Personalrat - Mobbing


"Normale" Schikane oder Mobbing ?

Der Personalrat wird ab und zu von Kolleginnen und Kollegen angerufen oder angesprochen, die sich durch Kollegen oder Vorgesetzte „gemobbt“ fühlten. In einem der Informationshefte des Personalrats (Juli 1997) war ein längerer Artikel über das Wesen von Mobbing abgedruckt, der ganz kurz zusammengefaßt aussagte, daß Mobbing immer einhergeht mit Regelmäßigkeit des Auftretens und vor allem mit dem Ziel, die Kollegin oder den Kollegen aus dem Dienst herauszuekeln. Wer diesen Artikel noch einmal nachlesen möchte, kann bei uns anrufen, wir schicken ihn gern noch einmal zu. Wir haben uns mit diesem Thema erneut im INFO-Heft Dezember 1999 beschäftigt. Der Artikel ist weiter unten abgedruckt und er enthält einen Link auf einen Fragebogen mit den Titel "Normale Schikane oder Mobbing", den jede/r Interessierte selbst ausfüllen und auswerten kann.

Wenn die Auswertung dann den Verdacht erhärtet, daß es sich um Mobbing handeln könnte, sollten diese Kolleginnen und Kollegen mit ihrer Personalvertretung, der Frauenbeauftragten, der Schwerbehindertenvertretung oder einer anderen Person ihres Vertrauens darüber sprechen. Eine Beratung mit anderen kann sehr hilfreich sein, weil die Betroffenen sich dabei auch darüber klar werden können, was sie mit der Hilfe der beratenden Instanz dagegen unternehmen können.

Eine interessante Abhandlung des Themas "Mobbing" findet sich auch unter folgendem Link:

http://www.coachacademy.de/cms3_cust/fckeditor_files/File/CA%20eBooklets%20Gratis/ca_ebooklet-21_mobbing.pdf

Weitere Beratungsstellen in Kiel finden Sie am Ende dieser Seite.

Mobbing

Was ist eigentlich Mobbing?

Um einem Mißverständnis vorzubeugen: nicht jede Unverschämtheit oder Boshaftigkeit ist gleich Mobbing.

Bei Mobbing handelt es sich um systematische Schikanen und Intrigen von einer oder mehreren Personen gegen eine einzelne Person. Die Attacken dauern längere Zeit, richten sich gegen das Selbstverständnis und Selbstwertgefühl des "Opfers", gehen "unter die Gürtellinie" und sind darauf gerichtet, die oder den Betroffene(n) systematisch auszugrenzen und zu demütigen.

Solche unfairen Handlungen und Verhaltensweisen können von Kollegen und von Vorgesetzten ausgehen. Die meisten Menschen geraten in die Mobbing-Falle, ohne es zu merken. Die Mobbing-Opfer werden zum Sündenbock für allerlei andere Probleme gemacht.

Merke:  Mobbing ist immer ein Indiz für ein gestörtes System

Was läuft also ab beim Mobbing ?

Eine Person wird am Arbeitsplatz von Kollegen/Kolleginnen, Vorgesetzten oder Untergebenen schikaniert, belästigt, drangsaliert, beleidigt, ausgegrenzt oder mit kränkenden Arbeitsaufgaben bedacht und ist in dieser Situation unterlegen.

Mobbing

- tritt häufig und wiederholt auf (mindestens 1 x pro Woche)

- und erstreckt sich über einen längeren Zeitraum (ca. 6 Monate).

- Ziel/Effekt:  Ausschluß.

Kein Mobbing sind

- Einmalige Vorfälle

- Ein Konflikt zwischen zwei gleich starken Parteien

- Ein "rauhes" Klima oder belastende Arbeitsbedingungen, unter denen alle leiden.

Mobbing-Methoden

- Organisatorische Maßnahmen wie Veränderung von Arbeitsaufgaben oder der Entzug von   Entscheidungskompetenzen

- Soziale Isolierung

- Angriffe auf Person und Privatsphäre wie Gerüchte, Unterstellungen, Spott

- Verbale Drohungen/Agressionen wie Anschreien, Kritisieren, Demütigen

- Androhung/Ausübung körperlicher Gewalt

- Angriffe auf die psychische Gesundheit wie Unterstellen von Überempfindlichkeit,   Wahrnehmungsverzerrungen, verrücktem Verhalten

- Zurückhalten von notwendigen Informationen

Ursachen von Mobbing

- Ausgangspunkt immer: Ungelöste Konflikte

Ursachen im Einzelnen

- Organisation der Arbeit
- Gestaltung der Arbeit
- Führungsfehler
- Persönliche Motive
- Fehlen  "moralischer Standards"
- Personalabbau
- Andere drastische Sparmaßnahmen

Vor Mobbing schützen können Dienstvereinbarungen, in denen zunächst mal als Tatsache akzeptiert wird, daß Mobbing im Betrieb, in der Dienststelle vorkommt, also keine Tabuisierung des Themas nach dem Motto: "So etwas kommt bei uns nicht vor!"

