Kieler Nachwuchswissenschaftler erhält Günter-Bock-Preis

Deutsche Geophysikalische Gesellschaft zeichnet Dr. Wolfgang Szwillus vom Institut für Geowissenschaften für hervorragende Publikation aus

Dr. Wolfgang Szwillus aus dem Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist mit dem Günter-Bock-Preis ausgezeichnet worden. Die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft (DGG) würdigt damit hervorragende wissenschaftliche Publikationen junger Geophysikerinnen und Geophysiker. Szwillus forscht zum inneren Aufbau der Erde, den er durch die Kombination verschiedener geophysikalischer Methoden bestimmen will. Den mit 1.000 Euro dotierten Preis erhält der Geophysiker für einen Artikel über ein statistisches Auswertungsverfahren, mit dem sich anhand aktiver seismischer Daten die Dicke der gesamten Erdkruste abschätzen lässt. Die Auszeichnung hat Szwillus heute (Montag, 1. März) zum Auftakt der 81. Jahrestagung der DGG virtuell entgegengenommen.

Szwillus Arbeit zeichnet sich durch eine breite Interdisziplinarität aus und bezieht in statistische Berechnungen Datensätze mehrerer Disziplinen mit ein, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten und Unsicherheiten besser beurteilen zu können. „Das ist ein richtungsweisender Ansatz, der in Zukunft noch einen erheblich breiteren Raum bei der Datenverarbeitung und -interpretation in der Geophysik einnehmen wird. Er trägt auch dazu bei, einschlägige Verfahren des ‚Machine Learnings‘ vorzubereiten und zu unterstützen“, hieß es in der Laudatio. Szwillus‘ ausgezeichnete Veröffentlichung erschien 2019 im Journal of Geophysical Research: Solid Earth und ist Teil seiner Dissertation. Der Artikel wurde von der Redaktion als „Editors‘ Highlight“ hervorgehoben und als wichtige Grundlage für viele Fragestellungen der Geophysik zur Dynamik der Erde bezeichnet.

Während sich Szwillus in seiner Dissertation in erster Linie mit der Lithosphäre beschäftigt hat, also den oberen 200 Kilometern des Erdinneren, geht es in seiner aktuellen Forschung um den darunterliegenden unteren Erdmantel. „Dieser Bereich im Erdinneren ist nach wie vor in vieler Hinsicht rätselhaft“, sagt Szwillus. Schon lange bekannt ist, dass unterhalb von Afrika und dem Pazifik in etwa 2.500 km Tiefe ausgedehnte Bereiche existieren, in denen sich seismische Wellen langsamer ausbreiten. Sie wurden mit aufsteigendem, heißen Material in Verbindung gebracht, das in den letzten 250 Millionen Jahren zu extremen Vulkanausbrüchen geführt haben könnte. „Aber ob die reduzierte Geschwindigkeit der Wellen an bloßen Temperaturunterschieden liegt oder ob diese Bereiche auch eine anormale chemische Zusammensetzung haben, ist noch unklar“, so Szwillus. Dem möchte der Geophysiker nachgehen, in dem er existierende seismologische Ergebnisse, die auf der Auswertung von Erdbebenwellen beruhen, mit Satellitenmessungen des Schwerefeldes der Erde kombiniert. „Besonders wichtig ist mir dabei die Entwicklung von neuartigen Verfahren, die die jeweiligen Stärken von Seismologie und Schwerefeld optimal ausnutzen“, beschreibt Szwillus eines seiner Ziele, das er im Rahmen des Living Planet Fellowship-Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA verfolgt.

Über den Preisträger
Dr. Wolfgang Szwillus studierte an der CAU den Bachelorstudiengang „Physik des Erdsystems“, 2014 schloss er in Kiel den Masterstudiengang Geophysik ab. Anschließend promovierte er bei Professor Jörg Ebbing am Institut für Geowissenschaften zum Thema der „Bestimmung der lithosphärischen Struktur mithilfe von Satellitenmessungen des Schwere- und Magnetfeldes“. Seit 2019 ist er Teil des „Living Planet-Fellowship“-Programms der ESA (European Space Agency). Mit der Europäischen Weltraumorganisation kooperiert er auch im Projekt „3D-Earth“, in dem er als Teil eines internationalen Forschungsteams an der Erstellung eines dreidimensionalen Modells der Erdkruste und des oberen Mantels der Erde mitgearbeitet hat.

Über den Günter-Bock-Preis
Seit 2006 verleiht die Deutsche Geophysikalische Gesellschaft e.V. (DGG) den Günter-Bock-Preis an junge Geophysikerinnen und Geophysiker für eine hervorragende wissenschaftliche Publikation, die sich durch wissenschaftliche Originalität, Qualität der Ergebnisse und Gestaltung auszeichnet. Es muss sich um eine der ersten Publikationen des Autors oder der Autorin handeln, die von ihm oder ihr als alleiniger Autor oder Erstautor bzw. alleinige Autorin oder Erstautorin auf dem Gebiet der Geophysik veröffentlicht wurde. Mit dem Preis erinnert die DGG an ihr langjähriges Mitglied und den ehemaligen DGG-Editor des Geophysical Journal International Günter Bock, der 2002 tödlich verunglückte. Gestiftet wurde der Preis durch die Geschwister des Verstorbenen. Die DGG wurde 1922 von einer Gruppe von Wissenschaftlern um den Seismologen Emil Wiechert in Leipzig gegründet. Sie hat heute rund 1.200 Mitglieder in über 30 Ländern weltweit. Amtierende Präsidentin der DGG ist die Kieler Geophysikerin Prof. Dr. Heidrun Kopp (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel/ CAU).
www.dgg-online.de

Portrait
© privat

Dr. Wolfgang Szwillus vom Institut für Geowissenschaften ist mit dem Günter-Bock-Preis der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft ausgezeichnet worden.

Wissenschaftliche Skizze der Erde
© Wolfgang Szwillus

Äquatorialer Schnitt durch den Erdmantel. Die Farben geben die Geschwindigkeiten von seismischen Wellen an, wobei rote Farben langsamen Geschwindigkeiten entsprechen und blaue Farben schnellen. Besonders gekennzeichnet sind die LLVP (Large Low Velocity Provinces), zwei ausgedehnte Bereiche oberhalb der Kern-Mantel-Grenze mit reduzierten Geschwindigkeiten.

 

Wissenschaftlicher Kontakt:

Dr. Wolfgang Szwillus
Institut für Geowissenschaften, CAU
0431 / 880-5795
wolfgang.szwillus@ifg.uni-kiel.de

Pressekontakt:

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation