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Wissenschaft erklären lernen

Uni Kiel verleiht die ersten Zertifikate für Wissenschaftskommunikation

Museen, Ausstellungen, Dokumentarfilme, Erklärvideos, öffentliche Vorträge und Diskussionen sind Formate, die Wissenschaft kommunizieren. Die Schwierigkeit für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler liegt häufig darin, ihre teilweise komplexen Forschungsinhalte so aufzubereiten, dass auch fachfremde Zielgruppen diese verstehen können. Studierende sowie Doktorandinnen und Doktoranden an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) können in einem vom Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) und dem Graduiertenzentrum (GZ) entwickelten Programm lernen, wie erfolgreiche Wissenschaftskommunikation funktioniert und wie sie verantwortlich mit dem Wissenstransfer in die Gesellschaft umgehen sollten. Zurzeit durchlaufen sieben Doktorandinnen und Doktoranden sowie 15 Studierende das qualifizierungsstufen- und fächerübergreifende Programm, das deutschlandweit in seiner Charakteristik einmalig ist.

Am Mittwoch, 6. Februar, konnten Professorin Ilka Parchmann, CAU-Vizepräsidentin für Wissenschaftskommunikation, und Professorin Karin Schwarz, CAU-Vizepräsidentin für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, die ersten Zertifikate Wissenschaftskommunikation an Annika Fediuk, Doktorandin in der Angewandten Geophysik, und Mirco Mührenberg, Masterstudent der Soziologie und der Politikwissenschaft, überreichen. Anlässlich der Verleihung sagte Parchmann: „Wissenschaftskommunikation nimmt einen immer größeren und wichtigen Teil im wissenschaftlichen Alltag ein“. Daher sei es wichtig, jungen Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern frühzeitig in ihrer Karriere die nötigen Kompetenzen mit auf den Weg zu geben, um nach der wissenschaftlichen Qualifizierung eigenständig Themen erfolgreich kommunizieren zu können. „In unserem zwei- bis dreijährigen Zertifikatsprogramm lernen die Teilnehmenden, wie gute Wissenschaftskommunikation funktioniert. Neben dem theoretischen Einführungsmodul haben wir bei der Konzeption des Programms besonderen Wert auf eine große Praxisnähe gelegt“, so Parchmann weiter.

Die Distanz zwischen Universität und Gesellschaft zu überbrücken ist für mich daher auch eine Aufgabe als Wissenschaftlerin.

Annika Fediuk, Doktorandin in der Angewandten Geophysik

Auch Annika Fediuk, Doktorandin in der Angewandten Geophysik, war 2018 Teil der Science Show: „Als ich im größten Saal des Audimax stand, ‚Hallo zusammen’ sagte und von 800 Leuten ein fröhliches ‚Hallo‘ zurückbekam, da habe ich gemerkt, wie sehr ich mich in den letzten Jahren entwickelt habe.“

Heute falle es ihr viel leichter, ihre Forschung auch einem fachfremden Publikum verständlich zu erklären: „Es gibt viele Situationen, in denen ich gute Wissenschaftskommunikation brauche“, sagt Fediuk, die zum Thema Anwendungen von Geoelektrik und Georadar im Flachwasserbereich an der CAU promoviert. „Häufig werde ich bei meiner Arbeit im Feld von Menschen gefragt, was ich dort eigentlich mache. Hier helfen mir die gelernte Theorie und Praxis, mein Thema verständlich rüberzubringen. Die Distanz zwischen Universität und Gesellschaft zu überbrücken ist für mich daher auch eine Aufgabe als Wissenschaftlerin“, so die Doktorandin weiter.

Science Show als Initiator

Die Idee, ein Zertifikatsprogramm für Studierende und Doktorandinnen und Doktoranden mit dem Schwerpunkt „Wissenschaftskommunikation“ zu entwickeln, stammt aus der Praxis: Seit 2010 präsentieren sich junge und angehende Forschende auf der CAU Science Show in kurzen, unterhaltsamen Vorträgen einem breiten Publikum. „Viele der auftretenden Studierenden, Doktorandinnen und Doktorandinnen investieren viel Zeit und Energie in die Vorbereitung einer Präsentation und entwickeln ihre Expertise über die Zeit enorm weiter“, weiß Ulf Evert, Mitinitiator des Zertifikatsprograms, Organisator der Science Show und Programmleiter am ZfS. Darüber hinaus würden junge Forschende nicht selten ihr persönliches Profil weiter ausbauen, indem sie populärwissenschaftliche Texte schreiben oder Videos und Filme mit wissenschaftlichem Inhalt drehen würden.

