Parasitologische Untersuchungen an Zootieren

(Parasitologische Arbeitsgruppe des Zoologischen Instituts der CAU)

erstellt von Helge Huckfeldt

 

Parasitosen von:

Pferden, Eseln und Zebras (Equidae)

Schafen (Bovidae)

Rindern (Bovidae)

Birk- und Auerwild (Tetraoninae)

Exotischen Vögeln aus Tiergärten (diverse)

 

Helge Huckfeldt (1995): Parasitologische Untersuchungen an Equiden, Diplomarbeit

Im Zeitraum März bis Dezember 1994 wurden die Equiden von "Tierpark Gettorf" (6 Esel sowie 6 Zebras) und "Ponygestüt Bumann" (136 Ponys) untersucht. Dazu wurden 579 Kotproben mit der Kochsalz- und Zinksulfat-Zucker-Flotation als Kombinationsverfahren auf Magen-Darmparasiten inspiziert. Hierbei ergaben sich folgende Befallsextensitäten: Cyathostominae: 96,8 %, Strongylus spp.: 27,8 %, Triodontophorus spp.: 21,0 %, Strongyloides westeri: 3,6 % (nur bei Fohlen nachgewiesen), Parascaris equorum: 9,3 %, Anoplocephala spp. 1,6 % und Eimeria leukarti 0,9 % (ebenfalls nur bei Fohlen nachgewiesen); Trematoden wie Fasciola hepatica und Dicrocoelium dentriticum konnten nicht nachgewiesen werden. Dabei hat sich erwiesen, daß unter "natürlichen Bedingungen" (also ohne Anwendung von Wurmkuren) stets Parasitenbefall auftrat, der sich immer in Mischinfektionen niederschlug.

Weiter wurde im August der gesamte weidende Ponybestand mittels Felluntersuchungen - nach Weidetypen getrennt - besonders an den Beininnenseiten auf Gasterophiliden-Eier untersucht, wobei sich eine durchschnittliche Befallsextensität von 71,3 % ergab, die unabhängig von den unterschiedlichen Weidetypen war.
Obwohl der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den Untersuchungen der Magen-Darm-Parasiten der Equiden lag, wurden auch Untersuchungen zum Ektoparasitenbefall durchgeführt. Dabei haben die Inspektionen auf Befall durch Zecken, Mallophagen, Anopluren sowie Räudemilben negative Befunde erbracht. Lediglich die Kontrollen auf Stomoxys calcitrans konnten 53 Individuen (allerdings nur in den Stallungen) nachweisen

Aber auch Beziehungen zwischen Parasitenbefall und Equidengeschlecht, -art und -haltung wurden untersucht. Dabei hatte sich gezeigt, daß die Parasiten grundsätzlich unabhängig von diesen "äußeren Faktoren" waren.
So konnten zum Beispiel keine signifikanten Unterschiede in der Befallsintensitäten der einzelnen Parasiten bezüglich der Equidenarten festgestellt werden. Die Befallsextenistäten der einzelnen Parasiten waren:
Cyathostominae: Esel, Zebra, Pony: 100 %; Strongylus spp.: Esel: 30 %, Zebra: 21 %, Pony: 26 %; Triodontophorus spp.: Esel: 27 %, Zebra: 32 %, Pony 32 % und Parascaris equorum: Esel: 12 %, Zebra 7 %, Pony 13 %.

Weiter wurde es überraschend möglich, den Magen-Darmtrakt eines verendeten Zebras zu sezieren. Als Haupttodesursache konnte den Massenbefall mit Parascaris equorum, der zu einem Darmverschluß führte, festgestellt werden.

Bei der Untersuchung der Populationsdynamik der Strongyliden-Larven (L3) auf Weidenflächen ergaben sich drei Populationsmaxima ergaben, die jeweils in Abständen von 8½ Wochen auftraten. Hierbei wurden - ausgehend vom Kothaufen - Wanderungsstrecken der L3-Larven von 2 m festgestellt.

Durchführung von Tenazitätsversuchen an Strongyliden-Eiern: Es ließen sich signifikante Eischädigungen ab einer Ethanolkonzentration von 70 %, einer Natronlaugekonzentration von 10 % und einer Temperatur von 40°C nachweisen. Essigsäure und Zentrifugationskräfte zeigten hingegen keine signifikante Eischädigung.
Die Auswertung aller Ergebnisse dieser Arbeit soll für eine Verringerung des Ansteckungsrisikos mit Parasiten genutzt werden. Für Weide- und Stallhaltung wird folgender Maßnahmenkatalog vorgeschlagen:

Weidehaltung:
- Vermeidung hoher Besatzdichten auf einzelnen Weiden, um Übertragungen zu reduzieren.
- Saisonweises, alternierendes Weiden von Pferden und Rindern. Dies bewirkt eine Reduzierung der jeweils artspezifischen Parasiten.
- Vor Beginn der Weidesaison Mähen der betreffenden Weiden und Verarbeitung des Grases zu Silage oder Heu, um die Strongyliden- Larven (L3) zu vernichten.
- Während der Weidesaison Durchführung mehrmaliger Weideumtriebe, um Standweiden zu vermeiden.

Stallhaltung:
- Stallhygienische Maßnahmen beschränken sich im wesentlichen auf regelmäßige, gründliche Reinigung der Stallungen.
- Maßvolle Anwendung von Antheliminthika kann das Ansteckungsrisiko bei Stallhaltung reduzieren.
- Vermeidung hoher Besatzdichten im Stall, Schaffung von soviel "Lebensraum", wie irgend möglich, um den Streß für die Tiere zu vermindern.
- Kurze "Stallhaltungszeiten" verringern die Infektionswahrscheinlichkeit für das einzelne Tier.

 

Andrea Rudolph (1995): Rückbesinnung auf alte Haustierrassen - Bewertung von Ansprüchen und Vitalität vierzehn Landschafrassen im Tierpark Warder (Schleswig-Holstein) anhand von Beobachtungen und parasitologischen Untersuchungen, Dissertation

Ziel dieser Studie war es, die Vitalität und Ansprüche von Landschafrassen zu messen bzw. zu bewerten.
Als Indikator für die Vitalität der Schafe, d.h. ihre Fähigkeit unabhängig vom Menschen zu leben, wurde ihr parasitärer Status herangezogen. Dabei galt die Prämisse, daß eine solche Unabhängigkeit die Fähigkeit von Wildtieren beinhaltet, unter geeigneten Lebensumständen die Parasitenbürde auf ein schadensfreies Niveau zu begrenzen. Der Schafbestand des Tierparks Warder, Schutzpark für seltene und gefährdete Haustierrassen, wurde dazu über 14 Monate untersucht und beobachtet. Er bestand im Untersuchungszeitraum aus 14 Rassen in 15 Herden, die aus min. 3 bis max. 40 Tieren bestanden:

Bentheimer Landschafe
Kärntner Brillenschafe Skudden
Gotlandschafe
Mongolenschafe Soayschafe
Graue Heidschnucken
Moorschnucken Walachenschafe
Hissarschafe Rauhwollige Pommersche Landschafe Weiße Ungarische Zackelschafe
Jakobschafe Rotkopfschafe Schwarze Ungarische Zackelschafe


Bestimmt wurde der Befall mit Endoparasiten durch regelmäßige koprologische Untersuchungen sowie eine einmalige serologische Statuserfassung der Durchseuchung mit Toxoplasma gondii mittels eines ELISA. Die Beurteilung der Auswirkungen des ermittelten Befalls erfolgte anhand der über zwei Jahre erfaßten Bestands- und Wetterdaten. Einbezogen wurden auch Beobachtungen zum Allgemeinzustand der Tiere, zu den Haltungsbedingungen und zum Weidezustand.

Die Studie erbrachte folgende Ergebnisse:

Die Arbeit hat gezeigt, daß fast alle der hier untersuchten Landschafrassen über einen hohen Grad an Vitalität verfügen. Sie stellen jedoch nur solange geringe Ansprüche an den Menschen, wie sie unter den ihren natürlichen Anpassungen entsprechenden Umweltbedingungen gehalten werden. Die untersuchten Rassen haben viele Fähigkeiten des Wildtyps bewahrt und zeigen in ihren sehr unterschiedlichen Formen die Ergebnisse des jahrtausendewährenden Zusammenspiels aus anthropogener und natürlicher Selektion. Rückbesinnung auf Landschafrassen würde zur Bewahrung dieser Vielfalt führen.

