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Digital optimierte Silageherstellung – Silolytics erhält EXIST-Gründerstipendium

Sensoren sollen Landwirt*innen bei ihrer Arbeit helfen.

Die Qualität des Silierprozesses ist entscheidend, wenn es darum geht, Futtermittel oder Erzeugnisse für Biogasanlagen möglichst ressourcenschonend und gleichzeitig hochproduktiv zu erzeugen. Silolytics möchte die Herstellung von Silage aus zwei oder mehr Substraten sensorgestützt optimieren und Landwirt*innen damit ihre Arbeit erleichtern. Gefördert werden die angehenden Unternehmerinnen und Unternehmer – bestehend aus einem Masterstudenten, einer Absolventin der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und einem Absolventen der Technischen Universität Berlin – seit dem 1. Juni durch ein EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums.

In landwirtschaftlichen Betrieben kommen zur Silageherstellung häufig sogenannte Fahrsilos zum Einsatz, die mit Traktoren zu befahren sind. Es besteht aus einer von zwei Betonwänden begrenzten Fläche, auf der das Substrat gelagert wird. Fährt ein Traktor über die Aufschüttung, werden die Halme gepresst, Pflanzensäfte treten aus und fangen unter einer Folie nach einiger Zeit an zu gären. Diese Milchsäuregärung macht das Produkt, die Silage, lagerfähig und ganzjährig für die Fütterung oder zur Energieerzeugung aus Biomasse nutzbar. Um die Effizienz zu erhöhen und gleichzeitig die Biodiversität der Fruchtfolge zu verbessern, bietet sich der vermehrte Einsatz landwirtschaftlicher Koppelprodukte wie Stroh oder die Nutzung von bislang nur in geringem Umfang eingesetzten Pflanzen wie Zuckerrüben an. Die vorherrschende Form der Monosilierung (der Einsatz eines einzelnen Substrates, wie etwa Gras) ist jedoch nur zum Teil für diese Ernteprodukte geeignet. Eine erfolgreiche Konservierung kann nur durch die „Co-Silierung“, also die Zusammenführung von zwei oder mehr Substraten in einem Silo, erreicht werden. Durch ungenaue Zusammensetzungen können solche Co-Silagen, bei allen ökologischen Vorteilen, meist nur bedingt zur weiteren Verwertung eingesetzt werden. Bislang erfolgt die Mischung meist nach Augenmaß und auch der Verbrauch der fertigen Silage wird häufig durch händische Markierung an den Betonwänden ermittelt.

Ties Junge, Fehmke Böckenhauer und Simon Ehrenstein wollen Landwirt*innen mit der Sensorplattform „Silolytics“ digital bei der Silageherstellung unterstützen. „Das entwickelte Sensorsystem für jede Fahrzeugplattform löst das Problem der ungenauen Dosierung, indem die eingebrachten Mengen über das gesamte Fahrsilo genau erfasst werden. So lässt sich das Zudosieren des Co-Substrates automatisch steuern“, so Ties Junge, der das Konzept im Rahmen seiner Masterarbeit am Lehrstuhl für Agromechatronik an der TU-Berlin entwickelte. Auch die Lagerhaltung wird durch eine automatische Messung erleichtert. #Das System eignet sich für Lohnunternehmer und größere eigenmechanisierte landwirtschaftliche Betriebe. „Besonders in den letzten Jahren mit extremer Trockenheit oder Nässe kommt der Effizienz der Silierung eine große Bedeutung zu“, berichtet Fehmke Böckenhauer ihre Erfahrungen in der Futtermittelbranche. Besonders hohen Wert legt das Team von Silolytics auf eine ansprechende und übersichtliche Bedienung. „Dafür entwickeln wir das Bedieninterface als Tablet basierte App“, erläutert Simon Ehrenstein, der derzeit noch sein Masterstudium der Informatik an der CAU absolviert.

Gefördert wird das innovative Team dabei in den nächsten zwölf Monaten durch das EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums. Seit dem 1. Juni arbeiten die drei am Inkubator des Zentrums für Entrepreneurship (ZfE) an der CAU. Dort wird ihnen neben einem Arbeitsplatz auch wertvolles Gründungs-Know-how zur Verfügung gestellt. „Wir werden das Team mit unserem Wissen und unseren Ressourcen unterstützen und in den nächsten Monaten intensiv begleiten. Denn dass diese Idee Potential hat, zeigt nicht nur die Gewährung einer öffentlichen Förderung durch den Bund, sondern vor allem das positive Feedback von landwirtschaftlichen Betrieben.“, fasst Dr. Anke Rasmus, Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship, das Vorhaben zusammen.

Professor Wilhelm Hasselbring, Leiter der Software Engineering Group an der CAU, steht dem Team als wissenschaftlicher Mentor zur Seite. „Die weitere Digitalisierung in der Landwirtschaft sehe ich auch gerade für Schleswig-Holstein als äußerst zukunftsträchtig an, und die Innovation zielt genau in diese Richtung. Dieses Start-up ist auch ein schönes Beispiel für den Transfer aus dem Informatik-Studium in die Praxis.“


Weiterführende Informationen:

 Zentrum für Entrepreneurship (ZfE) 
 EXIST-Gründerstipendium
 

Gruppenfoto mit drei Personen.
© Thomas Engel, Silolytics

Das Team von Silolytics (v. l.): Simon Ehrenstein, Fehmke Böckenhauer und Ties Junge.

Kontakt Silolytics:

Fehmke Böckenhauer, Simon Ehrenstein, Ties Junge
 info@silolytics.de

Kontakt Zentrum für Entrepreneurship (ZfE):

Dr. Anke Rasmus
 0431 / 880 – 4698
arasmus@uv.uni-kiel.de

Christin Beeck
Presse, Digitale und Wissenschaftskommunikation