Forschung | Naturwissenschaft & Mathematik

Brasilianische Libelle nach Kieler Professor benannt

Neu beschriebene Art Heteragrion gorbi

„Es sind erfreuliche Nachrichten, dass neue Arten gefunden und beschrieben werden – und wir nicht nur Arten verlieren“, freut sich Professor Stanislav N. Gorb. Dem Direktor der Arbeitsgruppe Funktionelle Morphologie und Biomechanik am Zoologischen Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) wurde jüngst eine ganz besondere Ehre zuteil: Forscherkollegen haben eine neu entdeckte Libellenspezies im Südosten Brasiliens nach dem renommierten Kieler Wissenschaftler benannt.

Entdeckt und beschrieben wurden sechs Männchen und ein Weibchen der bis dato unbekannten, bläulich gemusterten Libellenart Heteragrion gorbi von den Forschern Rodrigo Roucourt Cezário und Rhainer Guillermo-Ferreira in einem Bach im brasilianischen São Carlos in São Paulo. „Ich freue mich natürlich sehr darüber“, sagt Gorb, „es gibt noch so viel Unbekanntes zu entdecken auf diesem Planeten, vor allem in tropischen Gebieten. Dafür müssen wir nicht erst auf den Mars. Das fasziniert mich sehr.“ Gleichzeitig mache sich der CAU-Wissenschaftler und Namenspate aber auch Sorgen: „Wie lange überlebt diese Art? Finden die Kollegen sie überhaupt wieder? Man denkt sofort an Biodiversität und bekommt einen ganz persönlichen Bezug.“ Das Thema Artenschutz lassen auch Cezário und Guillermo-Ferreira in ihrer Publikation anklingen und verbinden den Fund mit einer Perspektive für die Region: „Die Entdeckung von H. gorbi in einem Gebiet, das von Monokulturen und Autobahnen umgeben ist, gibt uns Hoffnung für die Naturschutzmaßnahmen, die das Gebiet schützen, aber sie erinnert uns auch an die Risiken, denen die natürliche Umwelt und die Tierwelt heute in Brasilien ausgesetzt sind. Wir hoffen, dass diese neue Art zu einem Aushängeschild wird, um die lokalen Bemühungen für den Schutz des Espraiado-Baches und der umliegenden Cerrado-Gebiete wird, was ein Vorbild für die Landes- und sogar für die nationale Politik für den Schutz und die Erhaltung der natürlichen Umwelt und der Tierwelt des Cerrado werden könnte.“

Originalpublikation:

Rodrigo Roucourt Cezário and Rhainer Guillermo-Ferreira (2021). Heteragrion gorbi sp. nov. (Odonata: Heteragrionidae) from southeastern Brazil. Zootaxa 4965 (1): 78–86.
https://doi.org/10.11646/zootaxa.4965.1.3

Libellen
© Magnolia Press

Die jüngst entdeckte Heteragrion gorbi zeichnet sich durch eine besondere Musterung aus, die bei anderen Libellenarten höchst selten auftritt. Abbildung mit Genehmigung von Magnolia Press/Reproduced with permission from copyright holder.

Wissenschaftlicher Kontakt:

Prof. Dr. rer. nat. Stanislav N. Gorb
Leitung Funktionelle Morphologie und Biomechanik, AG Gorb
Zoologisches Institut
sgorb@zoologie.uni-kiel.de 
www.sgorb.zoologie.uni-kiel.de

 

Pressekontakt:

Anna-Kristina Pries
Sachgebiet Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation