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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Math.-Naturw. Fakultät | Botanisches Institut und Botanischer Garten
Transgener Bt-Pollen und Monarchfalter
Siegel der Fakultät
Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie
Prof. Dr. Frank Kempken


Transgener Bt-Pollen und Monarchfalter

Maispflanzen sind anfällig gegen die Larven des Maiszünslers, die erhebliche Ernteschäden hervorrufen können. Durch den Fraß der Larven kommt es außerdem zu einer erhöhten Besiedlung mit Pilzen und somit zu einer Kontamination mit Mykotoxinen. Zur Bekämpfung werden normalerweise die Maispflanzen mit Insektiziden behandelt.
Mittlerweile gibt es aber auch genetisch modifizierte Maissorten, die selber ein Insektizid produzieren, das ursprünglich aus einem, in der Natur vorkommenden Bakterium stammt, das Bacillus thuringiensis heißt und pathogen für manche Insekten ist. Die Pathogenität beruht auf der Bildung eines Toxins, das nur auf bestimme Insektengruppen wie z.B. Schmetterlinge oder Käfer wirkt. Für alle anderen Arten und den Mensch ist es ungiftig. Man kennt mittlerweile etwa 50 verschiedene Toxine aus B. thuringiensis Arten. Die genetische Information für ein solches Toxin, das gegen Schmetterlinge wirksam ist, wurde in Maispflanzen durch Transformation eingebracht. Man spricht hier von dem sogenannten Bt-Mais. Fressen nun die Maiszünsler von diesen Bt-Maispflanzen nehmen sie das Toxin auf und sterben.
Bei Verwendung derartiger Maispflanzen kann auf zusätzliche Insektizide weitgehend verzichtet werden und tatsächlich ist der Artenreichtum in transgenen Bt-Maisfeldern deutlich grösser als in konventionellen Maisfeldern.
In der ansgesehenen Fachzeitschrift "Nature" erschien 1999 ein Artikel (Losey et al. 1999, Nature 399:214), in dem die Auswirkungen des in Bt-Maispflanzen enthaltenen Toxins auf andere Schmetterlinge in einem Laborversuch untersucht wurden. Als Testorganismus verwendete man Larven des Monarchfalters (Danaus plexippus), die sich von einer Seidenpflanzenart (Asclepias curassavica) ernähren, die man z.B. im Umfeld von Maisfeldern findet. Für das Experiment wurden jeweils fünf Monarchfalterlarven auf unbehandelte, mit Pollen von Bt-Mais und mit Pollen von einer konventionellen Maissorte bestäubte Blätter der Seidenpflanze gesetzt. Nach vier Tagen waren ca. 50% der Larven, die sich von mit Bt-Maispollen bestäubten Blätter ernährten tot.


Abb. 1: Monarchfalter


Abb. 2: Larven des Monarchfalters

Als Folge der Veröffentlichung dieser Laborstudie sanken beispielsweise die Aktien der Monsanto-AG um 10% und einige Staaten verboten die Einfuhr des Mais.
In der Fachwelt wurde die Laborstudie dagegen sehr kritisch aufgenommen, denn in Freilandversuchen ließen sich die Labordaten nicht bestätigen (Shelton und Roush 1999, Nature Biotech 17:832). Offenbar nehmen die Larven im Freiland gar nicht erst den Bt-Pollen auf. Außerdem scheinen sich in den USA die Schlupfzeit der Larven und der Pollenflug des Mais zeitlich nicht zu überschneiden. Mittlerweile geht man überwiegend davon aus, dass der Bt-Mais keinen schädigenden Einfluss auf andere Insekten hat.
Das Beispiel zeigt, dass heute einzelne Laborstudien sofort nach ihrem Erscheinen von der Öffentlichkeit wahrgenommen und meist unkritisch betrachtet werden. Dies gilt insbesondere für solche Arbeiten, die mögliche Gefahren aufzeigen. Dies geschiet übrigens ohne Rücksicht auf die ablaufende wissenschaftliche Diskussion. Dabei wird übersehen, dass häufig auch kontroverse Publikationen erscheinen, die in der Fachwelt stark umstritten sind.

Mittlerweile wurden Feldstudien über den Einfluss von Bt-Toxin in Maispollen auf die Schmetterlingsart Papilio polyxenes veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass kein negativer Effekt auf die Schmetterlinge durch den transgenen Pollen vorliegt. Diese Daten weisen daraufhin, dass von transgenem Bt-Mais im Freiland keine Gefahren auf die Schmetterlingspopulationen ausgehen. Diese Einschätzung wird durch neue Erhebungen bestätigt. So nahm in den letzten Jahren die Anbaufläche für Bt-Mais in den USA um ca. 40% zu. Gleichzeitig stieg die Population der Monarchfalter um 30%.

Zum Abschluss noch eine persönliche Bemerkung: Das der Bt-Mais gefährlich sein soll, stand damals in allen Zeitungen an prominenter Stelle. Der Widerruf - wenn er überhaupt erschienen ist - war dagegen oft auf einer der hinteren Seiten versteckt. So ist es vielleicht doch gar nicht so erstaunlich, wenn sich auch heute noch bestimmte Politiker für ein Verbot des Bt-Mais aussprechen.



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