Diese Vereinbarungen helfen sowohl den Beschäftigten als auch den Betrieben oder Dienststellen. Denn Mobbing ist eine Negativerscheinung, die nicht nur den Beschäftigten, sondern auch dem Betrieb schadet. Und zwar direkt durch erhöhte Ausgaben im Personalbereich, weil Mobbing u.a.  die Motivation auf Null fährt, krank macht, Fehlzeiten erzeugt, das Betriebsklima verschlechtert, Reibungsverluste  in Arbeitsorganisation und im Betriebsablauf erzeugt und dadurch Kosten entstehen läßt. Es wird geschätzt, daß etwa 2,5 bis 4 % der Beschäftigten von Mobbing betroffen sind. Eine Dienststelle ist also gut beraten, wenn sie sich des Themas annimmt. Jeder einzelne Fall kostet 30.000 bis 100.000 DM durch Fehlzeiten, Arbeitszeit für (vergebliche) Problemlösungen, Kündigung, Ersatzbeschaffung- und Einarbeitung von Personal, Qualitätsprobleme und Leistungsausfall. Nicht zu beziffern ist der Verlust an Kreativität und Innovationsbereitschaft.

Eine im Jahr 1998 veröffentliche Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, daß Beschäftigte, die mit ihren Vorgesetzten unzufrieden sind, z. B.  deutlich mehr Krankheitstage haben. Je geringer die Zufriedenheit ist mit:

- der Gleichbehandlung aller durch die direkten Vorgesetzten
- der Gewährleistung, Einhaltung und Beachtung von Delegationsregeln und
- der Beteiligung bei Entscheidungen bezüglich des Arbeitsbereiches,

desto höher ist in der Regel die Krankenquote.

Nach herrschender Auffassung gibt es acht wichtige Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit, von Mobbing betroffen zu sein, erhöhen. Als da wären:

- Eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitswesen, in einer sozialen oder pädagogischen   Einrichtung ausüben.
- Sich durch soziale oder ethnische Merkmale von den Kolleginnen und Kollegen unterscheiden
- In einem Bereich mit vielen Streßfaktoren arbeiten
- Sehr ehrgeizig/leistungsbereit sein (ich erledige das noch, wenn andere schon Feierabend machen oder   ins Wochenende gehen)
- Konfliktvermeidend und sozial eher unsicher sein
- Einer wenig unterstützenden Führung ausgesetzt sein
- Eine neue Arbeitsstelle antreten
- Ein allgemein schlechtes Betriebsklima

Prävention von Mobbing

Zunächst sollte darauf geachtet werden, daß das moralisch-ethische Niveau in einem Betrieb/einer Behörde stimmt. Das läßt sich durch die folgenden Maßnahmen positiv beeinflussen oder sogar erreichen:

- Top-down-Phänomen (Die Prävention muß oben anfangen)
- Öffentliche Festlegung des Betriebes für Toleranz und gegen Diskriminierung
- Sofortiges Eingreifen bei jeder Art der Diskriminierung
- Pädagogische Arbeitsformen zur Mitarbeiter/innen-Schulung
- Integrationsprogramme für neue Mitarbeiter/innen (u. U. sog. Paten)

Zur einer erfolgreichen Prävention gehören:

- Eine entsprechende Dienstvereinbarung, in der geregelt wird, wie mit dem Thema umzugehen ist
- Innerbetriebliche Ansprechpartner/innen
- Führungskräfteschulung
- Mitarbeiter/innen-Schulung
- Öffentlichkeitsarbeit, die das Thema aktuell hält

Daß Mobbing krank machen kann, ist inzwischen gesicherte Erkenntnis. An dieser Stelle soll in Kurzform eingegangen werden auf das, was in den meisten Fällen zu einer Folgekrankheit führt, und das ist die Angst.

