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Corona-Pandemie: 2-Millionen-Sofortprogramm für die digitale Lehre

Sommersemester soll stattfinden – Präsidium schnürt Millionenpaket für die digitale Lehre – Unterstützungsgruppe für digitale Lehre eingerichtet – Studentische Mitwirkung gewünscht – Weitere Investitionen in digitale Infrastruktur erforderlich

Wegen der Corona-Pandemie stehen Hochschulen bundesweit vor der Aufgabe, das Sommersemester 2020 auf die digitale Lehre umzustellen. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) sind davon fast 27.000 Studierende, 2000 Lehrende und 2000 Module in über 190 Studiengängen betroffen. Mit einem 2-Millionen-Sofortprogramm zum Ausbau der digitalen Lehre soll der Lehrbetrieb an der schleswig-holsteinischen Landesuniversität in den kommenden Monaten sichergestellt werden. Lehrende werden bei der Umstellung ihrer Lehre auf digitale Lernformate unterstützt. Dafür werden Personalressourcen aufgestockt und umgeschichtet. Technische Infrastrukturen für die Online-Lehre werden ausgebaut. Für die Umsetzung wird eigens eine Unterstützungsgruppe eingerichtet.

„Schon heute haben wir mit unserem eLearning-Service und unserem Lehrqualitätsentwicklungsprogramm sehr engagierte Unterstützung“, erklärte CAU-Vizepräsidentin Professorin Ilka Parchmann am Dienstag, 24. März, in Kiel. Viele Lehrende würden bereits ihre Veranstaltungen digital abbilden. Man wisse aber, dass der Erfahrungsstand bei der Nutzung digitaler Elemente in der Lehre bisher sehr unterschiedlich sei, so die Chemiedidaktikerin. Jetzt gehe es darum, diese vorhandenen Strukturen und Möglichkeiten möglichst schnell auf möglichst viele Lehrende und Lehrveranstaltungen auszuweiten. „Um das nun für uns alle ganz andere Sommersemester umzusetzen, brauchen wir nicht nur Unterstützung, sondern auch Zusammenarbeit. Damit haben viele Fächer und die Kolleginnen und Kollegen dort bereits begonnen. Deshalb sind wir sehr zuversichtlich, dass wir den Semesterstart realisieren können.“

2-Millionen-Sofortprogramm für die digitale Lehre

Die Corona-Pandemie und damit verbundene Eindämmungsmaßnahmen haben erhebliche Konsequenzen für die Lehre auch an der CAU. Bis vorerst 19. April sind alle Präsenz-Lehrveranstaltungen abgesagt. Ein Großteil der Prüfungen wird verschoben. Um den damit verbundenen Lehrausfall auszugleichen, werden derzeit bestehende digitale Lehr-Lernformate ausgebaut. Bereits 2019 hat das Präsidium damit begonnen, bestehende Initiativen im Bereich digitaler Lehre zu strukturieren und neue Konzeptideen zu erarbeiten. Dazu gehörte auch die Vorbereitung eines CAU-internen Förderprogramms „Digitales Lehren und Lernen an der CAU“. Dieses Programm wird nun vorgezogen. Das Präsidium stellt dafür ein Sonderbudget in Höhe von 2 Millionen Euro aus Rücklagen des Hochschulpaktes zur Verfügung. Das Programm hat zunächst eine Laufzeit von vier Semestern bis zum 31. März 2022. „Wir hoffen, dass die Fakultäten und Fächer diese Initiative mit eigenen Mitteln flankieren“, sagte CAU-Kanzlerin Claudia Ricarda Meyer.