 

Martina Wichelmann (1995): Rückbesinnung auf alte Haustierrassen - Bewertung von Ansprüchen und Vitalität neun alter Rinderrassen im Tierpark Warder (Schleswig-Holstein) anhand von Beobachtungen und parasitologischen Untersuchungen, Dissertation

Diese Arbeit sollte einen Beitrag dazu leisten, die bisher nur auf Erfahrungen und Beobachtungen beruhenden Aussagen zur hohen Vitalität der alten Hausrindrassen wissenschaftlich zu untermauern.
Als meßbare Größe dieser Vitalität diente in der vorliegenden Untersuchung der parasitäre Befall der Tiere, dessen Intensität und pathogene Folgen als ein Indiz für den Grad der Widerstandsfähigkeit genutzt wurden. Es sind dazu neun alte und seltene Hausrindrassen aus dem Tierpark Warder (Schleswig-Holstein) für einen Zeitraum von über einem Jahr serologisch mittels des Immunfluoreszenztests und koprologisch auf ihre Parasitenbürde untersucht worden. Vorausgehende, begleitende und nachfolgende Beobachtungen des Allgemeinzustands der Tiere wirkten ergänzend und unterstützten die Bewertung.

A. Sowohl die parasitologischen Nachweise als auch die Ergebnisse aus Beobachtung und Verfolgung des "Lebenslaufs" einzelner Tiere bestätigten die hohe Vitalität der alten Hausrindrassen:


1. Die Haltungsbedingungen im Tierpark Warder sind prädestiniert für die erfolgreiche Entwicklung von Parasiten. Infektiöse Stadien der verschiedenen Parasiten waren in großer Anzahl nachweislich auf den Weideflächen vorhanden (s. RUDOLPH 1995). Die Zwischenwirte Ixodes ricinus und Galba truncatula sind im Tierparkgelände nachgewiesen worden.

2. Trotz dieser Voraussetzungen wurde über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg sowohl durch die koprologischen als auch durch die serologischen Untersuchungen lediglich eine äußerst geringe Parasitenbürde bei allen untersuchten Rinderrassen nachgewiesen. Die extrem niedrige Ausscheidungsrate von Helmintheneiem und Protozoenoozysten muß ursächlich mit der hochentwickelten Resistenz der alten Rinderrassen zusammenhängen.

3. Die in dieser Arbeit nachgewiesenen Infektionen der Tiere mit Babesia divergens blieben ohne pathogene Folgen, ebenso wie insgesamt Erkrankungen der Rinder, auch die nicht von Parasiten induzierten, lediglich in sehr geringem Umfang vorkamen.

4. Das anhand von regelmäßigen Beobachtungen subjektiv als gut bewertete Allgemeinbefinden der Tiere sowie die erfolgreiche Nachzucht belegen ergänzend zu den parasitologischen Ergebnissen den hohen Vitalitätsgrad der alten Rinderrassen.

5. Die kargen Haltungsbedingungen im Tierpark hinsichtlich der Weidequalität und der Beifütterung im Vergleich zur Intensivhaltung entsprechen somit den Ansprüchen der alten Rassen.
Die extreme Unanfälligkeit der Rinder gegen Krankheiten und die hier nachgewiesene geringe Belastung mit Parasiten trotz der für diese günstigen Entwicklungsbedingungen kann also als ein Argument für den Erhalt alter Hausrindrassen herangezogen werden.

B. Daneben ist in dieser Arbeit dargelegt worden, welche Folgen eine Vernachlässigung alter Hausrindrassen bis hin zur Gefährdung ihres Bestandes hat, wenn parallel die Hochleistungszucht weiter gefördert wird und welche Gründe für den Erhalt der Altrassen daraus resultieren:

1. Die mit der Zucht auf Hochleistung einhergehende Massentierhaltung wird vorangetrieben und wirkt sich neben ihrem Einfluß auf die tierischen Lebensumstände auch negativ auf den Menschen und die Umwelt aus.

2. Die Zucht der alten Hausrindrassen mit dem Ziel des Erhalts ihrer Eigenschaften schließt ihre Zucht auf Hochleistung und die damit verbundene Massentierhaltung aus.

3. Neben dem Erhalt des wertvollen genetischen Potentials würde die Rückbesinnung auf alte Haustierrassen und die Wiederaufnahme ihrer Zucht nicht nur in Zoos und durch private Organisationen, sondern auch in landwirtschaftlichen Betrieben zu einer wünschenswerten Veränderung des Verhältnisses zwischen Mensch, Tier und Umwelt führen.

