Botanischer Garten Kiel feiert 350. Gründungsjubiläum

Jubiläums­programm im Überblick

Programmheft (PDF)

Nur vier Jahre nach der Gründung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) entstand der Botanische Garten Kiel. Johann Daniel Major, 1669 Professor für theoretische Medizin und Botanik an der Uni Kiel, legte ihn in einem Teil des Schlossgartens als einen hortus botanicus, einen Garten für die Lehre an der Universität, an. Nach mehreren Umzügen innerhalb des Kieler Stadtgebietes befindet sich der Botanische Garten seit 1985 in der Leibnizstraße, wo er seither wächst und gedeiht und wertvolle Grundlage gleichermaßen für Forschung, Lehre und Bildung ist.

Anlässlich seiner Gründung vor 350 Jahren finden im Botanischen Garten Kiel über das ganze Jahr zahlreiche Jubiläumsaktionen, bunte und geflügelte Programmpunkte und lehrreiche Veranstaltungen statt. Heute (Mittwoch, 16. Januar) wurde das Jubiläumsprogramm der Öffentlichkeit vorgestellt. CAU-Präsident Professor Lutz Kipp überbrachte die besten Wünsche zum runden Geburtstagsjahr: „Der Botanische Garten ist das grüne Herz der Kieler Universität. Neben seinem besonderen Wert für die Kieler Bevölkerung als Naherholungsort spielt er eine große Rolle für wissenschaftliche Forschungsprojekte zahlreicher Institute der Universität, ist Basis für Lehrveranstaltungen und Ausbildungsangebote und trägt nicht zuletzt zum weltweiten Erhalt der Pflanzenarten bei. Ich freue mich sehr, dass es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gelungen ist, ein umfangreiches Jubiläumsprogramm zusammenzustellen. Damit werden der Botanische Garten Kiel noch sichtbarer und die bisherigen Erfolge gebührend gefeiert!“

Der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, ist Schirmherr des Gartenjubiläums und schloss sich den guten Wünschen an: „Botanische Gärten sind auch deshalb wichtig, weil sie das öffentliche Bewusstsein für die Kostbarkeit unserer Pflanzenwelt schärfen. Als Schirmherr lade ich Sie herzlich ein, den Botanischen Garten Kiel zu entdecken. Es lohnt sich!“

Ein ganzes Jahr Jubiläum

Zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Gartens sei ein umfangreiches Programm mit rund 50 Terminen entstanden, betonte Professor Dietrich Ober, Direktor des Botanischen Gartens: „Für die bewährten Formate wie Freundeskreisvorträge konnten wir Sprecherinnen und Sprecher aus verschiedenen Teilen Europas gewinnen. Diese Vorträge sind anlässlich des Jubiläums in diesem Jahr für die Öffentlichkeit kostenfrei. Hinzu kommen zahlreiche Seminare, Lehrwanderungen und Sonderführungen. In den Seminaren geht es um das praktische Erleben, zum Beispiel wie Stauden fachgerecht vermehrt und Saat fachgerecht geerntet und gelagert werden. In Kooperation mit der Kieler Forschungswerkstatt werden verschiedene Pflanzenoberflächen und auch der Boden erkundet. Bei den Lehrwanderungen, die von Fachleuten geleitet werden, erfahren die große und kleine Gäste viel Interessantes zum Beispiel zu Wasserpflanzen, zu Heil- und Küchenkräutern im Botanischen Garten, aber auch zu heimischen und tropischen Schmetterlingen. Letztere stehen im Mittelpunkt eines der Highlights im Sommer, der Schmetterlingsschau. Diese findet von Juni bis August statt und ermöglicht das hautnahe Erleben dieser eindrucksvollen Insekten. Weitere Highlights sind der Tag der offenen Tür Anfang Juni, der anlässlich des 250. Geburtstages von Alexander von Humboldt in diesem Jahr unter das Thema „Pflanzenjäger“ gestellt wird, die Pilzausstellung im Oktober sowie eine Präsentation des „Project Lighthouse“ an der Fassade des Universitätshochhauses mit vorheriger Abendführung zu ausgewählten Pflanzen auf dem Universitätscampus.

