SuchenSitemapKontaktImpressum
Infos für Öffentlichkeit | Studenten | Wirtschaft
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Math.-Naturw. Fakultät | Botanisches Institut und Botanischer Garten
Antibiotikaresistenzen und ein Gutachten aus Freiburg
Siegel der Fakultät
Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie
Prof. Dr. Frank Kempken


Antibiotikaresistenzen und ein Gutachten aus Freiburg

Die frühere Bundesgesundheitsministerin Fischer hat in ihrer Amtszeit eine Anweisung an das Robert-Koch-Instituts bezüglich des Bt-Mais mit möglichen gesundheitlichen Folgen des Genusses des Bt-Mais aufgrund eines Gutachtens des Ökoinstituts in Freiburg begründet. Streitpunkt war ein Gen für eine Resistenz gegen das Antibiotikum Ampicillin, das in dem transgenen Mais vorhanden ist. Das Ökoinstitut befürchtet in seinem Gutachten, dass bei Genuss des Bt-Mais die DNA von Bakterien im Darm von Mensch oder Tier aufgenommen werden könnte und dadurch sich das Resistenzgen ausbreiten könnte. Als Folge würde das Antibiotikum Ampicillin - so das Gutachten - wirkungslos werden.

Wie realistisch ist die Einschätzung dieses Gutachtens? Im menschlichen Darmtrakt kommen viele Milliarden Bakterien vor und manche Schätzungen gehen sogar von Billionen von Bakterien aus. Selbst in dem Gutachten wird angenommen, dass etwa 2% dieser Bakterien ohnehin ein Ampicillin-Resistenzgen aufweisen. Bei einer Keimzahl von 100-1.000 Milliarden Bakterien im Darm würden also 2 bis 20 Milliarden Bakterien mit einem Ampicillin-Resistenzgen vorliegen.

Für die Risikoabwägung sind nun zwei Aspekte bedeutsam:

  1. Die Wahrscheinlichkeit mit der ein, in der Pflanzennahrung enthaltenes Gen im Darm von Bakterien aufgenommen wird. Dieser Wert ist nicht genau bekannt, da ein solcher Fall noch nie beobachtet wurde. Es gibt aber Schätzungen für Verhältnisse im Freiland, wonach bei etwa 1015-1017 Bakterien und 100.000 kg Pflanze gerade einmal eine solche Übertragung zu erwarten wäre. Im Darm wird aber aufgenommene DNA innerhalb von wenigen Stunden abgebaut, so dass die Wahrscheinlichkeit wohl noch geringer ist.
  2. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Bakterium sein Ampicillin-Resistenzgen auf ein anderes überträgt. Dieser Vorgang, der als bakterielle Konjugation bekannt ist, kann mit einer Wahrscheinlichkeit von 10-4 bis 10-6 auftreten. Auf je 10.000 bis 1.000.000 Bakterien käme dann einmal ein Transfer des Ampicillin-Resistenzgens. Das heißt, dieser Vorgang ist so häufig, dass der unter (1) geschilderte Fall damit praktisch unbedeutend ist.
Fazit: Dem horizontale Gentransfer des Ampicillin-Resistenzgens aus dem transgenen Mais kommt keine praxisrelevante Bedeutung zu.



Zuständig für die Pflege dieser Seite: FKem