte aus der Verwaltung gemeinsam engagieren. Der runde Tisch »Inklusion an der CAU«, aber ebenso der Inklusions-Beirat, in dem auch CAU-externe Expertinnen und Experten Mitglied sind, bilden weitere permanente Strukturen, die im Rahmen des Aktionsplans neu geschaffen werden konnten.

Neben der strukturellen Verankerung der Inklusionsarbeit stand der Ausbau des Beratungs- und Informationsangebots an der CAU im Fokus. Hierzu leiten Anette Schmitz (Zentrale Studienberatung) und Julia Müller (PerLe – Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen) die Arbeitsgruppe »Studium und Lehre«. Schmitz erläutert: »In der Zentralen Studienberatung haben wir das Beratungsangebot für Studieninteressierte und Studierende mit länger andauernden oder dauerhaften körperlichen beziehungsweise gesundheitlichen Beeinträchtigungen erweitert und bieten fundiert ausgerichtete Sprechstunden an, insbesondere Einzel- und Gruppenberatungen.«

Außerdem wurde eine neue Arbeitsstelle geschaffen. Ratsuchende können sich seitdem an Dagny Streicher, die Beauftragte für Studierende mit Behinderung und/oder chronischer Krankheit wenden, und weitergehende Unterstützung erhalten. »Die Rückmeldungen von Studierenden zeigen, dass die Möglichkeit, sich spezifisch, vertrauensvoll und unabhängig zu einem Studium mit Behinderung/chronischer Krankheit beraten zu lassen, als wichtige Unterstützung im Studium wahrgenommen wird«, zieht Schmitz ein vorläufiges Resümee zu den umgesetzten Maßnahmen des Aktionsplans

Auch im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften wurden Initiativen realisiert: »Im vergangenen Herbst haben wir von PerLe eine Handreichung für Lehrende der CAU zur barrierearmen Lehre veröffentlicht«, sagt Müller. Ziel sei es gewesen, Lehrkräfte für das Thema zu sensibilisieren: »Lehrende finden in der Handreichung konkrete Hinweise zu Möglichkeiten der Unterstützung von Studierenden mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen.« Dies umfasse etwa Tipps für den Einsatz digitaler Medien, zum Beispiel die Empfehlung, Lehr- und Lernvideos mit zusätzlichen, den Inhalt beschreibenden Tonspuren zu versehen, um diese auch sehbehinderten Studierenden zugänglich zu machen.

Weitere Beispiele für umgesetzte Maßnahmen sind die Einführung von Blindenschrift auf den Studierendenausweisen oder die Förderung von Initiativen durch den Diversitätsfonds der Universität. Zudem wird die Beschilderung in und an den Universitätsgebäuden nach und nach barrierefrei gestaltet. Hierfür wird sowohl klassische Blinden- als auch sogenannte erhabene Profilschrift genutzt, da nicht jeder sehbehinderte Mensch automatisch Blindenschrift lesen kann. Profilschrift lässt die Buchstaben und Zahlen und damit die transportierten Informationen fühlbar werden.

Vier Jahre nach seiner Veröffentlichung gilt der Aktionsplan der CAU mittlerweile als Best-Practice-Beispiel: »Unser Aktionsplan war ein Pilotprojekt, das auch anderen Hochschulen als Vorlage dient«, sagt Houda stolz. »Das freut uns natürlich sehr und wir stehen mit unseren Erfahrungswerten auch anderen Einrichtungen beratend zur Seite, auch über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus.«

Daniel Mumme

www.diversitaet.uni-kiel.de/de/projekte/aktionsplan
Über den Aktionsplan
Ende 2015 hat die CAU den Aktionsplan zur Umsetzung der UN-BRK verabschiedet. Mit diesem Pilotprojekt für deutsche Hochschulen zielt sie darauf ab, Barrierefreiheit (im weitesten Sinne) für alle Hochschulangehörigen zu erreichen. Der Aktionsplan wurde in einem partizipativen Prozess erstellt, an dem Hochschulangehörige aller Statusgruppen beteiligt waren. Für die insgesamt sieben Handlungsfelder, die alle Bereiche der Universität repräsentieren, wurden Ziele und Maßnahmen formuliert. Beratend unterstützt wurde der Entstehungsprozess des Aktionsplans vom Institut Mensch, Ethik und Wissenschaft Berlin sowie vom Deutschen Studentenwerk. Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein. (dm)
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