„Da auch der Alte Botanische Garten am Schwanenweg Teil unserer Geschichte ist, freuen wir uns sehr, dass auch Führungen im Bereich des Alten Botanischen Gartens und zu weiteren früheren Standorten Teil unseres Jubiläumsprogramms sind“, stellt Professor Ober heraus. Die erste Großveranstaltung des Jubiläumsjahres ist der Helleborus-Tag im März, wo die Verwandten der Christrose mit einer unerwarteten Vielfalt von Blütenfarben und Blütenformen das Frühjahr einläuten werden.

„Das Programm kann sich wirklich sehen lassen! Nach der mehrmonatigen Vorbereitung freue ich mich sehr darauf, heute in das Jubiläumsprogramm zu starten“, so Professor Ober. Für einige Veranstaltungen ist es erforderlich, dass sich die Gäste zuvor anmelden. Das Programm wird als kleines Heft verteilt, ist jedoch auch online über die Internetseite des Botanischen Gartens einsehbar.

Der Botanische Garten im Überblick

Auf einer Fläche von rund acht Hektar Freiland sowie in sieben Schaugewächshäusern wachsen rund 14.000 Pflanzen. Dazu gehören heimische Pflanzen ebenso wie Pflanzen der Mangroven oder Lianen der Urwälder. Teil dieser Pflanzenfülle sind auch wissenschaftliche Pflanzensammlungen, wie zum Beispiel die insektenfangenden Pflanzen, die Sammlungen von afrikanischen Sukkulenten und von Pflanzen der kanarischen Flora. In diesen werden Pflanzenarten kultiviert, die in ihren heimischen Lebensräumen bereits sehr selten geworden und akut vom Aussterben bedroht sind.

Der Garten selbst ist geographisch nach Regionen angelegt. Im Westen liegt Amerika mit den dort heimischen Pflanzen. Asien liegt am südöstlichen Ende des Gartens. In der Mitte befinden sich Europa und das Alpinum mit den Pflanzen der Hochgebirge der Welt.

Die sieben Schaugewächshäuser beherbergen Pflanzen aus verschiedenen Klimazonen: Beeindruckend grün ist es im warm feuchten Tropenhaus, mit Lianen, Bambus, Bananen, Kakao-, Muskat- und Gewürznelkenbaum oder der bis zur Decke wachsenden Fischschwanzpalme. Noch etwas feuchter ist die Luft im Victoriahaus mit Mangroven und tropischen Wasserpflanzen, darunter die namensgebende Victoria, die größte Seerose der Welt. Auch die Titanenwurz, für die der Botanische Garten berühmt ist, steht hier. Im Nebelwaldhaus herrschen gemäßigte Temperaturen und hohe Luftfeuchte, ideale Bedingungen für Pflanzen aus tropischen Hochgebirgslagen wie Farne oder Riesenschachtelhalme. Das Wüstenhaus Afrikas beherbergt unter anderem eine Vielzahl von Sukkulenten, zu denen auch die als lebende Steine bekannten Mittagsblumengewächse oder der Butterbaum gehören. Eine weitere Besonderheit im Afrikahaus ist die Welwitschie. Sie kann 3.000 Jahre alt werden und besitzt nur ein einziges Blattpaar. Die rund 600 Arten umfassende Kakteen-Sammlung ist im Wüstenhaus Amerika zu finden. Ein mildes Klima kennzeichnet das Subtropenhaus, in dem eine Sammlung von Nutzpflanzen wie Zitrusgewächse, Kaffee und Tee, Kapern, Baumwolle und Sesam, Passionsfrucht und Mate gedeiht. Das Mediterranhaus ist den Pflanzen des Mittelmeergebiets, den Kanarischen Inseln sowie klimatisch entsprechenden Zonen mit trockenen Sommern und milden, regenreichen Wintern in Afrika, Kalifornien, Süd-Chile und Australien gewidmet.

Weitere Informationen:

www.botanischer-garten.uni-kiel.de

Kontakt:

Prof. Dr. Dietrich Ober
Direktor des Botanischen Gartens Kiel
Botanisches Institut und Botanischer Garten
dober@bot.uni-kiel.de 
0431/880-4299

Redaktion:

Claudia Eulitz
Sachgebietsleitung Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation