EXPO 2000 – die erste Weltausstellung in Deutschland
 

Björn Finkenstaedt
Projektleiter weltweite Projekte in Deutschland
 

Grußwort auf der Eröffnungsfeier des EXPO-Projektes „Sicherung der Welternährung: Modelle aus einer europäischen Spitzenregion – effizient und umweltschonend“
Molfsee / Kiel, 1. Mai 1999

 

In 13 Monaten bzw. 395 Tagen ist Eröffnung der ersten Weltausstellung in Deutschland: ein Riesenfest.
Mit der EXPO 2000 in Hannover gibt Deutschland eine neue Visitenkarte in der Welt ab und lädt ein zum gemeinsamen Aufbruch in das 21. Jahrhundert. 


Was heißt das konkret? 

Jeder von Ihnen wird aufgrund seines „Amtes“ wahrscheinlich mindestens einmal auf der EXPO sein. Das ist Pflicht. Wie wäre es, wenn Sie das mit Freizeit und Spaß verbinden. Laden Sie doch einfach mal Ihre ganze Familie ein. Für ein, zwei oder auch drei Tage zu einer Weltreise zu Fuß. Zu einer Weltreise, bei der Sie keine kostspielige und ermüdende Anreise haben. Zu einer Weltreise, von der jeder etwas hat – egal wie alt, egal was ihn besonders interessiert.

Ich will versuchen, Ihnen einen solchen möglichen Tag auf der EXPO zu beschreiben. Nehmen wir Mittwoch, den 21.Juni 2000, den kürzesten Tag mit der längsten Nacht des Jahres:
Sie kommen um 10 Uhr auf der Plaza an. 


Da findet auf der Plazabühne gerade die offizielle Feier des Nationentages von Polen statt. Jeden Tag wird im übrigen ein Teilnehmerstaat seinen Nationentag haben. 187 Nationen und Internationale Organisationen haben bis heute zugesagt. Ein Rekord und ein Vertrauens-beweis.

Der Deutsche Pavillon. Ein Bau aus Glas, filigran ohne Metall-Verstrebungen, eine technologische Weltneuheit – so ist es geplant. Wenn das bis zur Eröffnung durch alle Genehmigungs- und Prüfverfahren läuft, ist das eine Sensation: Ein Beweis dafür, daß deutsche Gründlichkeit  auch schnell sein kann. (Sicherheitshalber baut der Architekt aber erstmal Metallstützen ein – das nenne ich flexibel.)

Schon wenn man auf den deutschen Pavillon zugeht, sieht man durch die riesige Glas-fas-sade Elemente der Preshow: Die riesigen Köpfe von Menschen, die Deutschland  geprägt haben, mit Taten oder Ideen, die auch noch in unsere Zukunft hineinwirken. Das macht neugierig hineinzugehen.
Im Ausstellungsbereich finden Sie Exponate aus allen Bundesländern, die für grundlegende Entwicklungen unserer Gesellschaft stehen. Z.B. die Gutenberg-Bibel als Ursprung oder als Ausgangspunkt für den Weg in die Zukunft einer Informationsgesellschaft in Deutschland.

Im Showbereich stehen Sie in einem 720 Grad Kino. Leinwände um Sie herum, über Ihnen und unter Ihnen zeigen Bilder und Filme eines zukunftsfähigen Deutschlands.


In einem offenen Saal finden laufend Veranstaltungen statt: Lesungen, Diskussionsveranstaltungen, Konzerte, Theatertanz oder Kabarett.
Jetzt wandern Sie den EU-Boulevard entlang. Besonders auffällig ist dort z.B. der Pavillon von Holland, der auf 3 – 4 Ebenen / Stockwerken die verschiedenen Landschaftsformen zeigt: Gestapelte Landschaften als Ausdruck des zunehmenden Flächennot. Im Innenraum wird das Thema aufgenommen und Lösungsbeispiele dafür gezeigt. 