Aus den praxisnahen Erfahrungen und dem positiven Feedback zur Science Show sei daher die Idee entstanden, dem wissenschaftlichen Nachwuchs an der CAU die Möglichkeit zu geben, sich im Bereich „Wissenschaftskommunikation“ eigenständig weiterzubilden und sich so Schlüsselkompetenzen anzueignen, die im späteren Berufsleben wichtig werden können. Die eigenverantwortliche Entwicklung des persönlichen Portfolios steht dabei im Mittelpunkt: „Jeder Absolvent und jede Absolventin des Programms entwickelt sein oder ihr Profil selbst. Ob Schreiben oder Vortragen, digitale Medien nutzen oder Ausstellungen konzipieren, die Impulse der Einzelnen werden in begleitenden Gesprächen aufgegriffen und wenn möglich berücksichtigt“, erklärt Evert das Konzept hinter dem Zertifikatsprogramm. Die Entwicklung von Handlungsfähigkeit steht ganz oben im Programm“, sagt Wibke Matthes, Leiterin des ZfS. „Das Wichtigste ist für uns, dass die Teilnehmenden sich mit ihrer Rolle und den erlernten Fähigkeiten auseinandersetzen“, so Matthes weiter.

Wissenschaftskommunikation zu lehren ist Teil des Nachwuchsförderkonzepts der CAU

Das drei-stufige Zertifikatsprogramm steht sowohl Studierenden als auch den Doktorandinnen und Doktoranden an der CAU offen: „Promovierende auf die Zukunft vorzubereiten ist Teil unseres Konzeptes zur Nachwuchsförderung an der CAU“, sagt Dr. Sabine Milde, Leiterin des Graduiertenzentrums an der Kieler Universität, an dem Promovierende das Zertifikat erwerben. Da Doktorandinnen und Doktoranden selber forschen, sind sie ganz unmittelbar in der Lage, über das zu berichten, was in der Wissenschaft aktuell passiert: „Eine tiefgehende Identifikation mit der Rolle ‚Wissenschaftskommunikatorin oder Wissenschaftskommunikator‘ kann Teil des verantwortungsvollen und wertschätzenden Umgangs mit dem eigenen Wissen sein. Wer die Rolle selbst übernimmt, kann selbst beeinflussen, was andere von der eigenen Arbeit lernen“, so Milde weiter.

„Die Option, dass sich Doktorandinnen und Doktoranden während der Promotion selbst einen persönlichen Schwerpunkt in ihrer überfachlichen Qualifizierung setzen, kann man nicht hoch genug bewerten“, sagt Vizepräsidentin Schwarz. Seit langem sei offensichtlich, dass die Option einer außerakademischen Karriere für Promovierende einen ebenso starken Stellenwert habe wie die einer akademische Karriere. „Darum unterstützen wir junge Forschende mit Angeboten, die beide Wege bedienen“, so Schwarz weiter.

Nach dem erfolgreichen Aufbau des Zertifikates Wissenschaftskommunikation möchte die CAU als nächstes das Programm „Wissens- und Technologietransfer“ aufbauen. Darin können Promovierende und Promovierte das Profil „Innovationsakteurin/Innovationsakteur“ für sich entwickeln.

Weitere Informationen

"Kurz gesagt":

Annika Fediuk promoviert an der CAU in der Angewandten Geophysik. Ihre Doktorarbeit schreibt sie zum Thema „Anwendung von Geoelektrik und Georadar im Flachwasserbereich". In ihrem Statement "Kurz gesagt" erzählt sie von ihrem Forschungsprojekt.

Mirco Mührenberg studiert an der Uni Kiel Sozialwissenschaften und Politikwissenschaft im Master. In seiner Bachelorarbeit hat er untersucht, welche rassistischen Strukturen sich in der bekannten James-Bond-Filmreihe wiederfinden lassen. In seinem Statement "Kurz gesagt" erzählt er, wie er auf das Thema seiner Arbeit gekommen ist.

Kontakt

Dr. Sabine Milde
Leiterin Graduiertenzentrum (GZ)
0431/880-3218
smilde@gz.uni-kiel.de

Wibke Matthes
Leiterin Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS)
0431/880-1407
matthes@zfs.uni-kiel.de

Pressekontakt

Daniel Mumme
Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation