FORSCHUNGSSTELLE CERES
ZUR SPANISCHEN RENAISSANCE IM EUROPÄISCHEN KONTEXT

ESCRITURA Y SABER EN EL RENACIMIENTO ESPA
ÑOL



Leitung:


Prof. Dr. Javier Gómez-Montero
Prof. Dr. Folke Gernert

Geschäftsführung:

Dr. Frank Nagel

Wiss. u. assoz. MitarbeiterInnen:


Susanna Hönig
Dr. Franz Obermeier
Dr. Florence Serrano


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Forschergruppe

„Bibliothek als dynamische Enzyklopädie“

Rahmen des romanistischen Beitrags unter Leitung
von Javier Gómez-Montero zum Teilprojekt



„Neusprachliche Literatur in der frühen Kieler Universitätsbibliothek.
Enzyklopädische Ordnungsansätze &
Kanonisierungspraktiken der Kieler Philologie“




Aus den Katalogen und Hinweisen Gottorfer bzw. Kieler Gelehrter geht eine durchaus ansehnliche Präsenz volkssprachlicher Literatur aus den romanischen Ländern in den dortigen Bibliotheken hervor. Der Korpus betrifft nicht nur Werke, die im Sinne einer frühen humanistischen Bildung einschlägig sind (Boccaccio, Vives, antike Autoren in Übersetzung usw.), sondern auch die zeitgenössische Belletristik des ausgehenden 16. und vor allem der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ist vertreten; doch hierbei kann auch unterschieden werden zwischen Unterhaltungsliteratur (Liebes- und Abenteuererzählungen, komische Romane, wie gelegentlich Lyrik und Dramen) und lehrhaften Texten zum Beispiel im Umfeld barocker menippäischer Satire (wie Quevedos Träume / Sueños / Les visions) oder im Kontext politisch-juristischer Literatur wie den Emblem-Büchern eines Diego de Saaveda Fajardo (Empresas políticas / Sinn-Bilder) und eines Philipp Picinelli (Mundus yimbolicus).

In einem ersten Schritt soll dieses Korpus in den relevanten Nuancen erschaffen und in Hinblick auf Herkunft, Leserdispositionen und Bildungsfunktion erfasst und auch gewertet werden. Ein flüchtiger Blick auf den hispanistischen Bestand und erste Stichproben lassen erkennen, dass die Bestände sich am zeitgenössischen Kanon und Geschmack halten; diese Vorarbeiten weisen zugleich ansatzweise auf ein europaweit zusammenhängendes Buchrepertoire und einen europäischen Leseraum hin. Die damit verbundenen Perspektiven in Hinblick auf die weitere Erforschung der Bibliotheksbestände unter Berücksichtigung der Praxis andernorts müssen mit detallierten Untersuchungen erschlossen werden. Zunächst wäre der Frage nach der Präsenz der erwähnten Persönlichkeiten und Werke, sowie der Präsenz von Autoren wie z. B. Cervantes, Góngora, Lope de Vega, Argensola, Ximénez de Enciso, Pérez de Montalbán in anderen zeitgenössischen Bibliotheken im deutschsprachigen Raum (die heute etwa in Wien, München oder Wolfenbüttel aufbewahrt werden) sowie der Frage nach deren Herkunft und Gebrauch nachzugehen, um an und für sich und vergleichend ein möglichst genaues Profil der Zirkulation solcher Werke und des Umgangs mit ihnen im Kontext der Gottorfer und Kieler Bibliotheken zu ermitteln. Selbstverständlich werden französische und italienische Werke wie Autoren herangezogen, um die Tragweite eines solchen europaweiten Zusammenhangs zu prüfen und näher zu bestimmen. Das Desiderat einer solchen Forschungsleistung wird verständlicher, wenn man andere bereits studierte Beispiele bischöflicher und adeliger Bibliotheken in der romanischen Welt betrachtet, deren Bestand gesichert ist (etwa die Bibliothek Hernando Colons, Sohn des Christophorus, in der Kathedrale von Sevilla; die Bibliothek des Diego Sarmiento de Acuña, Conde de Gondomar, Botschafter in London in den 1620ern, in Madrid, sowie die Bibliothek des Bischoffs Juan de Palafox y Mendoza in Puebla / Mexiko von 1646). Gerade in solchen Fällen zeigt sich, dass bestimmte Persönlichkeiten für die Entstehung und Veränderung sowie für Kauf, Gebrauch und Erhalt eines Buchbestandes entscheidend waren. Auch hierin kann die vergleichende Methode Licht in die Gottorfer und Kieler Institutionen bringen.

Ebenfalls eine gesonderte Untersuchung verdient die Bedeutung der Bibliotheca Hispana (Rom 1675) des spanischen Bibliographen Nicolaus Antonius für die Konzeption der Gottorfer und Kieler Bibliotheken, da es sich dabei um das vollständigste bibliographische Repertoire und Kommentar handelt, das die spanische Literatur der frühen Neuzeit erfasst und auswertet. Auch andere in Daniel G. Morhofs „Unterricht“ erwähnte Bibliothekare wie C. Baronius (Rom), P. Lambeck (Wien) und J. Gaffarel bzw. E. Baluze (Paris) müssen in Augenschein genommen werden, um ihre Relevanz für die hiesige Bibliothekslandschaft und die damit verbundenen Studien, Bildungskonzepte etc. herauszustellen.

Speziell soll eine vergleichende Untersuchung von N. Antonius Bibliotheca Hispana zu Morhofs Unterricht und Polyhistor in Bezug auf neusprachige Literatur vorgenommen werden, da sie Aufschluss über die Schleusnerfunktion verspricht, die N. Antonius für die Aufnahme der spanischen Literatur in Morhofs Unterricht ausübte. In gleicher Weise aufschlussreich für die französische Literatur wird die vergleichende Analyse von Baillets Jugement des sçavans sein.

Besondere Aufmerksamkeit wird den Profilen der Wiener Vergleichsbibliotheken sowie die Anschaffungen unter P. Lambeck zuteil. Die romanischen Bestände sollen bearbeitet werden, sodass die für die bibliografischen Werke ermittelten Schleusnerfaktoren mit denjenigen eines realen Bestandes konfrontiert werden können.


Kontake bzw. Berater: Pedro Cátedra in Salamanca, Pierre Civil in Paris (3), Pierre Servet in Lyon (3). Zur Emblemenliteratur: Sagrario López Poza in A Coruña