Naturwissenschaft & Mathematik

Nachruf auf Hilmar Lemke

von Professor Stefan Rose-John, geschäftsführender Direktor des Biochemischen Instituts

Am 8. März verstarb Prof. Dr. rer. nat. Hilmar Lemke, ehemaliger Wissenschaftler am Biochemischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Seine Erkenntnisse zum monoklonalen Antikörper Ki-67 und zu dem Einfluss des mütterlichen Immunsystems auf die leiblichen Kinder waren wegweisend.

Geboren am 18. März 1940 in Falkenburg in Pommern (heute Złocieniec, Polen) wuchs Hilmar Lemke im schleswig-holsteinischen Bargteheide auf. Nach seinem Abitur in Bad Bramstedt im Jahre 1959 und dem anschließenden Wehrdienst studierte er Mikrobiologie an den Universitäten Kiel und Freiburg. Seine Doktorarbeit fertigte er am Hygiene-Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an. Danach setzte Hilmar Lemke seine wissenschaftliche Ausbildung an den Universitäten Frankfurt, Hannover und Bern sowie am Karolinska Institut in Stockholm fort. Nach einem Aufenthalt von 1976 bis 1980 als wissenschaftlicher Assistent bei Professor Klaus Rajewsky am Institut für Genetik der Universität Köln wechselte er 1980 an das Biochemische Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wo er sich 1988 habilitierte. Hier wirkte er als außerplanmäßiger Professor bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005.

Anfang der 1980er Jahre hat Hilmar Lemke in einem von der Deutschen Krebshilfe geförderten Projekt monoklonale Antikörper gegen Hodgkin- und Sternberg/Reed-Zellen des Morbus Hodgkin hergestellt. Im Laufe dieses Projekts wurde der Antikörper Ki-67 hergestellt, der ein Antigen erkennt, das ausschließlich im Kern proliferierender Zellen, nicht aber ruhender Zellen, vorkommt. Der Antikörper Ki-67 (Ki steht für Kiel) wird bis heute zur Bestimmung der Malignität menschlicher Tumoren weltweit eingesetzt. Der Suchbegriff "Ki-67" erzielt in der biomedizinischen Datenbank PubMed mehr als 36.000 Treffer.

Ein weiterer, wichtiger Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Arbeiten war der Einfluss von Antikörpern der Mutter auf das Immunsystem ihrer Nachkommen. Er fand heraus, dass die in der Muttermilch befindlichen Antikörper bei den gestillten Nachkommen einen Schutz vor mikrobiellen Eindringlingen sowie eine allergenspezifische Protektion vor Allergien bewirken. Unter pathologischen Umständen kann es allerdings auch zu einer Weitergabe von Autoimmunerkrankungen an die nachfolgende Generation kommen. Die mütterlichen Antikörper können einen lebenslangen Einfluss auf das Immunverhalten der Nachkommen haben, wobei es sich um eine nicht genetisch verursachte Vererbung von Eigenschaften der Mutter auf ihre Nachkommen handelt. Hilmar Lemke spekulierte, dass dieser Mechanismus für eine epidemiologische Risikoabschätzung von weltweit verbreiteten Virusepidemien wichtig sein könnte.

Auch nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand im Jahr 2005 schrieb er zahlreiche Veröffentlichungen und Übersichtsartikel. Er war weiterhin regelmäßig am Biochemischen Institut anwesend und bereicherte als wertvoller Diskussionspartner Institutsseminare und Institutsfeiern.

Hilmar Lemke war es immer wichtig, die Position der biochemischen und immunologischen Grundlagenwissenschaften in zahlreichen Vorträgen, zum Beispiel bei der Schleswig-Holsteinischen Universitätsgesellschaft, in der Öffentlichkeit zu erläutern und darzustellen.

Die Kieler Universität, die Medizinische Fakultät und die Mitglieder des Biochemischen Instituts haben mit Hilmar Lemke einen geschätzten akademischen Lehrer und eine große Persönlichkeit der deutschen Biochemie und Immunologie verloren. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Professor Hilmar Lemke telefoniert an seinem Schreibtisch.
© Biochemisches Institut

Professor Hilmar Lemke an seinem Arbeitsplatz.

Kontakt

Prof. Dr. Stefan Rose-John
Biochemisches Institut
 0431/880-3336
 rosejohn@biochem.uni-kiel.de
www.uni-kiel.de/Biochemie