Praxis-Workshop: 60 Schülerinnen experimentieren an der Uni

Vier Tage lang Einblicke ins Physik- und Technikstudium

 

Zwei Mädchen mit einer Plastikflasche
Frauen im Labor
Mädchen am Tisch

Eigene Experimente machen, die Universität kennenlernen und andere Physik- und Technikbegeistere treffen: Bereits zum fünften Mal sind Oberstufenschülerinnen aus ganz Schleswig-Holstein zu einem viertägigen Workshop an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) eingeladen. Noch bis Samstag (20. August) laufen hier die „Projekttage Physik und Technik“. In Kleingruppen bauen die Schülerinnen eigene Solarzellen, Wasserraketen oder führen selbst Experimente zur Quanten- oder Plasmaphysik durch. Zum Abschluss stellen sie ihre Projekte Familien, Freunden und Lehrkräften auf einem „wissenschaftlichen Marktplatz“ vor.
 

Das Wichtigste: Neugier und Spaß an Naturwissenschaft und Technik


Dicke Klammern halten die beiden dünnen Glasplättchen zusammen. Vorsichtig schiebt Nele zwei Messspitzen dazwischen, Laborpartnerin Rina leuchtet mit einer Taschenlampe darauf. „Hier fließt ja wirklich mehr Strom durch, als wir gedacht haben“, sagt Rina und notiert die Ergebnisse ihres Experiments. Die beiden 17-jährigen Schülerinnen sind aus Elmshorn und Henstedt-Ulzburg nach Kiel gekommen. In ihrem Projekt bauen sie selbst Solarzellen und untersuchen, welche am besten funktioniert. Nele findet es toll, einmal in einem „richtigen“ Labor zu sein. Projektkollegin Emma aus Ratzeburg gefällt es, so frei experimentieren zu können. „Ich hatte vorher keine konkrete Vorstellung, aber der Workshop hat mich bestätigt, dass ein technisches Studium etwas für mich sein könnte“, sagt die 18-Jährige. Doktorandin Talina Rusch ist eine der Betreuerinnen des Projektes und zufrieden: „Die Mädchen sind super, sehr interessiert und stellen viele Fragen.“

Neugierig sein, viel ausprobieren und Einblicke ins Physik- und Technikstudium bekommen – genau darum geht es dem Organisationsteam der Projekttage. Aber auch gemeinsame Grillabende und Ausflüge wie in den Hochseilgarten stehen auf dem Programm, denn: naturwissenschaftliche Arbeit ist Teamarbeit. „Die Schülerinnen sollen sehen, dass es viele gibt, die ähnliche Interessen haben wie sie. Die Studentinnen, Doktorandinnen und Professorinnen, die sie hier beim Workshop kennenlernen, sind hoffentlich inspirierende Vorbilder“, sagt Dr. Franko Greiner vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik. Er ist gemeinsam mit Professor Dietmar Block seit dem ersten Workshop im Jahr 2011 dabei und hat das Format mitentwickelt. „Zum ersten Mal haben wir diesmal auch Projekte aus der Materialwissenschaft und der Elektrotechnik. Denn der Arbeitsmarkt braucht insgesamt dringend mehr gut ausgebildete Absolventinnen und Absolventen aus den Fächern Physik und Technik“, so Block.
 

Früher selbst Teilnehmerin – jetzt Mitorganisatorin


Das betonte auch CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda in ihrer Begrüßung am ersten Abend. „Die Förderung von Gleichstellung an unserer Universität ist für mich ein wichtiges strategisches und persönliches Anliegen. In den nächsten Tagen stehen Sie als Schülerinnen hier im Mittelpunkt, denn wir brauchen Sie. Physik und Technik sind sehr spannende Fächer, aber wir haben dort immer noch wenig Frauen.“ Fulda hob die Bedeutung von Formaten wie diesen hervor, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft als Leuchtturmbeispiel für forschungsorientierte Gleichstellungsmaßnahmen herausgestellt wurde, und dankte den ehrenamtlich tätigen Projektleitungen sowie dem Organisationsteam.

Zu den Mitwirkenden gehört in diesem Jahr zum ersten Mal auch Physikstudentin Jolina Pech. Mit dem Workshop kennt sie sich aber bereits gut aus, denn vor vier Jahren war sie selbst als Teilnehmerin dabei. „Die Projekte und die enge Gemeinschaft mit den anderen Teilnehmerinnen haben mir damals sehr viel Spaß gemacht und mich in meinen Wunsch bestärkt, Physik zu studieren. Dass ich jetzt als Mitorganisatorin anderen Mädchen Einblicke in das Physikstudium geben kann, freut mich total.“ 
 

So geht es weiter


Die nächsten Projekttage Physik und Technik finden voraussichtlich 2024 in der ersten Woche nach den Sommerferien statt. "Alle, die dieses Jahr nicht dabei sein konnten, haben dann die nächste Gelegenheit", sagt Block.

Diese Projekttage wurden durch den Forschungsschwerpunkt KiNSIS „Kiel Nano, Surface and Interface Science“ sowie durch Gleichstellungsmittel im Rahmen des Professorinnenprogramms III der CAU gefördert.

Weitere Informationen:

https://ppt.physik.uni-kiel.de/

Kontakt:

Dr. Jasmin Andersen
Physik und Technik
+49 431 880-3846
andersen@physik.uni-kiel.de

Mädchen im Labor
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Die 17-jährige Schülerin Nele aus Elmshorn konzentriert sich beim Bau einer Solarzelle. „Ich finde es toll, einmal in einem richtigen Labor zu sein!“

 

Hörsaal mit Schülerinnen
© Julia Siekmann, Uni Kiel

60 Schülerinnen aus ganz Schleswig-Holstein nehmen in diesem Jahr an den „Projekttagen Physik und Technik“ in der CAU teil. Gemeinsam arbeiten sie an Projekten und Experimenten, die über den Schulunterricht hinausgehen.

Frau am Pult
© Julia Siekmann, Uni Kiel

CAU-Präsidentin Professorin Simone Fulda begrüßte die Workshopteilnehmerinnen und Betreuende und betonte die Bedeutung von Formaten wie diesem für die Gleichstellungsarbeit.

 

Esstische im Grünen
© Julia Siekmann, Uni Kiel

Wissenschaft ist Teamwork: Neben der Projektarbeit stehen auch gemeinsame Grillabende und Ausflüge auf dem Workshop-Programm.

Über den CAU-Forschungsschwerpunkt KiNSIS:

Im Nanokosmos herrschen andere, quantenphysikalische, Gesetze als in der makroskopischen Welt. Strukturen und Prozesse in diesen Dimensionen zu verstehen und die Erkenntnisse anwendungsnah umzusetzen, ist das Ziel des Forschungsschwerpunkts »Nanowissenschaften und Oberflächenforschung« (Kiel Nano, Surface and Interface Science – KiNSIS) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In einer intensiven interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Physik, Chemie, Ingenieurwissenschaften und Life Sciences könnten daraus neuartige Sensoren und Materialien, Quantencomputer, fortschrittliche medizinische Therapien und vieles mehr entstehen. www.kinsis.uni-kiel.de

Pressekontakt:
Julia Siekmann
Referentin für Wissenschaftskommunikation, Forschungsschwerpunkt Kiel Nano Surface and Interface Sciences (KiNSIS)