Hausstaubmilben

Entwicklungszyklus:
Entwicklungszyklus Hausstaubmilben

Frischgeschlüpfte Larven sind während der ersten 5 Tage aktiv, woran sich eine 2-3tägige Ruhephase anschließt, in der sie sich zu Protonymphen umwandeln. In diesem Stadium bleiben die Tiere 5-6 Tage aktiv und schalten anschließend wieder eine 2-3 Tage dauernde Ruhephase ein. Hiernach schlüpfen die Tritonymphen und gehen nach 7 aktiven Tagen für 1-2 Tage in eine Ruhephase. Nach dieser letzten inaktiven Zeit bleiben sie bis an ihr Lebensende (Dauer unterschiedlich, Männchen v. D. pteronyssinus: 60-100 Tage, Weibchen bis zu 150 Tage; Weibchen v. D. farinae: bis zu 60 Tage) geschlechtsreif.Es gibt zwei wesentliche Arten (D. pteronyssinus; die Flachland- oder europäische Hausstaubmilbe und D. farinae Gebirgs- oder amerikanische Hausstaubmilbe) Beide haben ihr Temperaturoptimum bei 25 °C, die optimale Luftfeuchte liegt bei 75 %. Bei diesen Bedingungen dauert der Entwicklungszyklus im Mittel 30 Tage. Die Weibchen legen dann zwischen 1 und 4 Eier pro Tag ab. Ein Weibchen kann auf diese Weise 300 Eier in ihrem Leben ablegen.

Atmung, Exkretion und Ernährung
Diese ca. 0,3 µ großen Spinnentiere wickeln ihren gesamten Gas- und Wasseraustausch über die Kutikula ab. Es fehlen also Atmungs- und Exkretionsorgane jeglicher Art. Guaninkristalle wurden zwar in Zellen in der Mitteldorsalregion und in der Hämolymphe gefunden, wie und wann sie allerdings abgebaut werden, ist unbekannt. Ein Herz fehlt ebenfalls, sodaß die Zirkulation der Hämolymphe vermutlich über Kontraktion der Körpermuskulatur und durch Bewegen der Extremitäten erzeugt wird. Weiter haben diese Milben eine incorporale Verdauung entwickelt. Anders als bei Spinnentieren üblich, zerkleinern diese Tiere ihre Nahrung (Hautschuppen) mit den Cheliceren und verdauen die festen Nahrungspartikel im Darm.

Biotop
Das natürliche Biotop der Hausstaubmilben ist vor allem der in Betten, Teppichen und Polstermöbeln vorkommende Staub. Hier findet sich reichlich Nahrung (der Mensch verliert in 24 Stunden bis zu 1 g Schuppen). Wichtig für die Besiedlung durch Hausstaubmilben ist die Oberflächenbeschaffenheit ihres Substrates. Nischen (Knöpfe, Reißverschlüsse, Nähte usw.) bieten ihnen Unterschlupf, während glatte Oberflächen (z.B. Gummi, einige Schaumstoffmatratzen) ungünstig sind. Weniger wichtig ist das Material des Substrates. Günstig für Milben sind Kunststoffmatratzen, die sich durch Reiben oder Staubsaugen elektrisch aufladen können und dadurch Staub anziehen. Die größte Milbenkonzentration findet sich in Staubproben aus Schlafzimmern, die bis zu hundertmal mehr Milben beherbergen als Proben aus Wohnzimmern. In den Schlafzimmern finden sich höchste Milbenkonzentra in Matratzen, Wolldecken und Bettwäsche.

Klima der Milbenbiotope
Staub zieht durch Kapillarwirkung aktiv Feuchtigkeit an sich. In verschiedenen Schichten des Staubes gibt es unterschiedliche Feuchten und die Milben suchen das für sie günstigste Mikroklima auf. Durch die Temperaturerhöhung der im Bett schlafenden Menschen und ihre Transpiration ergeben sich ideale Lebensbedingungen für Milben. Mitentscheidend für die Luftfeuchte sind auch lokale Gegebenheiten (Nähe von Seen oder Wäldern, der Untergrund). Auch das Makroklima (vermehrte Niederschläge, Einbruch feuchter Luft) beeinflußt die Feuchte der Wohnungen. In beheizten Wohnungen sinkt die Luftfeuchtigkeit ebenso wie bei regelmäßiger Lüftung an warmen, trockenen Tagen

Epidemiologie
Die Übertragung der Milben von einem Haushalt zum anderen erfolgt vermutlich passiv (Umzug) oder aktiv durch den Menschen. Auf Kleidern wurden Hausstaubmilben nachgewiesen In gemäßigten Klimazonen kommen die Milben vermehrt in den Sommer- und Herbstmonaten vor. Diese Zunahme läuft parallel mit dem Anstieg der Luftfeuchtigkeit.

