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Konstruktive Rückmeldung

Wenn Studierende ein Feedback zu den besuchten Seminaren, Kursen oder Vorlesungen geben, nutzt das auch denjenigen, die hinter dem Lehrpult stehen. Mit dem Ziel, die Lehre an der Uni Kiel kontinuierlich zu verbessern, steht ab diesem Wintersemester ein Serviceangebot für die Lehrveranstaltungsevaluation zur Verfügung.

Dozentin in Hörsaal
© Jürgen Haacks, Uni Kiel

Ein voller Hörsaal bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Vorlesung auch interessant und verständlich ist. Mit dem neuen Verfahren zur Evaluation können Studierende ein aussagekräftiges Feedback zur Lehrveranstaltung geben.

Die Evaluation, also die Beurteilung, von Lehrveranstaltungen hatte auch bisher schon einen festen Platz im Semesterablauf. „Allerdings gab es keine einheitlichen Ergebnisse, die wir in der wissenschaftlichen Weiterbildung nutzen konnten, um Dozierende gezielt zu unterstützen“, erklärt Dr. Kristina Fraune von der Stabsstelle Wissenschaftliche Weiterbildung. Das soll sich mit dem neuen System ändern.

Kern ist ein Baukastensystem, das unabhängig von der jeweiligen Veranstaltungsart und dem fachlichen Bezug eingesetzt werden kann. Der Basis-Fragebogen umfasst einerseits 15 Aussagen, die auf einer mehrstufigen Skala von „trifft gar nicht zu“ bis „trifft voll und ganz zu“ zu bewerten sind. Zudem bietet er die Möglichkeit, Stärken und Schwächen der Veranstaltung offen zu beschreiben. „Die Fragen basieren auf den neuesten Erkenntnissen aus der Bildungsforschung, die Aussagen darüber machen, welche Faktoren relevant sind für gelungenes Lehren“, sagt Fraune, die wesentlich an der Einführung der neuen Lehrveranstaltungsevaluation beteiligt ist. Ergänzend können auch fachspezifische oder individuell relevante Fragen hinzugefügt werden, etwa wenn ein neues Lehrkonzept ausprobiert wurde und hierzu eine Rückmeldung erwünscht ist.

Die Fragebogenkonstruktion wurde wesentlich begleitet durch einen wissenschaftlichen Beirat. „Es gab umfangreiche Literaturrecherchen und wissenschaftliche Begleitprojekte, in denen sich die Kritierien herauskristallisierten, die für gute Lehre relevant sind. Und auch die Dozierenden gaben Auskunft darüber, welche Rückmeldung aus ihrer Sicht wichtig ist“, berichtet Maike Wolgast aus dem Qualitätsmanagement. „Wir haben uns für die wissenschaftliche Begleitarbeit entschieden, um einen fundierten Fragebogen zu bekommen. Wir können dadurch gut erklären, warum wir diese Fragen stellen und nicht andere,“ sind Fraune und Wolgast als Expertinnen für Lehrveranstaltungsevaluation überzeugt.

Warum es so wichtig ist, die richtigen Fragen zu stellen, erklärt Fraune an einem Beispiel: „Wenn ich jemanden frage, wie zufrieden waren Sie mit der Veranstaltung, und erhalte zweimal die Antwort ‚zufrieden‘, dann meint der eine vielleicht die Atmosphäre im Kurs, und die andere meint die inhaltliche Vorbereitung des Dozierenden.“ Damit klar ist, unter welchem Aspekt die Frage zu verstehen ist, werden die dazugehörigen Kriterien aufgeführt. Denn je geringer die Unsicherheit ist, desto besser ist der Umgang mit den Ergebnissen.

Sieben Kriterien, die für gute Lehre wichtig sind, enthält der Basis-Fragebogen. Diese sind: Organisation und Struktur, Klarheit und Verständlichkeit, Belastung und Anforderungen, Interesse und Motivierung, kognitive Aktivierung, konzeptionelles Verständnis sowie Unterstützung und Feedback. Zu jedem dieser Punkte sollen zwei Aussagen bewertet werden. Das Kriterium „Interesse und Motivierung“ beispielsweise wird anhand der Aussagen „die Lehrperson gestaltet die Lehrveranstaltung interessant“ beziehungsweise „fördert mein Interesse an den Lerninhalten“ bewertet.

Daraus ergeben sich sehr konkrete Einschätzungen, die eine aussagekräftige Rückmeldung über die Wirkung von Lehrveranstaltungen zulassen. Dozentinnen und Dozenten können daraus Themen identifizieren, für die sie Angebote der Wissenschaftlichen Weiterbildung wahrnehmen wollen. Fraune: „Die Rückmeldungen können eine Möglichkeit sein, ins Gespräch darüber zu kommen, welche Dinge es wert sind, überdacht zu werden. Denn im Endeffekt haben beide Seiten ein Interesse daran, dass die gemeinsam verbrachte Zeit so effizient wie möglich genutzt wird. Und dahingehend soll es helfen.“ Daher soll die Befragung möglichst auch nicht erst am letzten Veranstaltungstag erfolgen, sondern zu Beginn des letzten Drittels. So hätten Dozierende die Gelegenheit nachzusteuern.

Autorin: Kerstin Nees

System für konstruktive Rückmeldung

Die Neugestaltung der Lehrveranstaltungsevaluation ist ein Kooperationsprojekt der Wissenschaftlichen Weiterbildung und des Geschäftsbereichs Qualitätsmanagement der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, unter Begleitung eines Wissenschaftlichen Beirats. Die CAU verfolgt damit das Ziel, die systematische Lehrveranstaltungsevaluation besser und gezielter für die didaktische Begleitung der Lehre zu nutzen. Einheitliche Fragen, Methoden und Abläufe ermöglichen passgenaue Weiterbildungsangebote für die Lehrenden.

Die Befragung der Studierenden erfolgt in einem Online-Verfahren, die Auswertung elektronisch. Die jeweiligen Dozentinnen und Dozenten erhalten umgehend eine Rückmeldung darüber, wie viele Studierende den Fragebogen ausgefüllt haben, wie sie im Mittel geantwortet haben und wo die Maximalwerte liegen. Außerdem enthält der Report die offenen Antworten der Befragten sowie gegebenenfalls eine Empfehlung, in welchem Bereich ein Seminar der Weiterbildung sinnvoll sein könnte.

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