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Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
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Sicherheit und Gentechnik
Siegel der Fakultät
Abteilung für Botanische Genetik und Molekularbiologie
Prof. Dr. Frank Kempken


Sicherheit und Gentechnik

Wie bei jeder anderen Technik auch, ist es notwendig die Anwendung der Gentechnik bei Pflanzen einer Sicherheitsprüfung zu unterziehen. Hierbei sind allgemeine und spezielle Fragen zur Sicherheit anzustellen. Manche Risiken gelten für alle transgenen Pflanzen, viele Risiken sind von Fall-zu-Fall abzuschätzen.
Die pflanzliche Gentechnik blickt dabei auf einen exzellenten Sicherheitsstandard zurück. Seit den ersten Freisetzungen Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind weder ökologische Schäden noch gesundheitliche Schäden bei Menschen je beobachtet worden!
Die Bewertung derartiger Risiken ist nicht unproblematisch, da jeder Mensch andere Prioritäten setzt und unterschiedlich tolerant gegenüber Risiken ist. So werden z.B. sehr hohe Risiken in der Freizeitgestaltung oft akzeptiert oder sogar gesucht. Im Bereich der "grünen" Gentechnik sind folgende Risiken denkbar:

  1. Die Übertragung von Transgenen (= gentechnisch eingebrachte DNA) durch Pollen auf verwandte Pflanzen
  2. Die Übertragung von Transgenen auf Mikroorganismen
  3. Allergien gegen gentechnisch veränderte Pflanzen oder gegen neue Bestandteile darin
  4. Ungewollte Giftstoffe in gentechnisch veränderten Pflanzen

Diese Punkte sollen kurz diskutiert werden:

zu Punkt 1:
Wenn man eine Pflanze gentechnisch verändert, also neue DNA in das Erbgut einer Pflanze einbringt, so wird diese Pflanze die neuen Gene an jede Nachfolgegeneration weitergeben. Dies erfolgt einerseits durch die Eizelle und andererseits über den Pollen. Der Pollen wird entweder über den Wind oder durch Tiere (meist Insekten) verbreitet. Baut man also gentechnisch veränderte Pflanzen auf einem Feld an, so kann also der Pollen auch auf andere, nicht veränderte Pflanzen gelangen.
Bei Nachtschattengewächsen (Kartoffel, Tomate, Tabak) oder dem Mais ist das kein Problem, weil diese Pflanzen keine nahe Verwandten in Europa haben, denn sie stammen ursprünglich aus Amerika. Bei anderen Pflanzen, wie z.B. dem Raps ist eine Übertragung von Pollen auf verwandte Pflanzen denkbar. Hierbei spielt auch die Art der Bestäubung (Wind, Insekten etc.) eine Rolle.
Bei der Risikobewertung sollte man auch bedenken, dass auch konventionell gezüchtete Pflanzen ihren Pollen an Wildkräuter weitergeben und dabei deren Erbgut beeinflussen.

zu Punkt 2:
Hierbei sind zwei Prozesse zu unterscheiden: Zum einen eine Aufnahme von Transgenen in Bakterien im menschlichen Darm beim Genuss von transgener Nahrung und zum anderen die Übertragung von Transgenen, speziell den Antibiotikaresistenzgenen, von Pflanzen auf Bodenbakterien. Der erste Fall wird bereits unter einem anderen Stichwort diskutiert (siehe dort). Der zweite Fall, die Übertragung von Pflanzen auf Bodenbakterium soll hier etwas genauer betrachtet werden:
Transgene Pflanzen der ersten Generation tragen z.B. das Kanamycin-Resistenzgen, das den Pflanzen Resistenz gegen das Antibiotikum Kanamycin verleiht. Kritiker befürchten eine Übertragung auf Bodenbakterien. Tatsächlich tragen aber bereits viele Bodenbakterien natürlicherweise ein solches Resistenzgen. Eine besondere Gefährdung ist also durch die transgenen Pflanzen nicht gegeben, da das Gen ja bereits in der Nautr vorhanden ist.

zu Punkt 3:
Wenn man ein fremdes Gen in eine Pflanze bringt und dort dann ein neues Protein gebildet wird, könnte es sein, dass einige Menschen gegen dieses Protein eine Allergie entwickeln oder bereits dagegen allergisch sind. Deshalb ist es wichtig, Nahrungsmittel entsprechend zu kennzeichnen (gesetzlich vorgeschrieben!), damit Allergiker wissen was sie essen. Ob ein Protein als Allergen wirkt (d.h. Allergien auslösen kann), kann man oft schon daran erkennen, wie lange das Protein im Magensaft unverändert erhalten bleibt. Unbedenkliche Proteine werden sofort zersetzt, während Allergien auslösende oftmals für mehr als 15 min oder länger erhalten bleiben. So kann man also im Vorfeld schon für Sicherheit sorgen. Außerdem ist es möglich, mit Hilfe von Antiseren von Allergikern vorab zu testen, ob ein bestimmtes Protein (z.B. aus Nüssen) Allergien auslösen kann. Zusammenfassend kann man sagen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen theoretisch Allergien auslösen können, dass dieses Risiko aber nicht grundsätzlich größer ist als bei konventionellen Pflanzen. Hierzu ein Beispiel: Sehr viele Menschen sind z.B. gegen Kiwis allergisch. Wäre die Kiwi eine gentechnisch hergestellte Pflanze, wäre sie niemals für die menschliche Ernährung freigegeben worden (Nach der "Novel Food" Verordnung muss neuerdings auch für bislang in der EU nicht erhältliche exotische Früchte, Pflanzen o.ä. die Unbedenklichkeit nachgewiesen werden!).

zu Punkt 4:
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass für den menschlichen Genuß freigegebene transgene Pflanzen toxische Beiprodukte enthalten. So wurden z.B. vor der Einführung der länger haltbaren transgenen Tomate ("Anti-Matsch-Tomate") umfangreiche Untersuchungen vorgenommen (incl. Tierversuche) um ein evtl. Restrisiko auszuschließen. In der Vergangenheit haben Pflanzenzüchter viele zehntausende neuer konventioneller Pflanzensorten hergestellt. Trotzdem waren darunter nur zwei, die für den menschlichen Genuß ungeeignet waren. Dies zeigt, dass die Entstehung toxischer Pflanzensorten ein extrem seltener Vorgang ist.
(Anmerkung: Grundsätzlich enthalten viele unserer Nahrungspflanzen von Natur aus auch Giftstoffe, weshalb manche Pflanzen eben nur gekocht geniessbar sind. Von den vielen natürlichen Inhaltsstoffen der verschiedenen Pflanzen sind manche der Gesundheit förderlich und andere schädlich, aber insgesamt überwiegt natürlich der Nutzen.)



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