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Ein Museum für den Kieler Nobelpreisträger

Mit seiner Quantentheorie hat Max Planck die Basis für Computer und Smartphones geschaffen. Vor hundert Jahren erhielt der geborene Kieler den Physik-Nobelpreis. Jetzt sollen er und die Quantenphysik ein Museum in seiner Heimatstadt bekommen.

Michael Bonitz
© Julia Siekmann, Uni Kiel

1919 erhielt der Kieler Max Planck den Physik-Nobelpreis. Für ein Museum, das seine Quantentheorie erklärt, setzt sich Michael Bonitz ein.

Wenn ein Auto mit gleichbleibender Geschwindigkeit fährt, lässt sich vorhersagen, wann es an einem bestimmten Punkt ankommt. „In der Mikrowelt der Atome funktioniert das nicht. Hier herrschen völlig andere Gesetze. Elektronen können zum Beispiel an mehreren Stellen gleichzeitig sein“, erläutert Physik-Professor Michael Bonitz, was ihn an der Quantentheorie fasziniert. Ihrem Begründer Max Planck ging es zunächst ganz anders. Er stammte aus einer bürgerlichen Kieler Familie, war konservativ erzogen und begeistert von den physikalischen Theorien, die am Ende des 19. Jahrhunderts galten. Sie zu revolutionieren, hatte Planck keinesfalls vorgehabt. Aber die experimentellen Fakten ließen sich nicht anders erklären: Geradezu schweren Herzens machte er seine Entdeckung, dass Strahlung nicht – wie alle glaubten – kontinuierlich abgegeben wird, sondern in Energiepaketen, sogenannten Quanten.

Fast zwanzig Jahre dauerte es, bis die Fachwelt seine Theorie akzeptierte und er 1919 schließlich den Nobelpreis erhielt. „Ausdauer und Gründlichkeit, das kann man wirklich von Planck lernen“, meint Bonitz. Genauso wie Offenheit für Ergebnisse, die bisherigen Erfahrungen zuwiderlaufen. „Wissenschaft bedeutet auch, herkömmliche Vorstellungen über Bord zu werfen.“ Der Physiker setzt sich für ein Museum in Kiel ein, das sich nicht nur dem Leben Plancks und den Anfängen der Quantentheorie widmet. Es soll auch moderne Entwicklungen der Quantenphysik und die faktenbasierte Arbeitsweise der Wissenschaft vermitteln.

Planck, 1858 in Kiel geboren, kehrte nach seinem Studium in München und Berlin mit 27 Jahren als Professor nach Kiel zurück. 1889 wechselte er nach Berlin. Schleswig-Holstein und seiner Heimatstadt blieb er aber Zeit seines Lebens verbunden. Mit einem eigenen Museum will eine von Bonitz angestoßene Initiative den Kieler Ehrenbürger ins Bewusstsein der Stadt rücken. Erste Exponate sind bereits seit 2013 im Physikzentrum der CAU zu sehen, darunter eine Kopie seiner Nobelpreis-Urkunde, Briefe aus seiner Kindheit und die Wanderausrüstung von Planck, der ein begeisterter Bergsteiger war. Unter anderem mit Unterstützung der Muthesius Kunsthochschule will die Initiative die Sammlung neu gestalten und erweitern.

„Mit so einem Museum könnte unsere Stadt ihren einzigen hier geborenen Nobelpreisträger und sein Werk selbstbewusst präsentieren“, sagt Bonitz. Nicht nur als Angebot für Gäste der Stadt, sondern auch als ein Schaufenster für die Wissenschaft, das Universität und Stadt näher zusammenbringt. Anschauliche Experimente und Computersimulationen sollen die Quantenwelt auch Schülerinnen und Schülern begreifbar machen. „Unsere Pläne gehen über den Unterricht oder trockene Lehrbücher hinaus.“ Interaktive Elemente sollen verdeutlichen, wie Plancks Entdeckung bis heute sowohl die Nanowissenschaften als auch die alltägliche Mikroelektronik etwa in Smartphones bestimmt.

Bonitz zeigt sich zuversichtlich, gemeinsam mit Universität und Stadt dieses Konzept zu verwirklichen und auch passende Räumlichkeiten zu finden. Weitere Unterstützer und Unterstützerinnen sind jederzeit herzlich willkommen.

Autorin: Julia Siekmann

Öffentliche Sammlung zum Leben und Werk von Max Planck. Physikzentrum, Leibnizstraße 13-19. Öffnungszeiten: montags bis freitags 9 bis16 Uhr und nach Vereinbarung. Führungen für Schulklassen und Interessierte auf Anfrage. Eintritt frei

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