Vortrag im Zoologischen Museum: „Mit Darwin gegen die Antibiotikakrise“

CAU-Professor Hinrich Schulenburg stellt als Gast der Möbius-Gesellschaft aktuelle evolutionsbasierte Forschungsansätze zur Hemmung von Antibiotikaresistenzen vor

Am kommenden Mittwoch, 4. Mai, steht eine Abendveranstaltung zu einem besonders aktuellen Thema auf dem Programm des Zoologischen Museums Kiel an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU): Ab 19 Uhr lädt die Karl-August-Möbius-Gesellschaft als Förderverein des Zoologischen Museums gemeinsam mit dem Forschungsschwerpunkt „Kiel Life Science“ (KLS) zu einem öffentlichen Vortrag des Evolutionsbiologen Professor Hinrich Schulenburg unter dem Titel „Mit Darwin gegen die Antibiotikakrise“ ein.

Unter dem Begriff „Antibiotikakrise“ wird ein dringendes Problem für die öffentliche Gesundheit zusammengefasst, das bis heute nur unzureichend in Öffentlichkeit und Medizin wahrgenommen wird: Es geht um die schnelle Zunahme von Resistenzen vieler Krankheitserreger gegen antibakterielle Medikamente infolge der jahrzehntelangen Übernutzung von Antibiotika. In naher Zukunft könnte diese Entwicklung dazu führen, dass eigentlich harmlose Bakterieninfektionen nur noch schwer oder gar nicht mehr behandelbar sein werden und erneut zu den häufigsten nicht-natürlichen Todesursachen zählen könnten.

Vielversprechende Ansätze gegen diese bedrohliche Entwicklung könnte die Evolutionsforschung liefern, die mit Charles Darwins Arbeiten zum Ursprung der Artbildung in der Natur im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm. So wie sich alle Lebewesen über die Zeit an Veränderungen in ihrer Umwelt anpassen, beruht auch die Evolution von Antibiotikaresistenzen auf dieser Fähigkeit: Krankheitserregern gelingt eine solche Anpassung allerdings besonders schnell, so dass sie die Wirkungsweise von Medikamenten rasch umgehen können. Grundsätzlich geht die Evolutionstheorie davon aus, dass diese Anpassung schwieriger ist, wenn sich wiederum die Umweltbedingungen ebenfalls schnell verändern.

Ausgehend von diesen Grundlagen verfolgen Forschende unter anderem im Kiel Evolution Center (KEC) und seinen Partnerinstitutionen verschiedene Strategien, die die Resistenzevolution der Krankheitskeime einschränken und das Spektrum wirksamer Antibiotika bewahren sollen. Dazu zählen zum Beispiel die sogenannte sequenzielle Antibiotikatherapie, bei der in kurzer Zeit zwischen verschiedenen Antibiotika gewechselt wird, oder das Prinzip der sogenannten kollateralen Sensitivität, bei der die Ausbildung einer Resistenz gegenüber einem Antibiotikum den Krankheitserreger gleichzeitig anfällig gegenüber einem anderen Wirkstoff macht.

„Der Evolutionsbiologe Schulenburg wird in seinem anschaulichen Vortrag darstellen, wie solche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung künftig in nachhaltige Therapieansätze übertragen werden könnten. So liefert er Einblicke, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Kieler Hotspot der Evolutionsforschung dazu beitragen, die Antibiotikakrise mit den Mitteln der Evolutionsforschung zu bekämpfen“, kündigt Gastgeber Professor Thomas Bosch an, der als KLS-Schwerpunkt-Sprecher und Vorsitzender der Möbius-Gesellschaft zu diesem Vortragsabend einlädt.

„Wir freuen uns sehr, in unserem Haus neben dem naturkundlichen Angebot auch ein Schaufenster für hochaktuelle und gesellschaftlich relevante Entwicklungen aus der Grundlagenforschung öffnen zu können“, betont PD Dr. Dirk Brandis, Leiter des Museums. „Zugleich möchten wir mit Veranstaltungen wie dieser für die Möbius-Gesellschaft werben, die einen unverzichtbaren Beitrag für den Betrieb und Erhalt unseres Museums leistet“, so Brandis.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Was:         Öffentlicher Vortrag Prof. Schulenburg „Mit Darwin gegen die Antibiotikakrise“
                         mit anschließendem Empfang

     
  • Wann:      Mittwoch, 04. Mai, 19:00 Uhr
     
  • Wo:           Zoologisches Museum Kiel
                        Hegewischstr. 3, 24105 Kiel

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Thomas Bosch,
Sprecher Kiel Life Science (KLS), CAU & Vorsitzender der Möbius-Gesellschaft,
0431-880-4170
tbosch@zoologie.uni-kiel.de

PD Dr. Dirk Brandis
Leitung Zoologisches Museum Kiel, CAU
0431-880-5170
brandis@zoolmuseum.uni-kiel.de

Portraitbild eines Mannes
© Gunnar Dethlefsen/EvoLUNG

CAU-Professor Hinrich Schulenburg stellt in seinem Vortrag aktuelle evolutionsbasierte Forschungsansätze im Kampf gegen die Antibiotikakrise vor.

Weitere Informationen:

Über die Karl-August-Möbius Gesellschaft:

Die Karl-August-Möbius-Gesellschaft zur Förderung des Zoologischen Museums der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel e.V. ist der Förderverein des Zoologischen Museums. Die Gesellschaft unterstützt das Kieler Museum in seinen Arbeiten, sie fördert seine Einrichtungen, Bauten und Projekte sowie Ausstellungs-, Sammlungs- und Forschungsvorhaben. Sie zielt darauf ab, Interesse für die Sammlungen des Zoologischen Museums Kiel zu wecken und Verständnis für die Bedeutung der zoologischen Wissenschaft, insbesondere in den Bereichen Evolution und Meeresforschung, zu fördern.

Pressekontakt:

Christian Urban
Wissenschaftskommunikation
„Kiel Life Science", CAU
0431-880-1974
curban@uv.uni-kiel.de