Allergien und Allergene
Die für die Milben günstigen Entwicklungsbedingungen werden in den heutigen vollklimatisierten Wohnungen künstlich über längere Zeit aufrecht erhalten. Bekannt sind die Allergene Der p I, Der p II und Der f I,. Trotz der relativ geringen Häufigkeit von Hausstauballergien ( 8% aller allergischen Erkrankungen), ist das Bedürfnis nach Bekämpfung dieser Tiere groß. Der psychologische und wirtschaftliche Aspekt ist hierbei erheblich stärker: Die durch das "Feindbild Hausstaubmilbe" erzeugte Verunsicherung der Bevölkerung kann zum verstärkten Absatz "milbensicherer" Polstergegenstände (Kissen, Decken, Bettbezüge etc.) genutzt werden.

Prophylaxemaßnahmen:

 

Eigene Forschungen
Wenig bekannt ist die Empfindsamkeit der Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus. Hierzu konnten Versuche zur Wahrnehmbarkeit von Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Geotaxis sowie zur Strukturpräferenz durchgeführt und abgeschlossen werden. Die Tiere sind fototaktisch negativ, das heißt, sie können Licht aktiv wahrnehmen (obwohl ihnen erkennbare Augen oder andere Lichtsinnesorgane fehlen). Licht löst allerdings eine Fluchtreaktion aus. Sie sind auch in der Lage Temperaturunterschiede wahrzunehmen, Temperaturen von über 35 °C lösen bei diesen Tieren ebenfalls Fluchtreaktionen aus. Weiter zeigen diese Hausstaubmilben eine positive Geotaxis, d.h. sie orientieren sich aktiv zur Schwerkraft hin. Dahingegen sind diese Tiere nicht in der Lage Luftfeuchtigkeiten aktiv wahrzunehmen. Die Strukturpräferenzversuche haben gezeigt, daß sie bei vier Wahlmöglichkeiten signifikant am häufigsten die Struktur bevorzugten, die ihnen sowohl Versteckmöglichkeit als auch Nahrung bot. Weiter wurden anhand von ultrastrukturellen (Transmissions- und Rasterelektronenmikroskopie) Untersuchungen, Einblicke in das Sensillenbesteck dieser Milben gewonnen. Dabei konnte gezeigt werden, daß die Milben Mechanorezeptoren als auch Chemo- oder Thermorezeptoren besitzen. Auch Versuche zum Paarungsverhalten und zur potentiellen Feinderkennung wurden durchgeführt und beendet. So konnte festgestellt werden, daß aus Tritonymphen, die vorher von den Männchen getrennt wurden, zu 100 % Weibchen schlüpfen. Weiter wurde festgestellt, daß bereits geschlüpfte Weibchen keine Attraktivität mehr auf die Männchen ausübten. Ein Konkurrenzverhalten der Männchen untereinander konnte ebenfalls nicht beobachtet werden. Schließlich wurde eine deutlich geringere Paarbildung zwischen immaturen Tritonymphenweibchen und Männchen beobachtet, als zu erwarten war.

Im Rahmen dieser Arbeit konnten zwei Drittmittelprojekte bearbeitet werden (Fa. Vorwerk Elektrowerke und Fa. Naturgut).

 

weiterführende Literatur:

Bronswijk van, J.E.M.H (1981): House dust biology for allergists, acarologists and mycologists, NIB Publishers, 316 pp

Davis, R.und S. Ollier (1991): Allergien - Ursachen, Diagnose, Behandlung; Spektrum der Wissenschaft

Houlton, J. (1995): Überlebenshandbuch für Allergiker; BLV

Mumcuoglu, Y. K. (1988): Biologie und Ökologie von Hausstaubmilben, Allergologie, vol. 11 no. 6, 223-228

Wharton, G.W. (1976): House dust mites, J. med. entomology, vol. 12, no. 6, 577-621

 

verantwortlich & erstellt: Helge Huckfeldt