Forschungsteam entwickelt Öko-Label für Güterverkehr

Gemeinsames Forschungsprojekt der Uni Halle und Uni Kiel

Mit einem neuen Bewertungssystem lassen sich die Klimafolgen von Transportdienstleistungen erstmals transparent bewerten. Entwickelt wurde es gemeinsam von Wirtschaftswissenschaftlern der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Im Journal of Industrial Ecology beschreibt das Team die Details für ein solches Verfahren. Die Bewertung basiert auf der ausgestoßenen Menge an Treibhausgasen, die eine Sendung auf ihrem Transportweg verursacht. Etwa 14 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen pro Jahr gehen auf den Personen- und Güterverkehr zurück.

„Der Ansatz eignet sich grundsätzlich für alle Verkehrsträger, so auch für die für Schleswig-Holstein sehr bedeutenden Schiffsverkehre“, sagt Frank Meisel, CAU-Professor am Institut für Betriebswirtschaftslehre, der gemeinsam mit seinem Doktoranden Arne Heinold Ko-Autor der Studie ist. Denn den CO2-Fußabdruck für eine Güterlieferung zu berechnen, ist gar nicht so einfach. In der Regel besteht ein Transportprozess aus mehreren Teilschritten und auf den jeweiligen Teilstrecken kommen unterschiedliche Verkehrsmittel zum Einsatz, etwa Zug, Schiff, Flugzeug oder LKW. Weiterhin kommt es zum Beispiel darauf an, wie und womit die Transportmittel beladen sind oder ob Leerfahrten ohne Fracht durchgeführt werden. Schließlich können die transportierten Güter selbst sehr unterschiedlich sein, vom Stahlträger bis zur Dose Tomaten. „Das alles macht es schwierig, verschiedene Transportoptionen für unterschiedliche Güter miteinander zu vergleichen. Im Bereich der Transportdienstleistungen steckt aber ein großes Potenzial zur Emissionseinsparung“, sagt Dr. Thomas Kirschstein, Privatdozent an der MLU und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW in Leipzig. Je länger Güter zum Beispiel über Schienen und nicht auf Straßen transportiert werden und je weniger Leerfahrten es gibt, desto besser ist typischerweise die Klimabilanz.

Neues Bewertungssystem schafft Transparenz

Bisher mangelt es im Güterverkehr jedoch an Transparenz in Bezug auf die Umweltverträglichkeit. Die Angebote, die Speditionen und Verladende erhalten, weisen in der Regel lediglich den Preis für eine Transportdienstleistung aus, aber nicht deren Einfluss auf das Klima. Hier setzt das vom Forschungsteam der MLU und der Uni Kiel neu entwickelte Labelsystem an: Auf Basis typischer Größen von Transportaufträgen, wie Sendungsgewicht und -volumen, sowie genutzter Verkehrsmittel, zum Beispiel deren Auslastung, Fahrtrouten und Emissionswerten, schlägt das Team eine einheitliche und vergleichbare Bewertungsgröße für die Klimabilanz von Transportprozessen vor. In Kombination mit geeigneten Referenzwerten erarbeiteten die fünf Forscher eine Farbskala von grün bis dunkelrot, an der sich auf einen Blick einschätzen lässt, ob die gewählte Option mehr oder weniger umweltverträglich ist. „Damit erhalten Spediteure eine einfache visuelle Entscheidungsgrundlage, um aus verschiedenen Transportoptionen die klimafreundlichste auswählen zu können“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Professor Christian Bierwirth von der MLU.

Das System wurde in Anlehnung an eine bereits existierende DIN-Norm zur Berechnung von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen für Transportdienstleistungen (DIN EN 16258) entwickelt. Das neue Label ist vor allem für Geschäftskundschaft gedacht. Es ist jedoch auch denkbar, ein ähnliches Verfahren für den Privatbereich zu etablieren. „Es kann zum Beispiel einen großen Unterschied machen, ob ich meine Paketlieferung als Express-Zustellung per Kurier erhalte oder im Rahmen einer größeren Liefertour. Als Kunde fehlen einem hierfür jedoch die Informationen bezüglich der dabei jeweils verursachten Emissionen“, sagt Thomas Kirschstein abschließend.

Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Förderzeichen 268276815).

Originalmeldung der MLU

Schiffe auf einer Wasserstraße
© Friederike Balzereit, Uni Kiel

Ein Forschungsteam der Uni Halle und Uni Kiel entwickelte gemeinsam ein Bewertungssystem, um Klimafolgen von Transportdienstleistungen erstmals transparent zu bewerten. „Der Ansatz eignet sich grundsätzlich für alle Verkehrsträger, so auch für die für Schleswig-Holstein sehr bedeutenden Schiffsverkehre“, sagt Frank Meisel, CAU-Professor am Institut für Betriebswirtschaftslehre, der gemeinsam mit seinem Doktoranden Arne Heinold Ko-Autor der veröffentlichten Studie im Journal of Industrial Ecology ist.

Originalpublikation:

Kirschstein T., Heinold A., Behnke M., Meisel F., Bierwirth C (2022). Eco-labeling of freight transport services: Design, evaluation, and research directions. Journal of Industrial Ecology.
DOI: 10.1111/jiec.13259

Wissenschaftlicher Kontakt (MLU):

PD Dr. Thomas Kirschstein
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
Bereich Wirtschaftswissenschaften
thomas.kirschstein@wiwi.uni-halle.de

Wissenschaftlicher Kontakt (CAU):

Prof. Dr. Frank Meisel
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU)
Institut für Betriebswirtschaftslehre
meisel@bwl.uni-kiel.de

Pressekontakt (MLU):

Tom Leonhardt
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)
Stabsstelle Zentrale Kommunikation
tom.leonhardt@rektorat.uni-halle.de
0345/55-21438

Pressekontakt (CAU):

Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing der Kieler Universität
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation