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Paris, du 2 mai au 12 mai
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GESAMTKONZEPTION DES PROJEKTS

Ziel des Internationalen Seminars 'Europäische Städte - Literarisches Imaginarium und kulturelle Selbstdarstellung' (im Folgenden: 'Europäische Städte') ist die Beschreibung von gesellschaftlichen, kulturellen und literarischen Konzepten des urbanen Raums Europas, der Dynamik seiner Entstehung sowie der Rahmenbedingungen und der Träger seiner Transformation, welche seit 2004 mit Dozenten und Studierenden der Universitäten Kiel, Barcelona, Paris, Santiago, Tartu sowie der Universität des Baskenlandes durchgeführt wurden.

In den bisherigen Internationalen Seminaren standen literarische Manifestationen der Diskurse, welche die Stadt konstituieren - insbesondere anthropologische, soziologische und ästhetische Diskurse –, im Zentrum der Diskussion. Das IV. Internationale Seminar vertieft diesen Aspekt und öffnet ihn auf die Frage nach fundierenden Konzepten wie 'Utopie', 'Gemeinschaft', 'existentieller Raum', 'Produktions- und Konsumsystem' bis hin zu den neuesten soziologischen und anthropologischen Kategorisierungen, welche die 'klassische' Zentrum-Peripherie-Distinktion ablösen (so etwa die Konzepte der après-ville, der nociudad etc.). Es erörtert darüber hinaus deren Relation zu Raumkonzepten humanistischer oder anti-humanistischer Provenienz, etwa Certeaus parcours oder Augés non-lieu, und fragt nach deren Modellierung in Literatur, Kino und bildender Kunst.

Das Seminar geht von dem Konstruktcharakter von Stadtkonzepten aus und fragt nach Prozessen ihrer Produktion und ihrer Transformation. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Durchlässigkeit der Grenze, durch die man 'ästhetische' von 'pragmatischen' Diskursen zu trennen pflegt. Verstärkte Berücksichtigung findet darum die Verschränkung zweier aufeinander irreduzibler Dimensionen der diskursiven Konstituierung städtischer Paradigmen: die Identitätskonstitution vermittels Literatur und Künsten einerseits, städtischer Institutionen andererseits. Das Programm verknüpft also unter der übergeordneten Frage nach der Konstitution eines Imaginariums der europäischen Stadt genuin literatur- und kulturtheoretische mit anthropologischen und soziologischen Fragestellungen sowie den stärker praxisorientierten Aspekten des Kulturmanagements. Folgende Fragestellungen stehen im Zentrum der gemeinsamen Arbeit:

A. Inwiefern tragen Kulturprojekte zur Identitätskonstitution der Stadt bei? Inwiefern wandelt sich das Selbstverständnis europäischer Städte durch kulturelle Ereignisse? Welche Rolle spielen Kulturträger auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene in solchen Prozessen?

B. Inwiefern reflektieren sich diese Prozesse der Konstruktion, der Dekonstruktion und der Rekonstruktion in literarischen Texten? Inwiefern schaffen literarische und künstlerische Texte, inwiefern schafft insbesondere auch der Film ein symbolisches Imaginarium der Stadt?

Mit diesen Fragen werden Kernpunkte der Herausbildung europäischer Stadtdiskurse berührt: die imaginativ-imaginäre Fundierung, die der Konstituierung hochzivilisierter Gemeinschaften - und mithin ihrer historischen Herausbildung wie auch allen zukünftigen Versuchen einer Verortung - zugrunde liegt; die notwendige Bindung kultureller Selbstvergewisserung an die Abgrenzung gegenüber einer als 'anders' definierten Exteriorität, wie sie in den traditionellen Dichotomien von 'Stadt' und 'Land', 'Zentrum' und 'Peripherie', nicht zuletzt: 'Individuum' und 'Gesellschaft', 'Autonomie' und 'Heteronomie' zur Geltung kommt; aber auch die Einsicht, dass eine solche Abgrenzung stets nur unvollkommen erfolgen kann – ein Aspekt, den gerade Literatur und Film reflektieren. Ziel des Seminars ist mithin über die Beschreibung konkreter Paradigmen hinaus eine Untersuchung der Dynamik von imaginativ-imaginärer Produktion und Transformation urbaner Konzepte.