 

Grit Schwerdtfeger (1998): Sind Parasiten Ursache für Haltungsprobleme bei Auer- und Birkhühnern (Tetraoninae) in Tierparks?, Diplomarbeit

Diese Arbeit befaßte sich mit der Frage, inwieweit der Parasitenbefall von Auerhühnern (Tetrao urogallus) und Birkhühnern (Tetrao tetrix) bei einer Haltung in naturnahen Gehegen zu Problemen führt. Die Untersuchungen fanden im Wildpark Eekholt statt, wo Auer- und Birkhühner in unterschiedlichen Gehegetypen gehalten werden.
Regelmäßig wurden Kotproben aus jedem Gehege nach der Kochsalz-Flotationsmethode untersucht. In den Proben aller Gelege wurden Eimeria-Oocysten und Capillaria-Eier in zum Teil großen Mengen gefunden. Heterakis gallinae trat nur in geringen Mengen und hauptsächlich in den Auerhuhngehegen auf. Eier von Syngamus trachea und Cestoden-Eier wurden ausschließlich in Birkwildkot gefunden. Monatliche Laboruntersuchungen (Fremdlabor) von Kotproben erbrachten keine Nachweise von Salmonellen. Die Ausscheidungsraten parasitärer Stadien waren unabhängig von der Gestaltung und Bodenbeschaffenheit des Geheges.
In der Zeit dieser Arbeit verstarben 9 adulte Birkhühner, wovon von zwei Tieren die Todesurache unklar blieb. In einem dieser beiden Fälle kann eine parasitäre Ursache aber nicht ausgeschlossen werden. Die übrigen sieben Todesfälle hatten definitiv keinen parasitären Hintergrund (zB. Genickbruch, Marderriß).
Bei einem ebenfalls im Untersuchungszeitraum verendeten Auerhahn konnte eindeutig eine parasitäre Ursache als Todesursache angenommen werden. Hierbei handelte es sich um eine Mischinfektion mit Capillaria spp., Heterakis gallinae und Eimeria spp. sowie einem starken Befall mit Ektoparasiten (Mallophagen).
In dem Bearbeitungszeitraum starben sechs Jungtiere der Birkhühner, wobei eine parasitäre Todesurache in keinem Fall nachgewiesen werden konnte.
Für den Vergleich verschiedener Haltungsformen wurde mit Hilfe eines Fragebogens und personlicher Gespräche eine Umfrage durchgeführt. Dabei konnten 11 Wild- und Tierparks bzw. Zoologische Gärten sowie sieben Züchter erfaßt werden. Hierbei erwies sich, daß einige Halter gute Erfolger bei einer Haltung von Auer- und Birkhühnern in naturnahen Gehegen erzielen.

 

Hans Ullrich Traxel (1994): Parasitologische Untersuchungen von Vögeln aus Tiergärten, Diplomarbeit

Anhand von koprologischen Untersuchungen und äußeren Inspektionen wurden an 177 Vogelarten aus 17 Ordnungen folgende Parasiten festgestellt:

Syngamus-/Cyathostoma-Befälle wurden bei fünf Proben registriert. Die befallenen Vogelarten stammen aus 4 Ordnungen , der Befall war in allen Fällen als gering einzustufen .

Die Gattung Deletrocephalus konnte nur bei einigen Nandus nachgewiesen werden, die aber unter dem Befall nicht zu leiden schienen .

Amidostomum-Arten wurden bei drei Arten der Gänsevögel nachgewiesen, die Anzahl der gefundenen Eier war sehr gering .

Bei einer Sammelprobe einer Flamingo-Gruppe konnte nur ein Ei von Echinuria sp. gefunden werden .

Parasiten der Gattung Capillaria wurden bei 22 Arten aus 10 Ordnungen erfaßt. Kein Vogel zeigte Beeinträchtigungen durch diese Parasiten.

Die Ergebnisse der eigenen parasitologischen Untersuchungen und die Fremdbefunde der Veterinäruntersuchungsstellen lassen den Schluß zu, daß Todesfälle im Zoo, hervorgerufen durch Parasitosen, heutzutage die Ausnahme bilden .

 

verantwortlich & erstellt: Helge Huckfeldt