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Innovative Forschung im Norden: Der Leibniz-WissenschaftsCampus EvoLUNG erhält erneut Förderung

Dank der positiven Entscheidung der Leibniz-Gemeinschaft kann das interdisziplinäre Forschungsnetzwerk des Forschungszentrums Borstel Leibniz Lungenzentrum (FZB), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EB) seine Arbeit für weitere vier Jahre fortführen. Ziel des Leibniz-WissenschaftsCampus "Evolutionary Medicine of the Lung (EvoLUNG)" ist es, durch die Erforschung evolutionärer Prozesse ein besseres Verständnis der Entstehung von Asthma, chronisch obstruktiver Lungenkrankheiten (COPD) und Tuberkulose zu erhalten und daraus neue Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Seit der Gründung des Leibniz-Wissenschaftscampus EvoLUNG im Oktober 2016 stellt der Zusammenschluss dieser drei Forschungsinstitutionen Schleswig-Holsteins die erste Einrichtung in Deutschland dar, die sich mit dem neuen Feld der Evolutionsmedizin beschäftigt und dabei Lungenerkrankungen im Fokus hat. Mit Hilfe von evolutionsbiologischen Methoden arbeiten Promovierende gemeinsam mit ihren wissenschaftlichen Mentorinnen und Mentoren daran, die Ursachen von Asthma, COPD, Tuberkulose und anderen chronischen/infektiösen Lungenerkrankungen näher zu verstehen und Behandlungsmethoden zu optimieren.

Zahlreiche Publikationen in hoch angesehenen wissenschaftlichen Fachzeitschriften zeigen, dass dieses innovative Konzept durch Kombination verschiedener Disziplinen innerhalb der Lebenswissenschaften mit aktuellen medizinischen Herausforderungen ein inspirierendes und erfolgversprechendes Mikroklima für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schafft. „Evolutionäre Prozesse sind zentral für eine Vielzahl von Erkrankungen beim Menschen, werden bei der medizinischen Betrachtung aber nur selten berücksichtigt“, so Professor Hinrich Schulenburg von der CAU und Vizesprecher von EvoLUNG. „Diese kritische Lücke versuchen wir im Leibniz WissenschaftsCampus EvoLUNG zu schließen, um zukünftig über ein verbessertes, evolutionäres Verständnis von Lungenerkrankungen neue, nachhaltige Therapieansätze zu entwickeln“, so Stefan Niemann vom FZB und EvoLUNG-Sprecher.

Verschiedene EvoLUNG-Nachwuchsforschende wurden bereits mit Forschungspreisen ausgezeichnet; erst kürzlich bekam Dr. Camilo Barbosa für seine Forschungsarbeit den renommierten John-Maynard-Smith Forschungspreis der Europäischen Gesellschaft für Evolutionsbiologie. Barbosa trug in Schulenburgs Arbeitsgruppe an der CAU mit seinen Forschungsarbeiten dazu bei, das Konzept der „kollateralen Sensitivität“ zu formulieren. Er konnte zeigen, dass die Entstehung einer Resistenz gegenüber einem Antibiotikum im Erreger der Lungenentzündung Pseudomonas aeruginosa gleichzeitig zu einer Empfindlichkeit gegenüber anderen Wirkstoffen führt. Ein Konzept, welches zur Optimierung von Therapieansätzen in der Behandlung von Infektionen mit multiresistenten Bakterien genutzt werden kann.

Der Erfolg des Leibniz WissenschaftsCampus EvoLUNG wurde nun durch ein internationales Gutachtergremium bestätigt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass das Forschungsnetzwerk strukturell hervorragend aufgestellt sei und sich mit Themen von besonderer Aktualität und Relevanz beschäftige. Die drei in EvoLUNG behandelten Forschungsbereiche würden sich hervorragend ergänzen und inhaltlich so gestalten, dass auch zukünftig ein klarer Mehrwert aus dieser interdisziplinären Arbeit zu erwarten ist. Auf Basis dieser Gutachten hat der Senat der Leibniz-Gemeinschaft beschlossen die Förderung für den Wissenschaftscampus EvoLUNG für weitere vier Jahre fortzuführen. Somit können die drei Projektpartner im Oktober 2020 in die zweite Förderphase starten und ihre erfolgreiche evolutionsmedizinische Forschungsagenda weiterentwickeln.

Mit großer Freude wurde diese Nachricht in Kiel, Plön und Borstel aufgenommen. „Dieser Leibniz Wissenschaftscampus EvoLUNG ist vor allem wegen seiner Originalität und seiner strategischen Vorreiterrolle von den Gutachterinnen und Gutachtern sehr gelobt worden – darauf können die antragstellenden Forschenden und Institutionen wirklich stolz sein“, freute sich der Direktor des Forschungszentrums Borstel, Professor Stefan Ehlers.

CAU-Vizepräsidentin Professorin Karin Schwarz sieht in der Förderzusage eine Bestätigung des aktuellen Erfolgskurses: „Die Kieler Universität hat sich in den vergangenen Jahren gemeinsam mit ihren Partnerinstitutionen zu einem bundesweit einzigartigen Hotspot in der Evolutionsforschung entwickelt. Nach der erfolgreichen Einwerbung des DFG-Graduiertenkollegs TransEvo und der jüngsten Förderempfehlung des Wissenschaftsrats für den Bau des evolutionswissenschaftlichen CeTEB-Forschungszentrums an der CAU bekennt sich nun auch die Leibniz-Gemeinschaft erneut zur Führungsposition des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein auf diesem Gebiet. Die weitere Förderung des EvoLUNG-Campus bestätigt das Kieler Konzept der Translationalen Evolutionsbiologie, das insbesondere in der künftigen medizinischen Anwendung zum Beispiel in der Behandlung von Lungenerkrankungen vielversprechende Perspektiven eröffnen wird.“

Computergrafik einer Lunge mit Krankheitserregern darin
© Sebastian Kaulitzki, Fotolia

Lungeninfektion

Über die WissenschaftsCampi
Leibniz-WissenschaftsCampi ermöglichen Leibniz-Einrichtungen und Hochschulen eine thematisch fokussierte Zusammenarbeit im Sinne einer regionalen Partnerschaft. Ziel ist es, Netzwerke zu schaffen, um den jeweiligen Forschungsbereich weiter zu entwickeln und das wissenschaftliche Umfeld zu stärken. Leibniz-WissenschaftsCampi betreiben strategische Forschung, befördern Interdisziplinarität in Themen, Projekten und Methoden, machen den jeweiligen Standort sichtbar und stärken sein Forschungsprofil. EvoLUNG geht als einziger Leibniz-WissenschaftsCampus in Schleswig-Holstein in die nächste Förderphase.

 

Weitere Informationen:

Kontakt:

Prof. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel
Leibniz Lungenzentrum
Parkallee 1
23845 Borstel
04537/188 7620
sniemann@fz-borstel.de


Prof. Hinrich Schulenburg
Leiter Arbeitsgruppe Evolutionsökologie und Genetik, CAU Kiel
0431-880-4141
hschulenburg@zoologie.uni-kiel.de