Der Erreger der Badedermatitis und sein Entwicklungszyklus
Diagnostik, Therapie und Prophylaxe
Die Badedermatitis (englisch swimmerss itch) stellt eine weltweit verbreitete Hauterkrankung dar, die neben den Badenden auch einige, durch ihre Arbeit prädestinierte Berufsgruppen (Karpfenzüchter, Reisbauern etc.) betrifft. Bereits seit den zwanziger Jahren wird über diesen juckenden Hautausschlag (Cort 1928, Vogel 1922, Naegeli 1923) berichtet, der im deutschen Sprachraum auch als "Schistosomatiden- oder Cercariendermatitis", "Hundsblattern" (Bodenseeraum) oder "Weiherhibbel" (Franken) bezeichnet wird. Eine besondere Häufung von Badedermatitiden ist in Nordamerika und Mitteleuropa zu verzeichnen (Schmidt et al. 1965).
Der Erreger der Badedermatitis und sein Entwicklungszyklus
Die Badedermatitis wird durch die Larven (Cercarien) von tierpathogenen Saugwürmern (Trematoden) hervorgerufen, die irrtümlicherweise in die Haut des Menschen (Fehlwirt) eindringen. In Mitteleuropa sind es vor allem die Vertreter der Gattung Trichobilharzia (Digenea: Schistosomatidae), die diese Hauterkrankung verursachen können. Der Endwirt (Wasservogel) infiziert sich durch den Kontakt mit Wasser, welches infektiöse Larven (Cercarien) enthält. Die Cercarien dringen aktiv in die Haut der Vögel ein (vornehmlich im Bereich der Schwimmhäute) und gelangen über das Blutgefäßsystem in die Mesenterialvenen des Darmes bzw. in die Gefäße der Nasenschleimhaut. Dort entwickeln sie sich zu Adultwürmern, deren Eier mit den Faeces bzw. dem Mucus der Nasenschleimhaut ins Wasser abgegeben werden. Aus den Eiern schlüpft jeweils eine Larve (erstes freies Larvenstadium = Miracidium), die aktiv eine Süßwasserschnecke (Gattung Lymnaea, Radix oder Stagnicola) aufsucht und penetriert. Über Vermehrungsstadien in diesem sogenannten Zwischenwirt (dort hauptsächlich in der Mitteldarmdrüse) werden dann in großer Zahl Cercarien (zweites freies Larvenstadium) erzeugt, die aus der Schnecke ins Wasser ausschwärmen. Der Lebenszyklus schließt sich, indem wiederum der Endwirt von diesen infektiösen Larven befallen wird. Versehentlich können die Cercarien auch in die menschliche Haut eindringen. Dort gehen sie jedoch kurz nach ihrer Invasion zugrunde und verursachen schließlich eine mit starkem Juckreiz verbundene Hautreaktion, die Badedermatitis. Der Mensch stellt für diese tierpathogene Art einen sogenannten "Fehlwirt" dar, in dem sich der Parasit nicht weiterentwickeln kann.

Entwicklungszyklus von Trichobilharzia
Die Badedermatitis ist ein Sensibilisationsphänomen, das nur bei wiederholter Cercarieninvasion auftritt, nicht aber bei Erstbefall (Olivier 1949). Ungefähr 10 Minuten nach dem Kontakt mit Cercarienhaltigem Wasser setzt ein Prickeln oder leichtes Jucken ein. An den Stellen, an denen Cercarien in die Haut eingedrungen sind, erscheinen gerötete Flecken (Durchmesser: ca. 2 mm). Diese Primärsymptome treten auch bei Erstbefall auf. Bei sensibilisierten Personen zeigt sich nach 10-25 Stunden die eigentliche Dermatitits: begleitet von einem sehr heftigen Juckreiz (sehr viel stärker als z.B. bei einem Mückenstich), haben sich an den Invasionsstellen erythematöse, ödematöse Quaddeln (Durchmesser: 3-8mm) gebildet. Diese Quaddeln gehen nach Abklingen des Juckreizes in kleine, derbe Papeln über und heilen im Verlauf weiterer 10-20 Tage ohne Folgen ab. Verlauf und Intensität der Hauterscheinungen sind individuell verschieden. Bei hypersensibilisierten Personen können Fieber und Schockzustände auftreten. Das Aufkratzen der juckenden Quaddeln kann zu Sekundärinfektionen mit Krankheitskeimen führen. Das Vordringen der Cercarien bis zur Lunge wurde bisher nur am Tiermodell (Kaninchen) nachgewiesen. Dort führten sie zu temporären Hämorrhagien und Infiltraten (Olivier & Weinstein 1953).
Diagnostik, Therapie und Prophylaxe
Eine Verdachtsdiagnose läßt sich aufgrund des klinischen Bildes und
der Vorgeschichte des Patienten relativ leicht stellen. Eine Absicherung kann jedoch nur
duch eine biologische Untersuchung des Gewässers oder durch serologische Tests erreicht
werden (Kimmig 1984).
