Geisteswissenschaft

Die Zivilisierung Libyens

Vortrag von Islamwissenschaftler Henning Sievert am 29. April

„Zivilisiert, fortschrittlich und modern – das sind wir, und andere wollen es auch sein.“ Mit dieser Haltung rechtfertigte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts innenpolitische Maßnahmen ebenso wie die Kolonialherrschaft. Betrachtet man die Sache jedoch genauer, stellen sich heute viele Fragen: Ging diese Haltung von den am weitesten fortgeschrittenen Mächten der Zeit, wie Großbritannien oder Frankreich, aus? Wie verhielten sich im Vergleich weniger fortgeschrittene Mächte, wie Italien oder das Osmanische Reich? War das Osmanische Reich ein Opfer des Imperialismus oder selbst Kolonialmacht? Fragen wie diesen geht am Montag, 29. April, der Islamwissenschaftler Professor Henning Sievert von der Universität Heidelberg nach. Er folgt damit einer Einladung des Fachbereichs Islamwissenschaft der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). Sein Vortrag thematisiert insbesondere die Beispiele Tripolitaniens und der Cyrenaica, heute Libyen, in den Jahrzehnten um 1900. Sievert wird an ihnen verdeutlichen, worin die vielbeschworene Zivilisiertheit bestand, wie sie gemessen und den „Kolonisierten“ vermittelt oder aufgezwungen wurde. Alle Interessierten sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
 

Das Wichtigste in Kürze:

Datum: 29.4.2019
Zeit: 18:00 Uhr
Ort: Christian-Albrechts-Platz 2, Audimax, Hörsaal D

Kontakt:     

Professor Lutz Berger
Fachbereich Islamwissenschaft am Seminar für Orientalistik
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
0431/880-1372
berger@islam.uni-kiel.de

 

Henning Sievert ist seit 2018 Professor für Islamwissenschaft (Türkisch und Persisch) an der Universität Heidelberg. Seine Forschungsgebiete umfassen die Kultur, Politik und Gesellschaft Vorderasiens, Nordafrikas und Südosteuropas vom 15. bis zum 20. Jahrhundert. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Osmanischen Reich, das diese Regionen während des gesamten Zeitraums prägte. Die philologische Grundlage bilden osmanisch-türkische, arabische und persische Quellentexte, die in erster Linie aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive untersucht werden.