Was ist Angst?

Zunächst einmal der Grund dafür, daß wir in der Lage sind, gefährliche Situationen einzuschätzen und zu vermeiden. Wenn ein Mensch zum Überqueren am Straßenrand steht und ein Auto schnell herankommen sieht, hat er zwei Möglichkeiten: Er geht, wird überfahren, ist verletzt, im schlimmsten Fall tot, oder sein Angstgefühl signalisiert ihm stehenzubleiben, und das Auto vorbeifahren zu lassen. Angst schützt uns also. Angst löst aber auch im Körper bestimmte Reaktionen aus, wie zum Beispiel die Ausschüttung von Hormonen, die ihrerseits einen Menschen in die Lage versetzen, zu reagieren. Fluchtreflex, Tot-Stell-Reflex, Angriffsentscheidung, alles eine Sache der Hormone. Wenn ein Mensch nun eine gefährliche Situation wie auch immer erfolgreich meistert, werden die Hormone anschließend wieder abgebaut, der Körper wieder in den Normalzustand gebracht und zurück bleibt das interessante Erlebnis einer gemeisterten Gefahrensituation, von der man seinen Enkeln noch erzählen kann. Anders beim Mobbing: Hier bleibt die Angst ein Kreislauf. Der betroffene Mensch trifft seinen Mobber an seinem Arbeitsplatz mehrmals täglich. Schon der Anblick und die Aussicht auf die unangenehme Situation setzten im Körper den Hormoncocktail frei, der aufgrund des Wiederholungseffekts und, weil das gute Ende, die gemeisterte Situation nicht erkennbar sind, nicht abgebaut werden kann und so den Körper nachhaltig schädigt. Es entwickeln sich aus solchem Dauerstreß psycho-somatische Krankheiten von Migräne über undefinierbare Schmerzen bis hin zum Herzinfarkt.

Auf unserer Personalversammlung wurde von dem Referenten, den wir zum Thema Mobbing eingeladen hatten, auch der von uns vor längerer Zeit einmal abgedruckte Fragebogen zur Mobbing Erkennung angesprochen. Da dieser Bogen nichts von seiner Aktualität verloren hat, drucken wir ihn in diesem Heft noch einmal ab. Er kann sehr hilfreich sein in Bezug auf die Frage: Ist es Mobbing, dem ich ausgesetzt bin, oder handelt es sich um "normale" Schikane, die es überall mal gibt? Mit dem Fragebogen kann jede/r für sich selbst feststellen, ob es sich in ihrem/seinem Fall um Mobbing handelt.

Normale Schikane oder Mobbing - Ein Test

Woran erkennt man aber als Außenstehender, ob das Betriebsklima möglicherweise durch Mobbing beeinträchtigt ist? Man unterscheidet hier zwischen allgemeinen und speziellen Symptomen, die auf Mobbing hindeuten können.

Allgemeine Symptome

- Auffällige Fehlzeiten
- Unvermittelte Kündigungen, Kündigungsserien
- Qualitätsprobleme, erhöhter Verschleiß, Terminengpässe, Beschwerden über die geleistete Arbeit    u.ä.   treten unvermittelt und ohne erkennbaren Grund auf
- Außenstehende spüren, daß das Verhältnis in der Gruppe gestört ist
- Es sind immer wieder Streitereien, aggressives Verhalten oder Wutausbrüche zu beobachten
- Bei sachlich-fachlichen Problemen finden die Beteiligten keine Lösung
- Beschäftigte haben "innerlich gekündigt", arbeiten unengagiert, lustlos, versuchen nicht aufzufallen
- Selbstmordversuche einer Person werden bekannt

Ob es sich hierbei um Mobbing handelt oder ein anderes Problem zugrunde liegt, wird erst bei genauerer Analyse deutlich werden. Anlaß zum Handeln ist aber auf jeden Fall gegeben.

Spezielle Symptome

- Ein sichtbarer Streitgrund ist nicht zu erkennen, bzw. der Streitgrund steht in keinem Verhältnis zur   emotionalen Reaktion.
- Verhaltensweisen werden an den Tag gelegt, die sonst prinzipiell verurteilt werden.
- Einzelne werden persönlich oder beruflich isoliert.
- Ängste oder Orientierungslosigkeit bei einer Person nehmen zu.
- Jemand lehnt reguläre Aufgaben nicht nachvollziehbar ab.
- Bestimmte, typische Handlungsweisen sind immer wieder zu erkennen.
- Die Beteiligten machen sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich.
- Rechthaberei und gegenseitige Schuldzuweisungen oder Sprachlosigkeit bestimmen die Diskussion.
- Jede/r sieht sich außerstande, etwas zur Lösung beizutragen.
 

Was tun, wenn ein Mobbingfall erkannt wird?

Es empfehlen sich sieben Schritte, um zu einer Lösung zu kommen.

1. Wahrnehmen, daß ein Konflikt oder Mobbingfall besteht.

2. Die Betroffene / den Betroffenen stabilisieren, damit er oder sie das Problem angehen kann. Wenn der     oder die Betroffene bereits so weit geschwächt ist, daß der Bericht über die Vorfälle mit den Worten endet:     "Sagen sie aber bitte nichts, ich möchte keinen weiteren Ärger", ist niemandem geholfen. Der oder die     Betroffene muß so aufgebaut werden, daß die Folgen der nächsten Schritte aushaltbar sind.

3. Eine(n) Konfliktmoderator(in) finden, der oder die als Vermittler/in auftritt und möglichst von allen     Beteiligten respektiert und als neutral angesehen wird.

4. Beteiligte und Hintergründe aufspüren: Vertrauen schaffen und eine Gesprächsbasis herstellen. Alle     Parteien zur Mitarbeit motivieren. Herausfinden, was gespielt wird und wer involviert ist. Die Vermittlerin     bzw. der Vermittler sollte sich ein möglichst genaues Bild von der Situation schaffen.

5. Problemlösungen (er)finden. Ziel: in einem gemeinsamen Gespräch zu einer Beschreibung des Problems     zu finden, um dann ebenfalls gemeinsam zu einer Lösung zu gelangen. Hier ist häufig Kreativität gefragt.

6. Verantwortung aufschlüsseln und Betroffene rehabilitieren. Liegt zum Beispiel ein  (arbeits-)rechtliches     Fehlverhalten vor, muß entsprechend reagiert werden. Die zuständige Führungskraft, die     Personalabteilung und ggfs. der Personalrat müssen die entsprechende Analyse durchführen und     geeignete Maßnahmen einleiten. Entscheidend für den Erfolg ist es, die Betroffenen zu rehabilitieren.

7. Erfolgssicherung. Die Konfliktmoderation ist erst dann wirklich abgeschlossen, wenn die mit den     Beteiligten erarbeiteten Lösungen sich als tauglich erweisen. Dazu ist es erforderlich, die Umsetzung der     Lösungen zu begleiten und "dran zu bleiben".

Fazit

Mobbing ist ein ernsthaftes Problem mit gravierenden gesundheitlichen und sozialen Folgen für Betroffene und enormen Kosten für die Betriebe. Frühzeitiges und gezieltes Handeln ist erforderlich. Vorbeugen gegen Mobbing ist auch Arbeit für ein gutes Betriebsklima und damit einhergehend Förderung der Gesundheit und der Leistung der Beschäftigten. Daß dadurch auch die Leistungsfähigkeit des Betriebes gestärkt wird, liegt auf der Hand.

Deshalb ist es wichtig, die Gestaltung der Arbeitsbeziehungen als wichtige Führungsaufgabe im Unternehmen zu erkennen. In der Kooperation, im Engagement, in der Kreativität und der Veränderungsbereitschaft der Beschäftigten liegt das größte zukünftige Innovationspotential. Mobbing wirkt hier extrem kontraproduktiv. Systematisches und gezieltes Handeln schafft mehr Wohlbefinden und Lebensqualität für die Beschäftigten und die Rentabilität für die Unternehmen.  

Übrigens:

Laut Heinz Leymann, der sich mit dem Thema Mobbing sehr intensiv in mehreren Büchern auseinandergesetzt hat, wurde der Begriff dem englischen Wort "the Mob" entlehnt: die Meute, die über jemanden herfällt.

Mobbing-Beratungsstellen in Kiel

Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt                                     0431 / 55779400
Deutscher Gewerkschaftsbund                                             0431 / 5195090
Psychosoziale Frauenberatung Donna Klara                    0431 / 5579344
Frauennetzwerk zur Arbeitssituation                                   0431 / 678830
Frau und Beruf                                                                            0431 / 554163


Personalrat der Universität Kiel,

e-mail: prcau@personalrat-cau.uni-kiel.de
Stand: 22.07.2010