Eine ätiologische Therapie der Badedermatitis gibt es derzeit nicht. Es können lediglich
symptomatische Maßnahmen zur Linderung des Juckreizes getroffen werden, wie die orale
Gabe von Antihistaminika oder die lokale Anwendung von juckreizstillenden Gelen oder
Lotionen.
Die Prophylaxe des Badenden besteht in der Befolgung bestimmter Verhaltensregeln. Ein
längerer Aufenthalt im Uferbereich sollte vermieden werden, da sich dort die
cercarienausscheidenden Schnecken befinden. Desweiteren wird angeraten, zum Schwimmen
tiefere Bereiche aufzusuchen. Nach dem Verlassen des Wassers sollt sofort die nasse
Badekleidung abgelegt und der Körper mit einem Handtuch kräftig abgetrocknet werden. Ein
absoluter Schutz wird durch diese Maßnahmen jedoch nicht erreicht. Lediglich die Anzahl
der eindringenden Cercarien kann so vermindert werden. Graefe et al. (1973) geben an, daß
in einigen Versuchen das Eindringen von Cercarien durch Vaseline verhindert werden konnte
Aus hygienischen und wirtschaftlichen Gründen wird häufig nach
Maßnahmen gesucht, die das Auftreten von Badedermatitiden eindämmen oder sogar
verhindern sollen. Allgöwer & Matuschka (1993) geben einen Überblick über einige
Bekämpfungsstrategien und deren Effizienz. Bekämpfungsmaßnahmen sind vor allem dann
erfolgreich, wenn sie den Lebenszylus des Parasiten unterbrechen. Eine Einwirkung auf den
Parasiten außerhalb seines End- oder Zwischenwirtes ist äußerst schwierig bzw. fast
unmöglich. Daher dienen bei einer Bekämpfung die End- bzw. Zwischenwirte als
Zielorganismen. Eine Reduktion des Entenbestandes wird von Allgöwer & Matuschka
(1993) als wenig effektiv beurteilt, da die Vögel dem Jagddruck ausweichen. Die
Entwurmung der Tiere wäre eine Möglichkeit, doch die Verabreichung und Dosierung des
Entwurmungsmittels ist problematisch. Eine Dezimierung der Zwischenwirte durch
Molluskizide oder durch Kalken eines Sees ist ökologisch nicht vertretbar, da hierdurch
die gesamte Flora und Fauna geschädigt wird. Die biotechnische Bekämpfung unter Einsatz
von natürlichen Räubern (Libellenlarven, Wasserkäfer, Fische) und Parasiten (Larven von
Zuckmücken oder Netzfliegen) scheint eine vielversprechende und ökologisch vertretbare
Möglichkeit zur Reduktion der Schneckenpopulationen zu sein. Leider liegen hierzu noch
keine Ergebnisse von Freilanduntersuchungen vor.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß es zur Zeit keine wirksame, ökologisch
vertretbare Bekämpfungsmethode gibt. Wegen der komplexen Zusammenhänge im Ökosystem See
kann vermutlich nur der Einsatz von natürlichen Räubern und Parasiten, kombiniert mit
entsprechenden wasserbaulichen Maßnahmen und einer Reduktion des Nährstoffeintrages eine
langfristige und zufriedenstellende Lösung bringen (Allgöwer 1990). Bis dahin wird der
Erlaß eines "Baden auf eigenen Gefahr" oder eines "Badeverbotes" bei
einer Badedermatitis-Epidemie nicht zu umgehen sein.
Allgöwer, R. (1990) Die Zerkarien-oder Badedermatitis. Biologie unserer Zeit, 20(3): 144-148.
Allgöwer, R. & Matuschka, F.-R. (1993) Zur Epidemiologie der Zerkariendermatitis. Budesgesunheitsbl., 10: 399-404.
Cort, W. W. (1928) Schistosome dermatitis in the United States (Michigan). Amer. J. Med. Assoc., 90: 1027-1029.
Graefe, G. , Aspöck, H. & Picher, O. (1973) Auftreten von Bade-Dermatitis in Österreich und Möglichkeiten ihrere Bekämpfung. Zbl. Bakt. Hyg., I. Abt. Orig. A, 225: 398-405.
Kimmig, P. (1984) Zerkarien-Badedermatitis. Z. Allg. Med., 60: 967-973.
Naegeli, O. (1923) Über einen beim Baden entstehenden Hautausschlag, die sogenannten Hundsblattern. Schweiz. Med. W., 49: 1121-1122.
Olivier, L. & Weinstein, P. P. (1953) Experimental schistosome dermatitis in rabbits. J. Parasitol., 39: 1-9.
Olivier, L. (1949) Schistosome dermatitis, a sensitization phenomenon. Amer. J. Hyg., 49: 290.
Schmidt, B., Kerner, H. & Kampf, W.-D. (1965) Dermatitis durch Schistosomenlarven. Dtsch. Ärztebl., 62(21): 1174-1182.
Vogel, H. (1922 ) Über das intra vitam beobachtete Vorkommen des großen Leberegels (Fasciola hepatica L.) bei einem Kinde. Zbl. Bakt., I. Abt. Orig., 87: 556-557.Startseite Parasitologie verantwortlich & erstellt: Sonja Kock