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Nr. 27, 08.01.2005  voriger  Übersicht  weiter  REIHEN  SUCHE  Feedback 

Bewegungen des Wassers

Professor Gerold Siedler vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften erhält den südafrikanischen Forschungspreis für seine Arbeiten über die Rolle des Ozeans im Klimasystem.


Schichtung und Bewegungen des Wassers im globalen Ozean hat Professor Gerold Siedler in vielen Projekten erforscht. Für seine Arbeiten über die Rolle des Ozeans im Klimasystem hat er einen südafrikanischen Forschungspreis bekommen.

Die südafrikanische Forschungsstiftung National Research Foundation (NRF) hat den Alexander von Humboldt-Preis an Professor Gerold Siedler vom Kieler Leibniz-Institut für Meeres­wissenschaften (IFM-GEOMAR) verliehen. Siedler, der sich bereits im Ruhestand befindet, erhält den Preis für seine herausragenden Leistungen in Forschung und Lehre über die Rolle des Ozeans im Klimasystem. Der 71-jährige Ozeanograph engagierte sich insbesondere beim internationalen World Ocean Circulation Experiment (WOCE), das die Schichtung und die Bewegungen des Wassers im globalen Ozean als Grundlage für Klimamodelle erforschte. Die Ergebnisse dieses Projekts veröffentlichte Siedler 2001 gemeinsam mit einem australischen und einem englischen Kollegen in dem Buch »Ocean Circulation und Climate« und schuf damit ein Standardwerk zu diesem Thema.

Zusammen mit seiner Kieler Arbeitsgruppe forschte Siedler bei WOCE vor allem im Südatlantik. In dieser Region bewegt sich Tiefenwasser, das durch Absinken im subpolaren Nordatlantik entstanden ist, hin zum antarktischen Wasserring, während die oberen Schichten nach Norden zurückströmen. Auf ihrem Weg gelangen sie ins Golfstromsystem und geben dort große Wärmemengen an die Atmosphäre ab.

Diese Wasserbewegungen sind Teil eines globalen »Förderbands«, in dem sich das im Nordatlantik entstandene Tiefenwasser rings um die Antarktis nach Osten und von dort aus im Indischen und Pazifischen Ozean ausbreitet und dabei fortlaufend mit Umgebungswasser vermischt. Durch die Vermischung gelangen Teile des Tiefenwassers in höhere Schichten und werden als wärmeres und leichteres Wasser auf dem Rückweg über das Förderband schließlich in den Nordatlantik zurückgeführt. Der Gesamtvorgang dauert einige hundert bis circa tausend Jahre. Beim Rückstrom gibt es einige kritische Regionen, in denen die Transporte durch enge Abschnitte mit besonders hoher Intensität ablaufen. Eine dieser Regionen ist das Gebiet südlich von Afrika, wo Tiefenwasser nach Osten und oberflächennahes Wasser aus dem Indischen Ozean im Agulhasstrom vor der Küste Südafrikas nach Westen und in einer großen Schleife auch zum Teil zurück nach Osten strömt. Diese Region wird er in den nächsten Jahren genauer untersuchen.

Professor Gerold Siedler Foto: IFM-GEOMAR

Denn der südafrikanische Forschungspreis gibt dem Kieler Wissenschaftler die Möglichkeit, seine Forschungs­arbeiten als Gastprofessor an der Universität von Kapstadt fortzuführen. In den kommenden drei Jahren wird sich Siedler für jeweils vier Monate in Südafrika aufhalten. Er erhofft sich neue Erkenntnisse zur Struktur der Strömungsfelder, zu den Transporten und zu langzeitigen Veränderungen, die für das Klimasystem von Bedeutung sind. Die genauen Forschungsaufgaben ergeben sich vor Ort. Besonders reizvoll ist für Siedler die Zusammenarbeit mit südafrikanischen Wissenschaftlern und Studierenden: »Ich habe es in der Vergangenheit immer sehr genossen, im Ausland als Gastprofessor tätig zu sein. Ich habe zugesagt, einen Kurs in physikalischer Ozeanographie anzubieten und freue mich auf die neue Erfahrung mit Studierenden in diesem Land, das ich von früheren Besuchen kenne.« (js)
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