Sie können einen kleinen Abstecher machen zu den Gärten im Wandel. Das sind neu gestaltete Grünflächen bis hin zum EXPO Park Süd. Überhaupt nehmen die Grünflächen bei der Gestaltung des Weltausstellungsgeländes eine zentrale Rolle ein. Allein 5000 Bäume haben wir neu gepflanzt, 6000 Sträucher und 20.000 Stauden und Gräser. Auch das wird dem Gelände ein besonderes Flair verleihen und aus einem üblichen Messegelände ein Weltausstellungsgelände machen.

Auf dem Messegelände West können Sie die Nationenpavillons bewundern, die nur für die EXPO Zeit errichtet werden. Als Beispiel möchte ich nennen: Japan mit einem Pavillon ganz aus papierenem Material, fingerdick mit einer kühn geschwungen Dachkonstruktion. Das Material kann nach der Weltausstellung vollständig wiederverwertet werden.

Oder der ZERI Pavillon (Zero Emissions Research Initiative). Das ist ein faszinierendes achteckiges Gebäude, das aus der Luft betrachtet wie ein Pilz aussieht. Ein kolumbianischer Architekt hat das entworfen. Als Materialien werden Bambus, Holz, recycelter Zement etc. verwendet. Innen werden 10 konkrete Projekte für nachhaltige Entwicklung gezeigt, z.B. eine Null-Emissions-Brauerei in Namibia. Der ZERI Pavillon ist so konstruiert, daß er zerlegt werden kann und in 14 große Container paßt. Nach der EXPO wird er weiter durch die Welt reisen. Paris und Tokio haben den Pavillon bereits eingeladen.

Wenn Sie jetzt hinübergehen zum Themenpark, werden Sie auch das gute alt vertraute Messegelände nicht wiedererkennen: Die neuen Hallen kennen Sie ja schon. Aber jetzt gibt es da Ruhezonen zum Erholen, Spielstationen für die Kinder. Künstler verkürzen die Wartezeiten mit ihren Vorführungen z.B. mit dem Welttheater der Animationskunst. 


Kasper König ist Kurator für „In-Between Architecture.

Im Themenpark machen Sie dann eine Reise in die Zukunft. Z.B. im Bereich des 21. Jahrhunderts, da graben Sie sich praktisch aus der Zukunft im Jahr 2100 hinunter in die Gegenwart des Jahres 2000. Dabei bekommen Sie nicht Science-fiction oder tollkühne Utopien zu sehen sondern ganz konkrete Zukunftsprojektionen: Wie sieht der Alltag 2030 aus? Wie leben die Menschen im Jahr 2070? Dazu werden ganz konkrete Geschichten aus dem Alltag der Menschen erzählt. Als Stationen dieser Reise wurden Aachen, Sao Paulo, Schanghai und Dakar gewählt. 

Der Bereich Zukunft der Arbeit ist als Weltarena gestaltet, in Form einer Ellipse. Wie in einem Riesenkabinett spielen dort hunderte von Schauspielern mögliche Formen von Arbeiten und Leben im 21. Jahrhundert.


Weltberühmte Künstler wirken an der Gestaltung des Themenparks mit: Toyo Ito gestaltet den Bereich Gesundheit, Miralda den Bereich Ernährung, Jean Nouvel den Bereich Arbeit.

Mittags haben Sie die Wahl zwischen Bistro oder 16-Sterne Restaurant. – Zu vernünftigen Preisen, dazu haben wir die Gastronomen vertraglich verpflichtet.
Ab 13.30 beginnen die Konzerte „für den Flaneur“, das sind kurze Konzerte auf vielen verschiedenen Bühnen, über das gesamte Gelände verteilt. Insgesamt 450 Konzerte mit über 6.000 Mitwirkenden aus allen Kontinenten. 

Den achtjährigen Filius liefern Sie dann in der Kinderwelt Technik oder im Walfisch des CVJM ab – die Tochter im Teeny-Alter macht sich auf zur Funsporthalle, wo gerade eine Show zum Mitmachen beginnt. Sie eilen jetzt zum Empfang des polnischen Staats-präsidenten, weil ja heute der Nationentag ist. Ihr Partner oder Ihre Partnerin sieht sich derweilen die Proben zu „Faust“ an.

Oder Sie besuchen Ihren eigenen Beitrag; ich gehe davon aus, daß Sie, meine Damen und Herren, sich mit Ihren Land oder Unternehmen auf jeden Fall bereits beteiligen oder noch beteiligen werden.
Am Abend treffen Sie sich alle am EXPO-See wieder. Dort findet täglich das Flambee statt, eine Licht-, Feuer- und Lasershow, eine Geschichte mit Live-Schauspiel, Live-Musik und spektakulären Momenten.
Das wäre ein aufregender und doch ganz normaler Familientag auf der EXPO.

Wenn Sie noch nicht genug haben: Täglich ab 23 Uhr ist die Disco an der Plaza geöffnet. Heute ist außerdem die „Nacht der Nächte“ mit Open-Air Kino. Themenkonzert „Nocturnes“ von Frederic Chopin im Klassiksaal. Auf allen open-air Bühnen und in einigen Nationen-pavillons spielen Gruppen Musik aus Brasilien bis Jamaika und Thaiti. Erst um 5 Uhr morgens ist Schluß.

Vielfalt, Internationalität, Überraschung und gute Unterhaltung in hoher Qualität sind denn auch die „Leitlinien“/ Grundideen/ Fundamente, denen sich unser tägliches Veranstaltungs-programm gern verpflichtet hat. 
Wir werden große Stars haben:
Al Jarreau, Patricia Kaas, Christoph Eschenbach, Peter Stein inszeniert Faust, Bruno Ganz wird die Hauptrolle spielen, Peter Zadek inszeniert Hamlet ... 

Vor allem werden auch die jungen Talente auf der Weltausstellung die Möglichkeit haben, sich zu beweisen. Natürlich immer live. Und das meine ich mit einer „Weltausstellung zum Anfassen“: Daß die Besucher Spaß haben und daß eine Atmosphäre, ein Flair auf dem Gelände erzeugt wird, das die Besucher anspricht, das sie als gute Stimmung mit nach Hause nehmen. Und das sie vielleicht animiert, noch einmal wiederzukommen.

Wenn so viele Besucher auf unterschiedliche Weise begeistert werden können, wird daraus automatisch ein Medienereignis. Unser Maßstab sind Begeisterung und Zufriedenheit der Besucher, der Nationen und unserer Partner - nicht Einschaltquoten. Das ist es, was ich mit einer Weltausstellung „zum Anfassen“ meine.
Fast alle Großprojekte werden in der Vorbereitung mit Kritik begleitet – Eiffelturm, Reichstag hatte ich genannt. 
Oder die Love-Parade – sie ist zum Markenzeichen für ein junges, friedliches und fröhliches Berlin geworden. Die Diskussion um die Kosten der Müllbeseitigung scheint den Medien aber interessanter als das Ereignis selbst – jedes Jahr aufs neue. Natürlich müssen solche Themen gelöst werden. Aber von den Verantwortlichen, nicht von den Medien.

Kritik zu schüren scheint „in“ zu sein. Selbst die kritische Meinung eines Referenten aus dem Bürgermeisteramt wird abgedruckt (vielleicht weil es keine gewichtigere Kritik gibt?). Ich hoffe, das haben wir jetzt überwunden und wenden uns jetzt den Inhalten zu. Es gibt jetzt schon so viel Konkretes und Aufregendes von der EXPO zu berichten, das sollte jetzt einen viel breiteren Raum in der Berichterstattung einnehmen. 

- Projektbezug und Ausklang - 

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