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Die Kieler Professorenschaft seit 1665

Wann wandelte sich der Professorentypus vom Universalgelehrten zum modernen Wissenschaftler? Dieser Leitfrage widmet sich die aktuelle Studie „Sozialgeschichte der Kieler Professorenschaft 1665-1815“ von Dr. Swantje Piotrowski, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Historischen Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Auf der Grundlage von insgesamt 183 Professorenbiographien verbindet die Autorin sozialgeschichtliche Forschung mit Fragen der Kieler Universitätsgeschichte.

Von der voruniversitären Bildung über das Studium bis zu einzelnen akademischen Stationen analysierte Piotrowski erstmals, welchen Einfluss die regionale wie auch soziale Herkunft der in diesem Zeitraum ausschließlich männlichen Professoren auf den Verlauf ihrer Karrierewege nahm. Außerdem flossen in ihre Untersuchungen auch die verwandtschaftlichen Verflechtungen und gesellschaftliches Engagement innerhalb der Kieler Stadtgesellschaft ein. So war beispielsweise Heinrich Muhlius, ordentlicher Professor der Theologie (1666-1733) fest in die zahlreichen sozialen wie institutionellen Netzwerke, die an der Kieler Hochschule, in der Stadt und am Gottorfer Hof bestanden, fest eingebunden. Mit nur 31 Jahren übernahm er neben seiner Kieler Professur die öffentlichen Ämter als herzoglicher Generalsuperintendent, Oberhofprediger, Oberkonsistorialrat und Probst in Schleswig. Zusammen mit Magnus von Wedderkop übte er seit 1706 das Amt des ständigen Visitators und Inspektors der Kieler Universität aus. Sein Sohn, der 1702 in Schleswig geborene Friedrich Gabriel Muhlius (1702-1776), war Gründer und Stifter des Kieler Waisenhauses auf dem Damperhofgelände. Seine Schwester, Margaretha Muhlius, heiratete den seit 1709 als ordentlicher Professor der Theologie tätigen Albert zum Felde (1675-1720). Ihre Tochter, Elisabeth Margaretha zum Felde, heiratete den Professor der Theologie Johann Lorenz von Mosheim (1693-1755). „Die Gesamtdarstellung eröffnet der künftigen Forschung neue Perspektiven für den tiefgreifenden Wandel der Institution Universität im 18. Jahrhundert“, ist sich die Historikerin Swantje Piotrowski sicher.

Alle bibliographischen Informationen zu den insgesamt 183 Professoren zwischen 1665 und 1815 können ab dem 15. März 2019 auch ganz bequem online über das Portal „Kieler Gelehrtenverzeichnis“ unter www.cau.gelehrtenverzeichnis.de abgerufen werden. Das langjährige Forschungsprojekt bietet bereits seit 2015 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie der interessierten Öffentlichkeit die Gelegenheit, sich über die Viten und akademischen Werdegänge von knapp 1.150 Kieler Professorinnen und Professoren, die an der Uni von 1919 bis 1965 tätig waren, zu informieren. Mit der aktuellen Erweiterung der frühneuzeitlichen Quellen- und Porträtsammlung nähert sich das Projekt dem Ziel einer umfassenden und vollständigen Darstellung der Kieler Professorenschaft schrittweise an und liefert somit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Universitäts- und Kulturgeschichte, der Kieler Stadtgeschichte sowie der gesamten Region. In einem dritten Schritt soll die Lücke zwischen 1815 und 1919 geschlossen werden.

Originalpublikation:

Sozialgeschichte der Kieler Professorenschaft 1665-1815. Gelehrtenbiographien im Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Qualifikation und sozialen Verflechtungen. Dr. Swantje Piotrowski. Kieler Schriften zur Regionalgeschichte, Bd. 2, Kiel 2018

Kontakt:

Dr. Swantje Piotrowski
Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
0431/880-3401
s.piotrowski@email.uni-kiel.de

Karen Bruhn
Historisches Seminar der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Abteilung für Regionalgeschichte
0431/880-4756
k.bruhn@email.uni-kiel.de