Die Unterstützung wird als Projektfonds gewährt. Mit dem Geld können zum Beispiel zusätzliche studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte befristet in Arbeitsgruppen eingestellt und in die Umsetzung der digitalen Lehre eingebunden werden. Alternativ können externe Dienstleister beauftragt oder vorhandene digitale Lehrmaterialien beschafft werden. Ziel ist es, eine Bandbreite an digitalen Formaten für die Vielfalt der Studiengänge, der Lehrziele und der Voraussetzungen der Studiengänge an der CAU aufzubauen. Dazu zählt zum Beispiel, Vorlesungen aufzuzeichnen, Seminarinhalte zu streamen und gemeinsam zu bearbeiten oder interaktive Chats und Videokonferenzen zu ermöglichen. Geplant sind außerdem eine Weiterbildungsoffensive über digitale Tutorials und die Bereitstellung von Good practice-Anregungen für andere Lehrende.

Unterstützungsgruppe für digitale Lehre eingerichtet

Um möglichst schnell möglichst viele Lehrende an der CAU in die Lage zu versetzen, ihre Lehrveranstaltungen online abzuhalten, hat die CAU eigens eine Unterstützungsgruppe eingerichtet. Ihr gehören neben dem Präsidium und den Studiendekanen der Fakultäten das Rechenzentrum und der Bereich Akademische Angelegenheiten, das Projekt erfolgreiches Lehren und Lernen (PerLe) sowie der Bereich eLK.Medien – e-Learning Koordination und Neue Medien an. Die Zusammenarbeit von PerLe und eLK.Medien verbindet dabei die mediendidaktische mit der technischen Beratung. Aus allen Fakultäten haben sich bereits Lehrende für eine dezentrale Unterstützung gemeldet. Die Akteure sollen das Sofortprogramm umsetzen. Sie bringen dafür ihre jeweilige Expertise ein und beraten Lehrende aller Fakultäten ganzheitlich technisch, mediendidaktisch und rechtlich bei der Umstellung ihrer Lehre auf Online-Angebote.

Beratung und Unterstützung für Lehrende

Die Mitglieder der Unterstützungsgruppe beraten Lehrende und helfen ihnen bei der Umstrukturierung bisheriger Angebote. Dies beinhaltet Empfehlungen, die Selbstlernphasen der Studierenden zu unterstützen und kollaborative Arbeitsprozesse zu ermöglichen wie zum Beispiel gemeinsame Schreibprozesse oder Gruppenarbeit in Projekt-und Forschungsprozessen. Für Lehrkräfte mit wenig Erfahrung in der Online-Lehre werden Einzelberatungen und maßgeschneiderte Qualifizierungen nach Bedarf für die Vorbereitung von Lehrveranstaltungen angeboten. Weiterhin bietet das Fortbildungsprogramm im Sommersemester mediendidaktische Unterstützung zur Entwicklung von Lernszenarien und dem Einsatz digitaler Tools in der Lehre. 

Studentische Mitwirkung bei der Gestaltung der digitalen Lehre erwünscht

„Die Corona-Pandemie hat schon nach kurzer Zeit eine unglaubliche Dynamik innerhalb der Universität im Bereich des digitalen Lernens entfaltet. Es wäre schön, wenn diese besondere Situation zur produktiven Zusammenarbeit von Lehrenden und Studierenden beitragen würde. Wenn Lehrende und Studierende unsere Pläne gemeinsam umsetzen, so hoffen wir, können nicht nur alle von den sicher verschiedenen digitalen Fähigkeiten in ihren Modulen profitieren. So kann vielleicht zumindest in einigen Fällen der Verlust eines verloren gegangenen Nebenjobs anteilig durch eine neue Tätigkeit als studentische Hilfskraft kompensiert werden“, so Parchmann.  

Investitionen in die digitale Infrastruktur erforderlich

„Neben der Entwicklung inhaltlicher Konzepte für eine flächendeckende digitale Lehre an der CAU ist bereits absehbar, dass erhebliche Investitionen in die digitale Infrastruktur erforderlich sind. Die Systeme sind bisher kaum für eine so hohe Zahl an parallelen Nutzerinnen und Nutzern ausgelegt. Wir hoffen in diesem Zusammenhang auf konstruktive Gespräche mit dem Land im Zuge der laufenden Verhandlungen über den Zukunftspakt“, sagte Unikanzlerin Claudia Ricarda Meyer.

Pressekontakt

Dr. Boris Pawlowski
Pressesprecher