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Theologische Fakultät | Ringvorlesung "Survival of the fittest?-..." |
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Entstehungsgeschichte |
Zur Entstehungsgeschichte(Artikel in: uni kiel 3/99. Berichte und Informationen aus der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel vom 19.07.1999)In den modernen westlichen Gesellschaften erfolgt zur Zeit eine intensive Debatte über ethische Werte, den kulturellen Wertewandel sowie über ethische Grundlagen des Staates und der Rechtsordnung. Der Philosoph Hans Jonas hatte schon 1979 in seinem Buch "Das Prinzip Verantwortung" darauf aufmerksam gemacht, daß heutige Technologien, darunter die Gentechnologie, dazu herausfordern, verstärkt Verantwortung "für" ethische Werte wahrzunehmen. Es gelte, die Geltung, Reichweite und Aussagekraft ethischer Werte in Anbetracht des modernen Pluralismus und der derzeitigen technologischen Entwicklungsschübe zu durchdenken und, wie Jonas meinte, sogar nach "neuen" Werten zu fragen.
Ein ethischer Wert, der in jüngster Zeit tatsächlich neu ins Bewußtsein gerückt ist, ist die Nachhaltigkeit. Von "Nachhaltigkeit" ist vor allem seit der UN-Konferenz für Entwicklung und Umwelt im Jahr 1992 in Rio de Janeiro die Rede. Dieser Begriff zielt auf eine vorsorgliche, schonende Nutzung der Umwelt, auf den Schutz der Erdatmosphäre (Problem der Klimaerwärmung) und die Zusammenschau ökologischer mit entwicklungspolitischen Perspektiven ab.
Ein anderer ethischer Grundwert, dessen Gehalt derzeit in ganz neuer Weise bewußt wird, ist der Freiheitsbegriff. Konkret geht es z.B. um die Frage: Was besagen Freiheit und Selbstbestimmung im Blick auf die heutige prädiktive, "vorhersagende" Medizin? Mit Hilfe genetischer Diagnostik lassen sich inzwischen weitreichende Aussagen über genetisch bedingte Krankheitsrisiken (z.B. Brustkrebs, Darmkrebs) und damit über die persönliche gesundheitliche Zukunft von Menschen treffen. Eine solche genetische Diagnostik ist, zum Zweck gesundheitlicher Vorsorge und medizinischer Vorbeugung, oftmals überaus sinnvoll. Andererseits können sich für Betroffene starke Belastungen ergeben oder droht u.U. gar die Verleitung zu genetischen Ausforschungen von Menschen. Hieraus resultiert das ethisch-menschenrechtliche Postulat, daß in Zukunft ein Recht auf Nichtwissen um das eigene Genom als neues, individuelles Freiheitsrecht gelten soll.
Vor dem Hintergrund solcher aktueller Fragen entstand der Gedanke, in der CAU ein Zentrum für Ethik zu etablieren. In verschiedenen anderen Universitäten bestehen bereits vergleichbare Einrichtungen, z.B. Graduiertenkollegs für Ethik, neu etablierte Ethik-Institute oder interdisziplinäre Ethik-Arbeitsgruppen. Solche Einrichtungen bringen zum Ausdruck, daß die Ethik inzwischen eine Querschnittsdisziplin ist. Sie ist nicht mehr nur in Philosophie und Theologie bzw. in den Geisteswissenschaften, sondern ebenfalls in der Medizin, den Naturwissenschaften und technischen Disziplinen verankert. Das Spektrum der Ethik umfaßt Grundlagen- und Begründungsfragen menschlichen Handelns (z.B. die geschichtlichen und kulturellen Grundlagen von Ethik oder die heutige Debatte zum Verantwortungsbegriff) sowie konkrete Anwendungsprobleme (Bereichsethiken wie medizinische Ethik, ökologische Ethik usw.) Nach einer längeren Beratungsphase innerhalb der CAU hat das Rektorat im Mai 1999 die Einrichtung eines Zentrums für Ethik nun bestätigt und die beiden Unterzeichner dieses Artikels als Sprecher benannt. Ziele des Zentrums bestehen darin, in der CAU das Ethikstudium zu fördern, ein interdisziplinäres Ethik-Ergänzungsstudium zu ermöglichen (hierüber wird zur Zeit in verschiedenen Fakultätskonventen beraten) und Vorträge oder Tagungen zu aktuellen ethischen Fragen durchzuführen, Veröffentlichungen im Bereich der Ethik zu fördern, und anderes.
Im kommenden WS 1999/2000 soll - anknüpfend an zwei medizinisch-ethische Ringvorlesungen aus den Jahren 1997 / 1998 - eine weitere Ringvorlesung stattfinden, und zwar unter dem Leitmotiv "Menschenwürde und Bioethik in der technischen Zivilisation". Es werden erneut Fragen der medizinischen Ethik behandelt, darunter der derzeitige Stand der Transplantationsmedizin, die Debatte über Sterbehilfe oder die sog. Abtreibungspille. Darüber hinaus sollen weitere Themen der Ethik zur Sprache gelangen, etwa das Leitbild der Nachhaltigkeit, die Nutzung von Windenergie als alternative Energiequelle oder der Stand der Gentechnologie an Pflanzen. Neben Referentinnen und Referenten aus der CAU werden auswärtige Gäste sprechen, darunter der frühere Bundesforschungsminister Volker Hauff oder der Philosoph und Medizinethiker Hans-Martin Sass. Die Vortragsreihe wird vom 2. November 1999 an dienstags um 18 Uhr c.t. im Audimax, Hörsaal H, stattfinden. Näheres wird durch Plakate und Handzettel noch bekanntgegeben. Informationen sollen auch über Internet abgerufen werden können.
PD Dr. Dr. Hans-Jürgen Kaatsch, Institut für Rechtsmedizin, Arnold-Heller-Str.12, 24105 Kiel, Tel.: 597-3600/01, Fax: 597-3612, email: hj.kaatsch@rechtsmedizin.uni-kiel.de
Prof. Dr. Hartmut Kreß, Institut für Systematische Theologie und Sozialethik, Leibnizstr.4, 24098 Kiel, Tel.: 880-2386, -2351, Fax: 880-1654, email: hkress@email.uni-kiel.de Zuständig für die Pflege dieser Seite: zfe@email.uni-kiel.de |