Internationale Fachkräfte für die Energiewende ausbilden

EU-gefördertes Promotionsprogramm zur Entwicklung neuer Windkraftanlagen trifft sich in Kiel

Für die Umsetzung der Energiewende braucht es innovative technische Lösungen, entwickelt von gut qualifizierten Fachleuten. Eine hochkarätige, länderübergreifende Ausbildung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist das Ziel des EU-Projektes „WinGrid“. Das Promotionsprogramm vermittelt aktuelle Erkenntnisse aus Wissenschaft und Wirtschaft, um zuverlässige und effiziente Windkraftanalagen zu entwickeln und zu bauen. Neben Universitäten und Industriepartnern aus Dänemark, England, den Niederlanden, Irland und Israel ist die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) als einzige Hochschule Deutschlands beteiligt. Noch bis morgen, 7. Juli treffen sich in Kiel Promovierende aus aller Welt für einen mehrtägigen Workshop mit Vorträgen, Praxisübungen und Unternehmensbesuchen. Das Programm wird als Marie Skłodowska-Curie-Maßnahme mit rund 4,3 Millionen Euro von der EU gefördert. Die Leitung liegt bei der University of Warwick, England.
 

„Die Umstellung auf Erneuerbare Energien ist eine internationale Herausforderung“


„Mit dem aktuellen Fachkräftemangel ist die Energiewende nicht zu schaffen. Für die Ausbildung der nächsten Generation setzen wir auf eine enge, länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Denn die komplette Umstellung der Energieerzeugung auf Erneuerbare Energien ist eine internationale Herausforderung, die nicht an den Ländergrenzen Halt macht“, erklärt Marco Liserre, Professor für Leistungselektronik an der CAU und Gastgeber des Treffens in Kiel.

Wer im Programm „WinGrid“ promovieren will, braucht nicht nur exzellente Studienleistungen. Zentrale Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich auf neue Perspektiven einzulassen: Für die Promotion wechseln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach ihrem Studium nicht nur die Universität, sondern auch das Land. Außerdem gehören Aufenthalte an anderen Forschungsinstituten oder Unternehmen zum Programm. Zweimal im Jahr treffen sich die Promovierenden bei einer der Partnerinstitutionen zu einem mehrtägigen Workshop, um den Stand ihrer Arbeiten zu diskutieren, Forschungsansätze vor Ort kennenzulernen und Firmen der Energiewirtschaft aus der Region zu besuchen. Parallel findet das Netzwerktreffen des Projektkonsortiums statt.


Die Interaktion von Windkraftanlagen und Stromnetz untersuchen


Schwerpunkt des Treffens in Kiel ist die Rolle der Leistungselektronik bei der Stromeinspeisung aus Windkraftanlagen ins Energienetz. „Was passiert mit unserem Stromnetz, wenn wir Windkraftanlagen integrieren? Die Interaktion zwischen den Anlagen und dem Stromnetz wollen wir untersuchen, verstehen und verbessern, um eine reibungslose, stabile Stromversorgung zu erreichen“, so Dr. Marius Langwasser, der das WinGrid-Programm an der CAU mitkoordiniert. Die entscheidende, technische Schnittstelle sind leistungselektronische Bauteile wie die „Smart Transformer“, an denen der gebürtige Italiener Liserre seit vielen Jahren forscht, seit 2013 an der CAU. In einem Stromnetz mit dezentralen Energieproduzenten und -konsumenten wie Windkraft- oder Photovoltaikanlagen und Ladestationen für Elektroautos ändert sich der Bedarf und das Angebot an Energie laufend. Die intelligenten Transformatoren sollen dabei helfen, diese Schwankungen zu regulieren und eine zuverlässige Energieversorgung sicherzustellen.

Zwei der insgesamt fünfzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer des internationalen Qualifzierungsprogramms promovieren bei Marco Liserre an der CAU. „Professor Liserre ist ein international bekannter Experte in der Leistungselektronik, deshalb habe ich mich für Kiel entschieden“, sagt Ziqi Zhou, der in China Elektrotechnik studiert hat und jetzt zur störungsfreien Integration von großen Offshore-Windparks in das Stromnetz forscht. „Mir gefällt der internationale Ansatz des Programms und die Zusammenarbeit mit Menschen aus der ganzen Welt“, ergänzt Anuradha Mudalige aus Sri Lanka. Im Erasmus-Mundus-Programm der EU hat er im Rahmen seines Masterstudiums zu nachhaltigem Transport und elektrischen Energiesystemen bereits in England, Spanien und Portugal studiert. Jetzt forscht er zur Netzanbindung von Offshore-Windparks mit Gleichstrom. „Ich komme selbst von der Küste – das gefällt mir auch hier in Kiel.“

Förderinformationen zum Projekt:

  • Projekttitel: WinGrid: Wind farm - grid interactions: exploration and development
  • Projektpartner: Universität Aalborg (Dänemark), Imperial College London (England), Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Deutschland), Dänemarks Technische Universität (Dänemark), University College Dublin (Irland), Universität Tel Aviv (Israel) sowie das Klassifizierungs- und Zertifizierungsunternehmen DNV Niederlande
  • Förderung: Europäische Union
  • Förderprogramm: Horizon 2020: Excellent Science - Marie Skłodowska-Curie Actions
  • Fördervolumen: 4.290.017,04 Euro (davon 505.576,80 Euro an die CAU)
  • Laufzeit: 1.10.2019 – 31.03.2024

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Marco Liserre, PhD
Lehrstuhl für Leistungselektronik, CAU
0431/880-6100
ml@tf.uni-kiel.de

Gruppenfoto
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Beim Workshop an der CAU lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des internationalen Promotionsprogramms „WinGrid“ die Kieler Forschung zur Stromnetzintegration kennen sowie regionale Unternehmen der Energiewirtschaft.

Zwei Männer an der Tafel
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Gastgeber Professor Marco Liserre (links) begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Technischen Fakultät, zusammen mit Programmleiter Professor Xiaowei Zhao von der University of Warwick. Einige Mitglieder des Projektkonsortiums nehmen digital an dem Treffen teil.

Gruppe Menschen vor einer Vitrine
© WinGrid

Wissenschaft und Kultur der Region kennenlernen: Eine gemeinsame Exkursion führte die Promovierenden zum Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ISIT nach Itzehoe und in das Multimar Wattforum in Tönning.

Weitere Informationen:

Website des Promovierendenprogramms WinGrid: www.wingrid.org
EU-Förderwebsite: https://cordis.europa.eu/project/id/861398

Über den CAU-Forschungsschwerpunkt KiNSIS:

Im Nanokosmos herrschen andere, quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Strukturen und Prozesse in diesen Dimensionen zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsnah umzusetzen, ist das Ziel des Forschungsschwerpunkts »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences könnten daraus neuartige Sensoren und Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche medizinische Therapien und vieles mehr entstehen. www.kinsis.uni-kiel.de

Pressekontakt:
Julia Siekmann
Referentin für Wissenschaftskommunikation, Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Sciences (KiNSIS)